# B.O.F.H.

Bastard Operator from Hell

# Das Zuhause des BOFH

**Die überarbeitete King-James-Urgeschichte des BOFH. Revision: 6f**<span> </span>**Wo er herkam, wie und warum...**

Hier ist die überarbeitete Fassung, basierend auf verschiedenen neuen Erkenntnissen.

# Wo er herkam:

Ich war Operator an der University of Waikato, damals in jenen berauschenden Tagen, als "Helpdesk" noch ein Fremdwort war, die Plattenquote (*diskquota*) alles bedeutete und Menschenleben für ein paar Seiten Laserausdrucke verkauft und gekauft werden konnten – was auch regelmäßig vorkam. Wir Operatoren hatten Kräfte, die fast schon an technische Superhelden grenzten. Einerseits besaßen wir das SYSTEM- und die Root-Passwörter, andererseits hatten wir immer die Ausrede parat: „Echt? Ich wusste nicht, dass `DEL *.*;*` das bewirkt – ich bin doch nur ein Operator...“

Alle Macht und keinerlei Verantwortung. Gute Zeiten. Man konnte einem User **ALLES** antun, und niemand merkte es. Nun ja, sie merkten es schon, aber sie konnten einem nichts beweisen.

Trotzdem war ich gelangweilt und oft genervt. In den späten 80ern fing ich sogar an, auf diese selbstgerechte Art bitter und verdreht zu werden, die Leute oft entwickeln, wenn sie einen verdammt gemütlichen Job haben.

Ich hielt jedoch einen *TRS80 Model 100* in meinen gierigen kleinen Händen, mit stolzen **23 KB** Speicher (und ohne Festplatte), aber mit einem eingebauten Firmware-Texteditor. Das Teil hatte ich bei einem Gebäudeumzug aus dem Müll gerettet. Es war Teil eines Gebäudemanagementsystems, das nie eingeschaltet wurde, weil niemand wusste, wie man es bedient... **BONUS!** Ich fing an, zu Hause Artikel darauf zu schreiben und sie von der Arbeit aus im Usenet zu posten. Die schwierigste und wichtigste Aufgabe war es, daran zu denken, den „Trash-80“ mitzunehmen, um den Upload zu machen, da er nur etwa drei Schimpftiraden speichern konnte, bevor der Speicher voll war. *Seufz.*

# Die Geburtsstunde des Bastards

So um 1988-89 herum – genau weiß ich es nicht mehr – schrieb ich gerade am *Striped Irregular Bucket* (einer Serie von schrägen Artikeln, die weniger eine Handlung hatten, sondern eher dazu dienten, einen Bewusstseinsstrom-Eimer auszuleeren). Ich befand mich in einer ähnlichen Situation wie der arme Operator, über den ich schrieb: Ich war gelangweilt. Also hämmerte ich eine Episode raus, die weit weniger beleidigend war als einige meiner vorherigen Posts (ich las zu dieser Zeit viel zu viel in `alt.tasteless`). Irgendwo im Text erwähnte ich das Computing und das *„Bastard Operator from Hell Manual“*. Kurz nach der Veröffentlichung bekam ich die ersten E-Mails von Leuten, denen die Idee eines Handbuchs darüber, wie man fies zu Usern ist, gefiel.

(Man muss bedenken: Zu dieser Zeit wurde das Usenet eigentlich nur von Computer-Halbliteraten und Aufwärts genutzt, und nicht von den hufengepeitschten *Luser*-Typen, die sich heute dort herumtreiben. Es gab damals also einen höheren Prozentsatz an Support-Leuten im Vergleich zu Luser-Typen, und ihnen gefiel die Vorstellung einer Welt, die zur Abwechslung mal zu ihren Gunsten gewichtet war.)

E-Mails zu erhalten war an sich schon ungewöhnlich, aber nicht-lokale und nicht-jammernde E-Mails zu bekommen, war fast unerhört. Ich war überrascht. Ich hielt es jedoch nur für eine kurze Modeerscheinung, ignorierte das Offensichtliche (dass die Leute es liebten) und schrieb an anderen Dingen weiter, wobei ich den BOFH (der bis dahin noch so gut wie namenlos war) in *Striped Irregular Bucket #5* wiederbelebte. Es kamen mehr E-Mails, und da ich nicht schwer von Begriff bin, dachte ich mir, ich haue mal ein paar BOFH-Artikel raus. Und es kamen noch mehr E-Mails. Ich schrieb noch ein bisschen mehr und brachte den BOFH dann um (wie ich es oft mit Charakteren tat, die ich in eine Sackgasse geschrieben hatte), nur um festzustellen, dass die Leute ihn nicht tot sehen wollten. Ich erweckte ihn für eine Weile wieder zum Leben, bis mir die Fantasie und die Ideen ausgingen und ich die Sache ruhen ließ. In manchen Jahren hämmerte ich zu Weihnachten einen schnellen Artikel raus, meist kurz vor oder während der Büroparty.

# Mission Control und der Weg zurück

Ich spielte eine Zeit lang mit dem *„Bastard System Manager From Hell“* herum, legte aber auch den schlafen. Ende '92 ging ich für ein Jahr nach London, um mein Glück zu suchen und zu sehen, ob die Straßen dort mit Gold gepflastert waren. Waren sie nicht, aber es war eine großartige Zeit für die IT, und ich landete bei einer kleinen Ölgesellschaft. Wenn ich heute an „Mission Control“ denke, denke ich immer an den Operations-Raum im zweiten Stock von *Enterprise Oil* mit Blick auf das Sherlock-Holmes-Pub in der Northumberland Street. Ich zimmerte dort ein paar Episoden zusammen und postete sie auf einem extrem umständlichen Weg, weil die Firma damals keine Internetverbindung hatte.

Im Grunde musste ich mich in einen Keller des *University College London* schleichen (zwischen dem Ende der Laborzeit und der Schließung des Gebäudes), den Artikel schreiben, ihn an einen neuseeländischen Benutzernamen schicken und ihn dann über eine extrem verzögerte Telnet-Verbindung zu einem VMS-Rechner, auf dem NEWS lief, ins Usenet posten. Von wegen Antwortzeiten... Ich erinnere mich noch an die berauschende Freude, als die Ölgesellschaft endlich eine Dial-up-Verbindung zur echten Welt bekam. Gute Zeiten...

Während meiner Zeit in Großbritannien bekam ich vielleicht eine Mail pro Woche von jemandem, der die Geschichten gerade zum ersten Mal gelesen hatte. Ich kehrte nach Hause zurück, nahm einen Job als Analyst Programmer an, verabschiedete mich vom Serverraum und dachte, das wäre ein passendes Ende für den BOFH.

Das war zumindest der Plan. Dann trat Maxwell Cooter mit einem hinterlistigen Plan auf den Plan...

# 1995

# Kapitel 1

Ich sitze also wieder in meinem Büro und konfiguriere den Router um, als das Telefon klingelt. Irgendwie wusste ich, dass das passieren würde. Ich werde offensichtlich meine Nummer (und den Operator) SCHON WIEDER ändern müssen. Ich nehme ab. „Fangen Sie an zu reden.“ „Ist da der Netzwerktechniker?“ *Seufz.* „Ja, am Apparat“, sage ich, meinem Schicksal ergeben. Ich werfe einen Blick aufs Telefon – das Display zeigt keinen Namen an, was nur eines bedeuten kann. „Sie sind neu hier, oder?“, frage ich. „Ja, woher wissen Sie das?“ „Glückstreffer. Sagen Sie mir, wie sind Sie an meine Nummer gekommen?“ „Oh, ich hab einfach beim Helpdesk angerufen.“ Wie hilfsbereit von denen... „Jedenfalls wollte ich nur kurz Bescheid geben, dass Sie ein Problem mit dem Netzwerk haben.“ „Nein“, antworte ich, „hier gibt es keine Probleme.“ „Doch, Sie haben ein Problem – mein PC funktioniert nämlich nicht.“ „Betrachten wir das doch mal logisch“, sage ich. „Ihr PC funktioniert nicht, also habe *ich* ein Problem.“ „Mit dem Netzwerk, ja. Wahrscheinlich ist irgendwo ein Stecker locker.“

Von all den Dingen, die mich so RICHTIG ankotzen, führen die Theorien vom „lockeren Stecker“ oder „Wackelkontakt“ die Liste an. Er glaubt offensichtlich, dass mein Tag daraus besteht, irgendwo in einem Serverraum zu sitzen und an „lockeren Drähten zu wackeln“, um die Netzwerkdienste zu verbessern. Oder dass ich das Netzwerk entworfen habe, indem ich bei einem Kabellieferanten angerufen, mehrere Trommeln CAT-5 bestellt und darum gebeten habe, sie „wie ein Spinnennetz im Gebäude zu verstreuen“. Als Nächstes erzählt er mir wahrscheinlich noch, dass eine der „Birnen“ an meinem FDDI-Ring durchgebrannt ist. „Hey, vielleicht ist eine der Birnen...“ Ein bisschen Wissen ist eine gefährliche Sache.

„Nein, das ist es nicht! Sie haben Ihr Patchkabel rausgekickt“, sage ich. „Das kann nicht sein!“, rudert er zurück. „Sie haben Ihr Patchkabel rausgekickt.“ „Nein, alle Kabel stecken fest hinten in meinem PC...“ „Sie haben Ihr Patchkabel rausgekickt.“ „...und sie führen alle zu der Dose im Bod... Oh, hey! Ich hab das Patchkabel rausgekickt!“ „Natürlich haben Sie das. Das passiert ständig. Das liegt daran, dass sich die verdrillten Adern in Ihrem Kabel verheddern und so die effektive Länge des Kabels verkürzen. Genau wie bei einem Telefonkabel, wenn es sich verknotet.“ „Oh, stimmt! Ich glaube, darüber habe ich mal was gelesen...“, blubbert er. Was für ein Vollpfosten. „Gibt es irgendwas, was ich dagegen tun kann?“ „Nun, Sie müssen es nur aus der Bodendose ziehen und einmal so richtig, richtig fest am Kabel rucken. Dann richten sich die verdrillten Adern alle wieder aus.“ „Aber macht das nicht meine Maschine kaputt?“ „Ach was! Der Stecker am anderen Ende ist so konstruiert, dass er rausspringt, bevor die Belastung das Kabel beschädigen könnte!“ „Okay, los geht’s...“

**KRAWUMM!!**

„HEY! ICH HAB MEINEN RECHNER AUF DEN BODEN GEZOGEN UND HINTEN IST EINE PLATINE RAUSGERISSEN!“ „Tja, da haben Sie wohl zu fest gezogen“, sage ich gelassen. „WAS SOLL ICH JETZT MACHEN? ES IST MEIN ERSTER TAG!“ „Keine Ahnung“, antworte ich. „Für mich klingt das nach einem Hardware-Problem. Ich bin nur der Netzwerktechniker...“ „Aber...“ Ich lege auf. Zeit für ein ernstes Wörtchen mit dem Helpdesk.

Schritt eins: Ab in den Serverraum, um an *deren* „Kabeln zu wackeln“ und ihr Netz flachzulegen. Schritt zwei: Ihre Rufumleitung so einstellen, dass alle Anrufe beim Chef landen. Ich suche mir wahllos ein Stockwerk aus und boote sowohl den Haupt- als auch den redundanten Router aus der Ferne neu. DIE LEITUNGEN SIND JETZT FREIGESCHALTET!

Nur Sekunden später höre ich das Telefon des Chefs klingeln. Ich gebe dem Chef etwa 10 Minuten mit wütenden Usern, dann schlendere ich mal rüber und deute an, dass die Helpdesk-Mitarbeiter mal eine Lektion darüber brauchen, was witzig ist und was nicht. Sein Telefon bei einem Netzwerkausfall zum Chef umzuleiten, ist NICHT witzig. Helpdesk-Personal, das den Arbeitsmarkt sondiert, hingegen SCHON.

Meine Gedanken werden durch einen Anruf auf dem Roten „Bat“-Telefon unterbrochen. Es ist natürlich der Chef. „Ist da der Netzwerktechniker?“ „Ganz recht, wie kann ich behilflich sein?“, schleime ich. „Ah, Sie haben da ein Problem mit Ihrem Netzwerk.“ „Haben wir das?“ (Schleim, Schleim). „Ja, ich schätze, da ist wahrscheinlich irgendwo ein Kabel locker...“

*Seufz.* Er muss weg.

# Kapitel 2

„Sie wollen mir also sagen, dass das Netzwerk sperrangelweit offen für Hacker steht?“, fragt der Chef. Der Abteilungs-Arschkriecher nickt. Ich hingegen schüttle den Kopf. Dreimal dürft ihr raten, wem er glaubt.

„Und was haben Sie gegen diese Sicherheitslücken unternommen?“, fragt der Chef, mittlerweile mehr als nur ein bisschen besorgt. „Tja...“ Ich überdenke das Thema sorgfältig für fast eine Nanosekunde, bevor ich meine Antwort präsentiere. „Gar nichts.“

„Aber unser Netzwerk ist völlig schutzlos! Die sicherheitstechnischen Auswirkungen sind fatal!“ „Das ist korrekt“, sage ich. „Mein vielgeschmähter Mit-‚Arbeiter‘ hat mit seiner Diagnose unserer Situation den Nagel zwar nicht auf den Kopf, aber immerhin daneben getroffen. Ich werde das jetzt mal zusammenfassen:

Falls es tatsächlich jemandem gelingen sollte, beide Sieben-Stift-Zylinderschlösser an einer der Türen zum Serverraum zu knacken, die Alarmanlagen und Überwachungskameras zu umgehen, den abgeschlossenen FDDI-Käfig zu öffnen oder sich alternativ durch 15 Zentimeter dicken Stahlbeton in einer Rohrleitung zu graben, die vier Fuß tief unter einer belebten Vorstadtstraße vergraben ist, um dann unsere Glasfaserkabel anzuzapfen, ohne dass wir es merken... ja, dann stehen wir sperrangelweit offen.

Falls dies jedoch, wie ich vermute, ein plump getarnter Versuch unseres Abteilungs-Arschkriechers ist, sich eine Sprosse auf der Privilegien-Leiter nach oben zu mogeln, um eine Dienstreise zur Begutachtung neuer Sicherheitssoftware abzustauben, dann halte ich unsere Gefährdungslage für geringfügig übertrieben.“

„Haben Sie gerade Dienstreise gesagt?“, fragt der Chef mit leuchtenden Augen. TREFFER, VERSENKT!

„Ja“, wirft der Arschkriecher unschuldig ein. „Nur zu einem Hersteller in den USA, der eine Software hat, die Datenströme vierfach verschlüsselt, während die Datenintegrität erhalten bleibt und die Bandbreite nicht beeinträchtigt wird.“ Natürlich hat der Chef, sobald das Wort „USA“ fällt, sofort Visionen von sich selbst, wie er das „Evaluierungsverfahren“ an einem gemütlichen Strand überwacht und im nächstgelegenen Luxusresort logiert – wegen der zentralen Lage, versteht sich. Klar doch.

Der Arschkriecher grinst hämisch, während seine Träume von einem Urlaub auf Firmenkosten Gestalt annehmen. Es kommt mir fast wie ein Verbrechen vor, seine Träume mit der Eisenstange der Realität zu zertrümmern, aber Netzwerk-Engineering ist nun mal ein schmutziges Geschäft...

„Nun, das klingt wirklich nach einer guten Idee. Ich glaube jedoch, dass es da eine fünffach verschlüsselnde Software bei einem Hersteller gibt, der sich gerade auf einer sechswöchigen Tour durch die Staaten befindet und mit dem ich bereits ein Treffen arrangiert habe.“

Um meiner Aussage mehr Gewicht zu verleihen, wedle ich kurz mit einem Blatt Papier herum, das eine beeindruckende Handschrift und einen offiziellen Briefkopf trägt. Die müssen ja nicht wissen, dass es eigentlich von meinem Anwalt ist, der versucht, mich gegen ein paar verleumderische Anschuldigungen wegen einer illegalen Abhöraktion an meinem früheren Arbeitsplatz zu verteidigen (eine miese Erpressungs-Behauptung, völlig frei erfunden von anderen Kollegen, die eifersüchtig auf mein sechsstelliges Gehalt und meinen Fünf-Minuten-Arbeitstag waren).

Das Papier in diesem Stadium vorzuzeigen ist natürlich eigentlich unnötig, da der Chef es sowieso glauben *will*... Ich gebe ihm das „Spesenritter-Zunicken“ und füge hinzu: „Hoffentlich können wir sie noch abfangen, da sie Buchungsprobleme hatten und ihre Veranstaltungsorte und Termine noch mal überarbeiten mussten.“

Jetzt hat der Chef freie Bahn auf höchstem Junket-Niveau. Er hat zwei Optionen: Entweder er fliegt mit dem Arschkriecher für einen kurzen Urlaub mit einem winzigen Anteil an technischem Inhalt in die Staaten, oder er fliegt mit mir fünf Wochen lang auf Spesen durch die USA, wobei wir den Hersteller nie ganz erwischen, mit leeren Händen nach Hause kommen und immer noch Verschlüsselungssoftware brauchen (mit anderen Worten: bereit für die nächste Sause), null technischer Inhalt, dafür aber die latente Gefahr einer Alkoholvergiftung.

Wählt er die erste Option, wird der Arschkriecher unter der jeweiligen Prüfung einknicken. Der Chef lächelt. Ich lächle. Wir beide lächeln. Der Arschkriecher schluchzt – er weiß, was die Stunde geschlagen hat.

„Natürlich“, sage ich, „wollen wir den Beschaffungsprozess nicht unnötig verkomplizieren und unsere Ressourcen bei der Recherche nicht zu dünn säen. Ein kleines Team, das sich auf die Hardware konzentriert, sollte reichen.“ Einleitung des Vertuschungsplans.

„Ja“, pflichtet der Chef wissend bei, „...zu viele Köche und so weiter. Eine kleine personelle Umstrukturierung scheint angebracht... Ich habe gehört, in unserer Abteilung für Standort-Instandhaltung in Hartlepool ist gerade eine Stelle als technischer Berater frei geworden.“

Tränen steigen in die Augen des Arschkriechers, während er vor seinem geistigen Auge die nächsten fünf Jahre mit Gartenarbeit und Mülleimerleeren verbringt...

„Das trifft sich doch hervorragend, Sir. Soll ich die Tickets gleich buchen?“

Ich versuche, es nicht als Bosheit zu betrachten – ich bringe den Job einfach nur zu Ende.

# Kapitel 3

Ich bereite mich gerade auf eine sechswöchige Sause in den USA auf Firmenkosten vor, zusammen mit dem Chef, um uns „neues Kommunikationsequipment“ anzusehen. Das bedeutet, ich muss jemanden einstellen, der meinen Job erledigt, während ich weg bin.

Der Ex-Abteilungs-Arschkriecher hatte sich für den Posten beworben, war aber unglücklicherweise zu spät zu seinem Vorstellungsgespräch, als im Aufzug, in dem er saß, mysteriöserweise eine Sicherung der Steuerung rausflog. Ein Jammer, dass man ihn erst nach dem Wochenende entdeckte – zu diesem Zeitpunkt war er nur noch ein sabberndes Gemüse. Das alles ist Wasser auf die Mühlen meines Arguments, dass ich ein größeres Budget für „Sonstiges“ benötige, um Teilzeitkräfte einzustellen, die Dinge wie Aufzug-Nottelefone und Alarmschalter überprüfen.

Was den Job angeht: Innerhalb weniger Tage habe ich einen „frischen und motivierten“ Contractor am Ersatztisch sitzen. Zeit, ihn in die Geheimnisse einzuweihen...

„Okay, kurzer Überblick: Wir kümmern uns um jede Kommunikationseinheit im Gebäude. Und sie alle gehören mir. Nicht dem User. Mir. Merk dir das, es ist wichtig!“ „Sie gehören Ihnen“, wiederholt er. „Nein, sag das nie. Sag immer: Sie gehören ‚MIR‘. Du willst den Usern nicht das Gefühl geben, dass Kommunikation etwas ist, in das sie sich einmischen sollten.“ „Sie gehören mir. Wir kümmern uns also auch um die Telefone?“ „Telefone, Brand- und Einbruchmeldeanlagen, Gegensprechanlagen, Netzwerke, Richtfunkstrecken, diverse Steuerungssysteme; verdammt, wenn die Semaphore-Flaggen kaufen würden, würden wir uns wahrscheinlich auch darum kümmern“, sage ich und zeige auf die entsprechenden Kapitel in meiner Standort-Management-Bibel. „Wie ziehen Sie das durch?“, fragt er. „Ganz einfach. Ich wende die Grundregel der Standardisierung an. Alles wird auf eine Standard-Art erledigt, und außer mir weiß niemand etwas darüber.“ „Das ist alles in Ihrem Kopf?...“ „Nein, nein. Das ist alles lückenlos dokumentiert, in diesem Safe dort drüben“, antworte ich und deute auf einen riesigen, weltuntergangssicheren Kasten in der Ecke. „Wer hat Zugriff darauf?“ „Ich.“ „Und Ihr Chef..?“ „Er hat einen Schlüssel, von dem er gerne glaubt, dass er ihn öffnet. Tatsächlich ist es ein Duplikat des Schlüssels für den Weinsafe des CEO im Keller.“ „Weiß der Chef das?“ „Woher sollte er? Er darf in keinen der beiden Bereiche rein.“ „Er darf hier nicht rein?“ „Natürlich nicht. Er gehört zum Management und dies ist ein sensibler Bereich. Standardisierung, denk dran. Erwähne dem CEO gegenüber einfach mal, dass wir Abhörequipment für Telefone haben, und schon bekommst du ein fettes Sicherheitsbudget zum Spielen.“ „Haben Sie keine Angst, dass der Chef das mit dem Schlüssel herausfindet?“, fragt mein Angestellter. „Nicht so viel Angst, wie er haben wird, wenn ich erwähne, dass ich den CEO darüber informiere. Es gab in letzter Zeit eine überraschende Menge an Diebstählen. Das würde sich nicht gut in seiner Personalakte machen, wenn er sich nach seinem nächsten Job umsieht...“ „Was für eine Tragödie. Okay, ich hab das alles verstanden. Was soll ich tun?“

„Nichts, ich habe schon alles erledigt. Mach dich mit der Standort-Management-Bibel vertraut. Sie sagt dir alles über die wichtigsten Probleme, die uns zustoßen könnten, was zu tun ist und wen man kontaktieren muss. Siehst du das Telefon auf deinem Schreibtisch? Geh niemals ran. Das ist nur irgendein User, der seinen Rechner umgestellt hat und erwartet, dass die Datendosen sofort aktiv sind.“ „Das ist alles?“ „Wie gesagt, das meiste steht in der Bibel. Oh, denk dran, die Bänder des Sprachaufzeichnungsgeräts in den feuerfesten Backup-Safe zu legen!“ „Ist das für den Fall, dass wir eine Unstimmigkeit bei einem mündlichen Vertrag haben?“ „Nein, das ist, damit ich mir die privaten Telefonate des Chefs anhören kann. Ehrlich, das ist besser als jede Seifenoper. Und erwähne niemals den Namen ‚Pooky‘, sonst weiß er, dass ich ihm auf der Schliche bin.“

„Okay, und was ist, wenn mich der Helpdesk in die Enge treibt?“ „Hm. Nun, da ich dich ihnen noch nicht vorgestellt habe, hast du eine Woche Gnadenfrist. Danach benutzt du die Ausrede, dass du keine Helpdesk-Anrufe entgegennehmen kannst, bevor du einen Benutzernamen hast, um E-Mails zu empfangen – damit der Prozess von mir nach meiner Rückkehr nachverfolgt werden kann. Das erkauft dir noch ein paar Tage. Rechne zwei weitere Tage für die Dokumentation auf Papier dazu, und dann kannst du vielleicht noch ein oder zwei Wochen rausschinden, wenn du die alte ‚Störungsmeldung einreichen‘-Nummer abziehst – am besten auf irgendeinem uralten schwarzen Brett mit der bewährten Postkarten-Methode. Denk dran, dir irgendeine Nummer auszudenken und sie als ‚Beweis‘ an das Incident-Board zu schreiben. Wenn du es nicht mehr weiter hinauszögern kannst, benutz den Netzwerk-Monitor, um die Datenports des CEO abzuschalten. Er hat Priorität, und du kannst mindestens einen Tag damit totschlagen, den ‚Fehler zu isolieren‘.“

„Was passiert, wenn der CEO mich in die Enge treibt?“ „Geh auf Nummer sicher und schleim dich ein. Bring ihm einen Kaffee und mach mit ihm eine Führung durch den zentralen Serverraum. Wenn er von den blinkenden Lichtern ganz hypnotisiert ist, rempel seinen Arm an, wenn du eine Schranktür öffnest, sodass der Kaffee durch die Bodenplatten verschüttet wird. Der Hauptschalter wird so schnell rausfliegen, dass er nicht mal Zeit hat ‚Hoppla‘ zu sagen. Danach wird sich niemand mehr über irgendetwas beschweren. Alles kapiert?“ „Läuft!“ „Gut, an die Arbeit.“

# Kapitel 4

Ich bin also mit Sharon, der Sekretärin des Ex-Chefs, in den Staaten, um neue Netzwerk-Hardware und -Software zu begutachten. Der Chef konnte leider nicht mitkommen, nachdem er eine unglückliche Meinungsverschiedenheit mit dem CEO hatte. Das passierte, als der CEO irgendwie per „Nur-Hören-Konferenz“ in ein Telefonat zwischen dem Chef und der Ehefrau des CEO zugeschaltet wurde. (Der Teil über den Konferenztisch hat ihm wohl den Rest gegeben). Da Sharon die einzige andere Person war, die mit dem ganzen Vorgang vertraut war – eine junge Teilzeit-Aerobic-Trainerin, die das Motto „Fang nichts mit Kollegen an“ eher als unverbindliche Empfehlung betrachtet –, war sie gezwungen, mich zu begleiten. Was für eine Tragödie.

Seltsamerweise hätte es nicht besser laufen können, wenn es geplant gewesen wäre. (Man stelle sich vor: Jemand hätte Sharon angewiesen, sich nur mit 10 der etwa 1000 Dokumente vertraut zu machen, die jeden Monat über ihren Schreibtisch gehen; jemand hätte versehentlich die Konfiguration der Telefonanlage manipuliert, um reine Zuhörer-Konferenzen zu ermöglichen; jemand hätte die Anlage so eingestellt, dass sie automatisch Konferenzschaltungen von der Privatnummer des CEO zurück zu seinem Privattelefon aufbaut, dessen Nummer außer seiner Sekretärin niemand hat...) Aber das ist natürlich völlig abwegig. Natürlich gebe ich mir selbst die Schuld. Hätte ich den Chef nicht zu einem „Arbeitsessen“ ausgeführt, ihm 10 Pints spendiert und erwähnt, dass die Frau des CEO auf ihn fixiert sei, wäre das alles vielleicht nie passiert. *Seufz.* Na ja, immerhin habe ich meine Pflicht gegenüber der Firma erfüllt und das Beste daraus gemacht, so schwer es mir auch fiel. Daran muss ich mich bei den nächsten Vertragsverhandlungen unbedingt erinnern.

Wir checken in einem bescheidenen Hotel ein – bescheiden nach den Maßstäben der königlichen Familie – und kommen in den Genuss eines Zimmer-Upgrades, als sich herausstellt, dass aufgrund eines Computerfehlers ein gewisser Mr. Babbage und ein Mr. Pascal doppelt in unsere Economy-Zimmer gebucht wurden. Komisch, wie oft mir das passiert...

Ich rufe meine Aushilfe an, um zu sehen, wie er in meiner Abwesenheit zurechtkommt. Das Telefon klingelt etwa 50 Mal, bevor es schließlich zur Zeitansage umgeleitet wird. Zumindest weiß ich jetzt, dass er meine Standort-Management-Bibel gelesen hat... Dann rufe ich von der Bar aus den vorübergehenden Ersatz meines Chefs an. „Wie läuft’s?“, fragt er eifrig und verbirgt dabei nur mühsam seinen Ärger darüber, nicht hier zu sein. „Nun, wir haben ein paar Schwierigkeiten, die Tourdaten des Lieferanten herauszufinden, aber wir denken, dass wir sie über Computerfachzeitschriften ausfindig machen können. Wo wir gerade dabei sind: Können Sie mir weitere tausend Pfund für... sonstige Ausgaben überweisen – die Fachzeitschriften, Telefonate usw.?“ „Natürlich, kein Problem“, antwortet er liebenswürdig. „Sie bringen diese Zeitschriften bei Ihrer Rückkehr doch sicher mit, damit unser Buchhalter das mit den Erbsenzählern oben klären kann?“ Hinterhältiger Bastard – er ist nur sauer, weil er nicht mitdurfte, und will offensichtlich Probleme machen. Am besten ersticke ich das sofort im Keim. „Kein Problem – könnten Sie daraus dreitausend Pfund machen? Die Luftfrachtkosten für die rund 250 Zeitschriften werden wahrscheinlich ziemlich hoch sein...“ „Vielleicht ist das ja doch nicht nötig“, sagt er, wohl mit Blick auf sein rapide sinkendes Budget. „Alles klar. Ich melde mich in ein paar Tagen wieder“, antworte ich.

Er legt auf und ich flitze sofort zurück in mein Zimmer und wähle mich über mein privates Modem-Pool bei der Arbeit ein. Ich warte 10 Minuten, bis der Interims-Chef das Spesen-Memo getippt und gedruckt hat, dann fange ich per *Ethersniff* seinen Text und seine digitalisierte Unterschrift auf dem Weg zum Drucker ab. Schnell bastle ich einen weiteren Spesenbericht über ein paar hundert Pfund zusammen, in dem ich einige „fotografische“ Magazine bei einem Händler in Amsterdam anfordere, wobei ich seine Privatadresse als Lieferort angebe. Ich schicke den Druckauftrag „aus Versehen“ direkt in die Zentrale der Arschkriecher-Buchhaltung und logge mich aus. Da ich den religiösen Hintergrund des CEO kenne, erwarte ich bei meiner Rückkehr einen weiteren leeren Schreibtisch vorzufinden. Ich wende nur das erste Gesetz der Netzwerktechnik an: Lose Enden sind schlecht, Terminierung ist gut.

Um meine Jobsicherheit weiter zu erhöhen, tätige ich einen weiteren Anruf bei einer Nummer, die sich dauerhaft in mein Gedächtnis eingebrannt hat. In einem dunklen Schaltschrank im 5. Stock wird der Anruf von einer „Heimsicherheits-Wähleinheit“ entgegengenommen und ich tippe meine PIN ein. Dann folgt ein dreistelliger Code und ich lege auf. Die Uhr läuft ab jetzt.

Sechs Minuten und zwölf Sekunden später klingelt das Telefon. Der Helpdesk hat mich gefunden, was nur bedeuten kann, dass der Interims-Chef meine Kontaktnummer herausgegeben hat, was wiederum bedeutet, dass der CEO ungehalten ist. „Irgendetwas stimmt mit dem Netzwerk nicht!“, ruft der Operator. „Ich verstehe. Schalten Sie mich auf Lautsprecher und sagen Sie mir, was los ist“, antworte ich in professionellem Tonfall. Der Hörer verrät mir, dass ich auf Lautsprecher bin und – wenn meine Berechnungen stimmen – mit dem Helpdesk-Mitarbeiter, dem Interims-Chef und dem CEO spreche (der gerne dabei ist, wenn Großpanik herrscht, um aus erster Hand zu erfahren, wo das Problem liegt). „Was genau ist das Problem?“, wiederhole ich. „Das Netzwerk scheint irgendwo im Computerraum überbrückt zu sein.“ „Okay, haben Sie sich die Netzwerktopologie im Dokumentationsschrank angesehen?“, frage ich und spiele die Rolle des sachkundigen und hilfreichen Netzwerk-Experten bis zum Äußersten. „Ihre Aushilfe versucht, in sein Büro zu kommen, aber das Magnetkartenschloss zum Serverraum scheint blockiert zu sein.“ „Tatsächlich? Das klingt verdächtig danach, als wäre eine Sicherung in der dezentralen USV-Einheit rausgeflogen.“ Niemand hat zu diesem Zeitpunkt auch nur den blassesten Schimmer, wovon ich rede, aber sie wollen sich auch keine Blöße geben. „Aha“, sagt der Helpdesk-Mitarbeiter (wahrscheinlich begleitet von kollektivem Nicken im Raum). „Okay, rufen Sie im Operations-Raum an. Sagen Sie ihnen, sie sollen den dritten USV-Schrank von links öffnen. Dort werden sie feststellen, dass eine Sicherung, Nummer 15 oder 16, ausgelöst hat. Wenn sie die zurücksetzen, sollte der Repeater im Computerraum wieder laufen und das Türzugangssystem sollte wieder mit dem Büro kommunizieren...“

Fünf Minuten später bin ich wieder an der Bar, mit einem der sichersten Arbeitsverträge, seit Al Capone noch am Leben war. Der CEO glaubt, ich kenne jeden Sicherungsautomaten persönlich, und meine Aushilfe wird fliegen, sobald ich zurück bin. Situation unter Kontrolle. Gutes Networking hängt eben von guter Planung ab.

# Kapitel 5

### Was bisher geschah...

Der *Bastard Operator from Hell* und Sharon, die Sekretärin seines Ex-Chefs, befinden sich auf einer Informationsreise in den Staaten, um „Sicherheits-Hardware“ zu prüfen...

Sharon und ich müssen diesen Spesenritt plausibler erscheinen lassen, also suche ich ein paar Fachmessen heraus, die wir besuchen können, um unsere Tarnstory aufzupolieren. Ich wende den bewährten Zwei-Stufen-Plan zur Verschleierung von Vergnügungsreisen an:

1. Visitenkarten verteilen und behaupten, ich sei an *allem* interessiert, damit ich nach meiner Rückkehr massenweise Korrespondenz erhalte.
2. Jedes kostenlose Abo und jede Vor-Ort-Demonstration unterzeichnen (um das Ganze zu Hause direkt an irgendwen anders abzuwälzen).

Danach aktiviere ich den einstufigen „Hol-das-Beste-raus-Plan“: So schnell wie möglich an die Bar verschwinden und Werbegeschenke sowie Drinks von den Anbietern abgreifen.

Später am Tag an einem Verkaufsstand...

„...kombiniert mit dualen, redundanten Stromversorgungssystemen, Opto-Modus-Anzeigen und Schnellinstallations-Zugentlastungsvorrichtungen.“

„Sie wollen mir also sagen, dass das Teil mit einem Ersatz-Netzkabel, einer ‚Power‘-LED und einer Tüte Kabelbindern geliefert wird?“, frage ich.

„Ah nun, Ihnen sind offensichtlich die vollen Auswirkungen von Systemredundanz, Hardware-Belastungsfaktoren und Hochverfügbarkeit nicht bewusst.“

„DAS IST EIN VERDAMMTER ROUTER!“, brülle ich. „Wenn der Strom ausfällt, ist es völlig egal, wie viele Ersatzkabel, Lämpchen oder Kabelbinder Sie haben – das Ding geht aus, das Netz ist weg und ich kriege einen Haufen Anrufe!“

„Ja, aber er wird in einem schicken schwarzen Gehäuse mit acht Gummifüßen statt nur vier geliefert!“

„WAS ICH SUCHE“, wiederhole ich zum fünften Mal, „ist ein FDDI-Hub mit EINGEBAUTER, EINDRUCKSVOLL AUSSEHENDER VERSCHLÜSSELUNG. Ich brauche keinen weiteren Router.“

„Es ist ein schöner Router...“

„Das ist mir egal, ich habe Router. Ich will EINDRUCKSVOLL AUSSEHENDE VERSCHLÜSSELUNG!“

„Was meinen Sie mit eindrucksvoll AUSSEHEND?“, fragt der Typ.

„Etwas, das einen technischen Manager täuschen kann“, antworte ich.

„Wie wäre es, wenn wir alles in Kleinbuchstaben umwandeln?“, schlägt er vor, da er das Kompetenzniveau des durchschnittlichen technischen Managers kennt.

„Nein, nein, es könnte ja sein, dass wir irgendwann in der Zukunft mal einen intelligenten bekommen.“

„Kleinbuchstaben und alle Wörter rückwärts geschrieben?“

„Schon besser...“

„Nun, wir haben diesen Verschlüsselungs-Chipsatz für Terminal-Server, den wir in einen Hub reinkloppen könnten...“

„Was für eine Geschwindigkeit würden wir da kriegen?“

„FDDI rein.“

„Und raus?“

„96K... an einem guten Tag.“

„Nicht wirklich das, was ich will, oder?“

„Nun, das wäre Version 1.0. Aber wir versprechen, dass Version 1.1 perfekte Performance bietet, keinerlei Verzögerung hat und so sicher ist, dass es wie Magie wirkt.“

„Sie lügen doch, oder?“

„Natürlich, ich bin im Vertrieb!“

„Was würden wir wirklich bekommen?“

„Wie ich schon sagte: Version 1.1 hätte alles – alles, was Sie verlangt haben.“

„Wann würde die geliefert?“

„Drittes Quartal.“

„Drittes Quartal?“

„2012.“

„Dacht ich’s mir doch. Vielleicht lassen wir das lieber?“

„Aber es ist der einzige Hub auf dem Markt mit High-Speed-Opto-Interfacing!“

„Das haben sie alle – genau das bedeutet FDDI.“

„Ja, aber niemand sonst nennt es in seinen Broschüren so. Und Sie erhalten zu jedem Gerät ein paar Flaschen 40 Jahre alten Scotch als ‚Produktempfehlung‘ dazu.“

„Machen Sie ein halbes Dutzend pro Gerät draus und ich nehme zehn.“

Sharon sieht angesichts dessen etwas besorgt aus.

„Damit kommen wir nie durch“, flüstert sie. „Die werden das Netz lahmlegen!“

„Sharon, Sharon, Sharon“, seufze ich. „Wir werden sie niemals benutzen, das ist der Trick. Wir kaufen sie und erwähnen gegenüber dem CEO, dass wir damit sicherstellen können, dass absolut niemand unser Netzwerk ausspionieren kann, ohne entdeckt zu werden. Er wird begreifen, dass die Software, mit der er die Intriganten unter seinen Junior-Execs überwacht, damit nutzlos wird. Und eines späten Abends werden alle Router aus dem Lagerraum verschwinden und auf einer Mülldeponie irgendwo in Bognor wieder auftauchen.“

„Sie meinen, der CEO spioniert die anderen Führungskräfte aus, um seinen Job zu schützen?“

„Natürlich! Ich wäre zutiefst beleidigt, wenn ich diese Software umsonst geschrieben hätte!“

„Und was, wenn er nicht mehr spioniert?“

„Bitte! Das obere Management hat die ‚familiäre Loyalität‘ eines mit Piranhas gefüllten Toilettenbeckens. Und sollte das wider Erwarten fehlschlagen, aktiviere ich den alten Klassiker: den zu 100 Prozent idiotensicheren Hardware-Zerstörungs-Trick.“

„Was ist das?“

„Die Spannung auf 115 Volt umschalten und REINSTÖPSELN! Funktioniert jedes Mal.“

„Wie viel bezahlen die dir eigentlich dafür, dass du dir so was ausdenkst?“

„NICHT GENUG!“

# Kapitel 6

Das Problem, wenn man auf einer Sause – Verzeihung, auf einer „Informationsreise“ – in den Staaten war, ist der verdammte Haufen Papierkram, den man danach aufarbeiten muss. Normalerweise schiebe ich das einfach beiseite, und wenn sich einer der Sesselpupser von oben beschwert, wird ihm schleunigst die Tür gewiesen, sobald der CEO beleidigende E-Mails von dessen PC erhält. Es ist erstaunlich, was für unanständige Wörter diesen Bürohockern manchmal einfallen.

Aber diesmal ist es anders. Es ist wieder Zeit für das jährliche Budget, was bedeutet, dass ich mal wieder die Folien für „Grundlagen der Informatik“ ausdrucken muss, um dem technischen Management-Ausschuss zu erklären, warum wir über eine Aufrüstung unseres Netzwerks nachdenken sollten. Ich überlege kurz, die Folien „Dies ist ein BIT, dies ist ein BYTE“ wegzulassen, entscheide mich aber dagegen, als mir einfällt, dass einer im Ausschuss Schuhe mit Schnürsenkeln meidet, weil er sonst morgens eine Stunde länger braucht, um fertig zu werden...

Während ich plane, klingelt das Telefon. Die Anrufer-ID verrät mir, dass es ein fieses Exemplar aus der PR-Abteilung ist, das gestern – wie es der Zufall wollte – das Glück hatte, in eine Parklücke zu flutschen, in die *ich* gerade reinfahren wollte. „Glück“ ist natürlich ein relativer Begriff und unterliegt im Laufe der Zeit gewissen Korrekturen. Diese Zeit ist jetzt. Ich drücke die Taste für „Gesprächsaufzeichnung“.

„Hallo, Netzwerk-Admin“, sage ich. „Ich brauche eine PCMCIA-Netzwerkkarte für meinen Laptop. Bis Freitag, 9:00 Uhr morgens.“ Natürlich ist es Donnerstagnachmittag, 15:45 Uhr. „Ah, Geräteneuanschaffungen müssen über Ihre eigene Abteilung laufen“, sage ich. „Dann müssen Sie mir eben eine leihen. Der Bestellvorgang würde nicht rechtzeitig durchgehen. Außerdem ist es mein privater Rechner, ich muss dem CEO eine Präsentation halten, an der ich zu Hause gearbeitet habe.“ „Wäre es nicht besser, das Ganze per Backup-Disketten auf Ihren Dienstrechner zu übertragen?“, frage ich und bete innerlich um die gewünschte Reaktion. „Seien Sie nicht albern, das würde ja ein Jahr dauern, das alles zu sichern. Besorgen Sie mir einfach eine Karte, dann halte ich die Präsentation morgen direkt von meinem Laptop.“ „Nun ja, ich habe gleich einen... Arzttermin, ich werde also keine Zeit haben, Ihren Rechner für die Karte zu konfigurieren“, sage ich und gebe ihm die Chance, sich ein schönes, großes Loch zu graben. „Außerdem bin ich morgen erst gegen 9:30 Uhr im Büro.“ „Ich mach die verdammte Konfiguration selbst!“, knurrt er. „Das ist keine Raketenwissenschaft, egal was ihr Geeks uns immer weismachen wollt!“

Loch gegraben, schön tief. Jetzt geht’s an die Feinarbeit am Rand... „Ich weiß nicht... wenn Sie was falsch machen oder die Karte inkompatibel ist...“ „ES IST EINE VERDAMMTE PCMCIA-KARTE! WIE KANN DIE INKOMPATIBEL SEIN?!“ Das Loch ist perfekt, es sieht eigentlich schon fast wie ein Grab aus. „Na gut, okay. Ich lege eine in den Geräterraum. Aber nehmen Sie eine Netzwerkkarte und keine SICHERHEITS-Netzwerkkarte. Kennen Sie den Unterschied?“ Er schäumt jetzt vor Wut, und es gibt keine Chance, dass er Unwissenheit zugibt. „LASSEN SIE EINFACH DIE VERDAMMTE KARTE DRAUSSEN LIEGEN, ICH HOL SIE MIR MORGEN FRÜH!“ „Na gut...“ Er legt auf.

Aus dem „Dokumentations“-Safe hole ich die „spezielle“ PCMCIA-Karte und lege sie im Geräterraum auf den Tisch. Am nächsten Tag trudle ich gegen 9:30 Uhr ein, gerade rechtzeitig, um ins Büro des CEO zitiert zu werden. „WAS ZUR HÖLLE IST HIER LOS?“, tobt er. „Worum geht es?“, frage ich, die Unschuld in Person. „UM DIESE VERDAMMTE EXPLODIERENDE NETZWERKKARTE, DIE CARSON AUS DER PR BEKOMMEN HAT!“ „Explodierende Netzwerkkarte? Was für eine explo... Ach du meine Güte. Er hat doch nicht etwa versucht, eine SICHERHEITS-Netzwerkkarte in seinen Rechner einzubauen, oder? Ich habe ihm gestern gesagt, er solle beim Einbau und der Konfiguration vorsichtig sein. Die sind so programmiert, dass sie sich selbst zerstören, wenn jemand versucht, ihre Zugriffsparameter zu umgehen...“ „Mit Selbstzerstörung meinen Sie...?“ „Nun ja, da ist eine winzige Nitratladung drin, die die Schaltkreise durchbrennt...“ „Oder vielleicht ein Loch so groß wie eine Untertasse in den besagten Laptop sprengt?“ „Die ERSTE Charge hatte tatsächlich noch Kinderkrankheiten, weshalb ich sie ja im Geräterraum gesammelt habe, um sie an den Hersteller zurückzuschicken. Aber sie hätte gar nicht erst benutzt werden dürfen. Ich habe Carson gestern gewarnt, als er gefragt hat – es ist alles auf den Tonbändern...“

Viel später, als ich beobachte, wie der Name „Carson, MJ“ vom Etagenverzeichnis entfernt wird und „Carson, MJ“ höchstpersönlich vom Gelände entfernt wird, frage ich mich unwillkürlich, was die Leute eigentlich glauben lässt, sie könnten das System schlagen. Es ist ein gutes System. Es ist MEIN System. Ich mag es.

So, und jetzt zurück zur Planung für die Budgetsitzung...

# Kapitel 7

Nach ein paar Tagen Abwesenheit versuche ich immer, etwas früher reinzukommen, um alles aufzuarbeiten. Als ich also gegen 11 Uhr aufschlage, finde ich den Laden unheimlich ruhig vor. Das könnte zweierlei bedeuten: Entweder hat mein Stellvertreter meine Abwesenheit nicht überlebt, oder er wurde vom Chef gehirngewaschen und beide hocken versteckt vor dem Monitor des geschlossenen „BOFH-Überwachungssystems“, das sie irgendwie während meiner Abwesenheit installiert haben. Ein kurzer Scan aller geeigneten Kamerapunkte zeigt, dass nichts derart Technisches passiert ist (vielleicht hat der Chef sich erinnert, dass es schon beim ersten Versuch nicht funktioniert hat), also warte ich auf das Klopfen an der Tür.

Ich werde nicht enttäuscht. „Morgen, Operator!“, dröhnt der Chef, während er hereinstampft. Merkwürdig, der Chef und ich sind per Du, normalerweise nennt er mich „den Bastard“. Moment mal, das ist ein ganz anderer Chef. „Sie fragen sich sicher, wer ich bin.“ Der ist auf Zack, der Neue. „Könnte man so sagen“, antworte ich. „Was ist aus der Vorgänger-Generation geworden?“ „Unerfreuliche Sache. Haben laut den Sanitätern Überwachungskameras installiert oder so was. Irgendwas machte ‚Bumm‘ und da lagen sie beide, ziemlich verkohlt und überrascht dreinschauend. Aber egal, ich bin ja jetzt da, sehen wir es also positiv.“

Unschön. Ah, sie haben es also doch mit den Kameras versucht. Ein Glück, dass ich daran gedacht hatte, alle Videokabel an den Drehstrom anzuschließen.

„Während Sie weg waren, haben wir beschlossen, ein paar Änderungen vorzunehmen“, sagt der Chef. „Wir?“ (Was ich wirklich hasse, ist, wenn jemand versucht, mein System zu ändern). „Uns ist aufgefallen, dass die Systeme hier langsam sind“, fährt er fort, „und dass wir neues Equipment brauchen, um mitzuhalten. Es scheint, als ob das neue Zeug, das sie letzten Monat gekauft haben, mit der ganzen Software einfach nicht klarkommt.“

Für eine Minute dachte ich, es gäbe Ärger; aber es scheint, als hätte sich meine Taktfrequenz-Drosselung ausgezahlt. Ein feines Stück Querdenken: Man kaufe das Gehäuse, das der Lieferant empfiehlt, takte es von 133 MHz auf 13 MHz runter und warte darauf, dass jemand schlussfolgert, man bräuchte etwas zehnmal Schnelleres für die Arbeit. Nicht nur das, der Lieferant wird auch noch verklagt, weil er uns ungeeignetes Material verkauft hat.

„Tatsächlich?“, frage ich munter. „Was hatten Sie denn im Sinn?“ „Nun, wir dachten, Sie wären am besten in der Lage, uns zu sagen, was wir kaufen sollen, da Sie derjenige sind, der die Technik versteht.“ Da hat er verdammt recht; nicht jeder versteht, wie ich die Bilder aus dem Schreibwarenlager in dieser Qualität auf den Fernseher im Kaffeeraum kriege, noch dazu mit Nicam-Stereo-Sound und Zoom-Funktion. „Überlassen Sie das mir“, beruhige ich ihn. „Ich werde sehen, ob ich zuerst noch ein bisschen mehr Leistung aus diesem Haufen hier rausquetschen kann.“ Mit etwas Glück kann ich für ein paar Monate ein paar Tausender pro Woche für „Upgrades“ abgreifen und jeden Freitagabend den Takt wieder ein bisschen hochdrehen (das ist es doch, was man unter ‚inkrementellen Upgrades‘ versteht, oder?). Am Ende habe ich genug für dieses neue 52-Zoll-‚Konsolendisplay‘ zusammen, das einen Breitbildfernseher und einen eingebauten Satelliten-Decoder hat. UND der Chef wird glücklich sein, dass er ein paar hunderttausend Pfund gespart hat.

Manchmal frage ich mich, wie ich damit durchkomme. Leider bleiben da noch die profaneren Aufgaben des Tages. Der E-Mail-Filter ist enttäuschend; vielleicht fangen der CEO und das Mädel aus der Buchhaltung an, Lunte zu riechen, und benutzen Codes. Ich blättere durch das Buch der Ausreden. Oh nein, nicht „lunare Störungen“; wer soll das denn glauben? Das Telefon klingelt. Verdammt, das war unachtsam, ich habe vergessen, die Umleitung einzuschalten.

„Computerraum.“ „Oh, es tut mir schrecklich, schrecklich leid. Wirklich, schrecklich, furchtbar leid.“ Das ist nett, aber vielleicht ein bisschen wenig beschreibend. „Könnten Sie das präzisieren?“ „Ich habe gerade den Mainframe kaputt gemacht.“ Interessant. Wir haben gar keinen mehr. Ich habe ihn auf etwas mit schnellerer Grafik „downsized“, als *Doom II* rauskam. „Wie haben Sie das geschafft?“ „Ich habe gerade einen Eintrag in unseren Werbeverteiler hinzugefügt, mit einem Tippfehler drin, und jetzt antwortet der Mainframe nicht mehr. Es ist erst mein zweiter Tag hier und ich habe den Computer kaputt gemacht.“ „Von wo aus rufen Sie an?“ „Marketing.“

Damit wird alles klar. Sie hängt an dem Segment, das für die nächste halbe Stunde „versehentlich“ kurzgeschlossen ist. Das erinnert mich daran: Ich muss eine Funktion für zufällige Störungsdauern einbauen, bevor jemand merkt, dass ich jede Netzwerkstörung in exakt neunundzwanzig Minuten behebe.

„Okay, keine Sorge. Vor wie vielen Minuten haben Sie den Eintrag abgeschickt?“ „Vor etwa zwei Minuten.“ „Kein Problem. Da es die Datenbank Ihres Chefs ist, kontaktiert der Mainframe ein automatisches System auf seinem PC, das die Transaktion bestätigen muss, bevor der Mainframe sie akzeptiert. Solange Sie in den nächsten... äh... 23 Sekunden in sein Büro kommen und den Netzwerkstecker rausziehen, wird die Transaktion nicht rechtzeitig zur Bestätigung dort angekommen sein.“ „Oh danke, danke! Wie kann ich Ihnen jemals genug danken?“ Mir fallen da ein paar Wege ein, aber sie hat schon aufgelegt und ist losgerannt, und ich finde mich dabei wieder, wie ich „Es ist das gelbe Kabel!“ in den leeren Raum rufe.

Ich warte darauf, dass das Telefon klingelt. In Anbetracht dessen, dass es ein 20-Sekunden-Lauf ist und ihr Chef weitere 15 Sekunden braucht, um zu begreifen, warum eine Sekretärin plötzlich hereinstürmt und alle Kabel aus seinem Rechner reißt, nutze ich die Gelegenheit für ein kurzes ‚grep‘ im FTP-Log. Zehn GIFs und vierzehn JPEGs, der Download wird eine Weile dauern, also teile ich mir am besten ein größeres Stück von der Standleitung zu... es wird den anderen nicht schaden, sich für eine Weile 8 kbit/s zu teilen.

Das Telefon klingelt, drei Sekunden zu früh. „Computerraum?“ „Ja?“ „Können Sie mir erklären, warum meine Sekretärin gerade hier reingestürmt ist und meinen PC demoliert hat, mit der Behauptung, Sie hätten ihr das gesagt?“, verlangt er zu wissen. Nein, sicher komme ich damit nicht durch. Das muss er doch durchschauen...

„Lunare Störungen.“ Die plötzliche Aura von Mitgefühl am anderen Ende der Leitung sagt mir, dass ich wieder einmal damit durchgekommen bin. Nicht nur ein hübsches Gesicht, sondern ein Bastard-Astronom aus der Hölle...

# Kapitel 8

Ich sitze an meinem Schreibtisch und konfiguriere gerade meinen Netzwerkmonitor um, als das Telefon klingelt. Die Anrufer-ID verrät mir, dass es einer der Berater aus der Abteilung der Erbsenzähler im sechsten Stock ist. Ich nehme den Hörer ab, sage „Falsch verbunden“ und lege wieder auf.

Ich *weiß*, dass es eine falsche Nummer ist – meine ist intern nämlich gar nicht gelistet. Die Nummer, die tatsächlich im Verzeichnis steht, klingelt (glaube ich) in einer abgeschlossenen Rumpelkammer im Keller durch. Gerüchten zufolge wurde dort sogar schon mal abgehoben... Netzwerk-Engineering hat, genau wie eine exklusive Kreditkarte, eben seine Privilegien.

Das Telefon klingelt erneut, und ich fange an, mir Sorgen zu machen. Zweimal an einem Tag ist dann doch etwas übertrieben. „Hallo?“, frage ich, ohne zu viel preiszugeben. „Ist da der Netzwerktechniker?“, fragt eine Stimme.

Das beunruhigt mich noch mehr. Es gibt nur eine einzige Person, die meine Durchwahl kennt – das ist der Systemoperator, und der weiß eigentlich genau, dass er sie niemals an einen User weitergeben darf. Zumindest dachte ich, er wüsste es besser. „Ja?“, antworte ich. „Ich habe ein kleines Problem mit meiner Verbindung“, sagt die Stimme. „Rufen Sie den Helpdesk an“, erwidere ich und lasse den Hörer zurück in die Gabel fallen.

Und wieder fängt das Ding an zu klingeln. „Ich habe den Helpdesk schon angerufen!“, jammert die Stimme. „Die haben gesagt, ich soll Sie anrufen!“

Oh weh. Hier laufen gleich drei Dinge gewaltig schief: Erstens, ein User kennt meine Durchwahl, was zweitens bedeutet, dass der Helpdesk wieder mit dem Operator getratscht hat; aber noch viel wichtiger: Drittens, der Operator gibt meine Nummer an Leute raus. Das ist gar nicht gut. Wenn ich Anrufe gewollt hätte, hätte ich eine Anzeige in der Rubrik „Bekanntschaften“ aufgegeben. Ich gehe der Sache am besten sofort auf den Grund, bevor sie völlig aus dem Ruder läuft.

„Warum hat der Helpdesk gesagt, Sie sollen mich anrufen?“ „Weil sie nicht wissen, was die Beschriftung auf den Patchpanels bedeutet.“

Mein Netzwerkmonitor fängt jetzt an, mich anzupiepsen, was meinen Besorgnisgrad in die oberen Prozentbereiche treibt. „Auf *meinen* Patchpanels?“, frage ich. „Nein, auf denen hier oben in unserem Bereich im sechsten Stock.“ „Doch. Meine Patchpanels. Die, die ich vor jedem anderen wegschließe“, schäume ich. „Nun, ich...“ „Moment mal. Eine Frage: Was hatten Sie im Verteilerschrank zu suchen?“ „Tja, meine Verbindung war weg, also habe ich...“ „Also sind Sie in den Verteilerschrank eingebrochen?“ „Nein, nicht eingebrochen – der Operator hat mir den Schlüssel gegeben.“ „Der *Ex*-Operator hat Ihnen den Schlüssel gegeben?“ „Ja.“

Ich schnappe mir das Telefon, gehe zum Sichtfenster und mache den Operator auf mich aufmerksam. Er verlässt den Raum und kommt in meine Richtung auf den Flur. „Und Sie haben irgendwas angefasst, nicht wahr?“, frage ich ins Telefon, wohlwissend, dass das Schlimmste eingetreten ist. „Äh... ich... also...“ „Die hübschen Lichter haben Sie magisch angezogen, und Sie haben irgendwas angefasst. Leugnen zwecklos, ich weiß es, und Sie wissen es auch. Und wenn ich mich nicht irre, wird es auch der Großteil Ihrer Abteilung sehr bald wissen. Was haben Sie angefasst?“ „Na ja, ich dachte, der Router wäre vielleicht abgestürzt, also habe ich...“ „Stopp! Nächste Frage. Woher kennen Sie das Wort ‚Router‘?“ „Das habe ich in einem Handbuch gelesen, das ich bei Di...“ „WAS?! Sie haben also auch noch verbotene Literatur gelesen?“ „Es ist nicht verboten, zu le...“ „Halt! Das Buch stand in der Technik-Abteilung, richtig?“ „Nun, es...“

Inzwischen ist der Operator in meinem Büro angekommen und hat die Bedeutung der Töne begriffen, die aus dem Netzwerkmonitor dringen. „Was hatten Sie in der Technik-Abteilung zu suchen? Sie wissen genau, dass Sie dort nichts verloren haben! Aber lassen Sie mich das Ganze mal zusammenfügen: Sie überfliegen einen technischen Wälzer, warten auf Ihre Chance, beeindrucken den leichtgläubigen Ex-Operator mit einem Haufen Buzzword-Lügen und booten dann – unter dem falschen Eindruck, der Router sei ausgefallen – das Gerät neu. Haben Sie, oder?“ „Äh... ja. So ungefähr. Ich wusste nicht, welcher der drei Router die Störung verursacht hat, also habe ich...“ „Sie haben sie alle gebootet, nicht wahr?“ Tatsächlich zeigt mein Bildschirm den sechsten Stock als ein einziges rotes Meer an. „Äh, ja. Ich habe mich nur gefragt, ob ich sonst noch was hätte tun sollen.“

Ich sehe den „Ex“-Operator direkt an und antworte ins Telefon: „Nun, wo Sie es erwähnen: Ja, da gibt es noch was. Das übliche Verfahren nach dem Verursachen eines massiven Netzwerkausfalls besteht darin, seine persönlichen Sachen vom Schreibtisch und vom Arbeitsplatz einzusammeln – vergessen Sie Ihre Kaffeetasse nicht – und sich dann in einen großen, offenen Bereich zu setzen, bis der Sicherheitsdienst kommt, um Sie aus dem Gebäude zu eskortieren.“ „Aber ich...“ „Oh, und stellen Sie sicher, dass man Sie nicht nach Schlüsseln oder Ihrem Dienstausweis durchsuchen muss. Ich habe gehört, dass Leuten dabei schon fiese Unfälle passiert sind. Tschüss dann! Ach, und falls Sie meine Durchwahl irgendwo aufgeschrieben haben, rate ich Ihnen, den Zettel sehr sorgfältig zu entsorgen.“

Er legt auf, und ich schicke mich an, unserem Operator zu zeigen, warum am elektrischen Tacker all diese Warnschilder kleben, dass man seine Körperteile fernhalten soll.

# Kapitel 9

Ich sitze in meinem ersten Budget-Meeting des Monats, das einen und NUR einen Zweck hat: unseren Modem-Pool um 10 Modems zu erweitern. Auf der Budget-Skala sind das Peanuts, aber es setzt einen Präzedenzfall für zukünftige Sitzungen – eine Tatsache, die niemals übersehen wird. Normalerweise bekomme ich etwa ein Viertel von dem, was ich fordere (wegen „Budgetbeschränkungen“ – sprich: Die technischen Manager wollen die neuesten glitzernden Status-Symbole zum Spielen). Aber heute fühle ich mich aus irgendeinem Grund vom Glück begünstigt.

„Nun, ich sehe das Problem immer noch nicht“, sagt Technik-Manager Eins. „Es ist ja nicht so, dass die Modems 24 Stunden am Tag in Gebrauch sind!“ „Nein“, sage ich, „aber zu Spitzenzeiten haben wir eine hundertprozentige Auslastung, was uns Probleme bereitet.“ „Vielleicht sollten wir unser Personal im Gebrauch von Modems schulen?“, sagt Technik Eins süffisant. Die anderen Technik-Manager schließen sich dieser Aussage mit schoßhundartigem Nicken an.

Zeit, das Ass aus dem Ärmel zu ziehen. „Ja, Schulung ist eine Lösung, allerdings bringt sie wenig, wenn Modems über exzessive Zeiträume hinweg belegt sind...“ „Was soll das bedeuten?“, fragt Technik Zwei, der eine Ratte in der unmittelbaren Umgebung wittert. „Hauptsächlich Leute, die riesige Dateien aus den Usenet-Newsgroups des Internets herunterladen...“ „Ah“, wirft Technik Zwei schnell ein, „vielleicht ist doch ein gewisses Maß an Erweiterung nötig.“ „...große Downloads“, fahre ich fort, „wahrscheinlich Bilddateien gewisser Art.“ „Ja, ja, ich bin sicher, wir müssen hier nicht auf nebensächliche Details eingehen.“ Technik Zwei unterbricht mich, während er leicht zu schwitzen beginnt...

„Nein, Sie haben recht“, sage ich, „überhaupt nicht nötig. Aber Newsgroups sind nur ein Teil des Problems. Es gibt auch viele schwere Bild-Downloads von Webseiten.“ Technik Eins ist plötzlich hellwach. Er weiß (genau wie ich), von welchen Seiten ich hier rede und von welchen Bildern. UND was sie darstellen. UND, was noch wichtiger ist, wer sie herunterlädt...

Ich fahre fort... „Sollten die ‚Budgetbeschränkungen‘ natürlich Nutzungsstatistiken von unserem News-Host und Web-Cache-Server erfordern, kann ich sicher herauswühlen, welche Artikel und Bilder heruntergeladen wurden, wann und von wem. Tatsächlich verzeichnet eine Seite ziemlich heftige Zugriffe durch nur einen einzigen User bei uns und...“

„Ja, ja. Wollen wir weitermachen?“, fleht Technik Eins. „Ich glaube, Sie haben einen berechtigten Punkt, und ich stehe voll hinter dem Plan, mehr Modems anzuschaffen.“ „Dem stimme ich zu“, fügt Technik Zwei hinzu. Die technischen Schoßhündchen reihen sich sofort wieder ein...

„Sicher“, sage ich, „ich denke, diese 15 Modems werden sehr hilfreich sein.“ „FÜNFZEHN!“, sagt Technik Eins. „Ihr Vorschlag lautete ZEHN!“ „Stimmt, aber bei reiflicher Überlegung halte ich es für klug, in diesem Bereich Raum für Expansion zu lassen. Finden Sie nicht auch?“

Der Moment der Wahrheit. Wird er einknicken oder nicht? Sicher ist sicher... „BESONDERS, wenn Modems dazu benutzt werden, auf Seiten zuzugreifen, die eine eher zweifelhafte Relevanz für den Zweck des Unternehmens haben, wie zum Beispiel...“ „ALLES KLAR!“, ruft Technik Eins aus. „Fünfzehn erscheint ganz... vernünftig.“

Ich bin nach einer Rekordzeit von zwei Stunden und acht Minuten aus dem Meeting raus und rechtzeitig zurück im Büro, um mein Telefon klingeln zu hören. Was soll's, ich gehe ran. „Netzwerktechniker.“ „Hallo, ist da der Netzwerktechniker?“ „Nein, tut mir leid, hier ist die Poststelle. Bitte bleiben Sie dran, ich verbinde Sie.“

Ich leite den User zur Zeitansage weiter und sehe mir die Fehlerberichte an, die sich während meiner Abwesenheit angesammelt haben. Ich schnappe mir wahllos einen, um den Eindruck von Servicebereitschaft zu erwecken. Ich rufe den User an. „Hallo, Zahlungsverkehr.“ „Hallo, hier ist Simon, der Netzwerktechniker. Ich sehe, Sie hatten ein Problem mit der Rufübernahme am Telefon?“ „Ja, ich kann die Anrufe im Büro nicht herannehmen wie alle anderen.“ „Und das haben Sie als ‚Priorität 1‘ gemeldet?“ „Nun, es ist ziemlich wichtig!“ „Okay, Ihr Problem ist offensichtlich ein... EEPROM-KONFIG-LADUNGSVERLUST.“ „Wie bitte?“ „Die Batterie, die die Informationen Ihres Telefons speichert, ist leer.“ „Aber es ist doch brandneu!“ „Natürlich. Aber es lag monatelang im Lagerraum.“ „Oh. Sollte ich mir dann eine neue Batterie besorgen?“ „Nein, nein“, schmunzle ich, „sie ist wiederaufladbar! Flitzen Sie einfach runter in die Tiefgarage und leihen Sie sich das Starthilfegerät für die Fahrzeuge. Klemmen Sie jeweils eine der großen Zangen an eine Seite der Batterie und drücken Sie den roten Knopf. In Sekunden wird Ihre Batterie wieder wie neu sein.“ „Okay, danke.“ „Nicht der Rede wert.“

Fünf Minuten später sitze ich im Verteilerraum an der Anlage. Eine der Leitungs-LEDs leuchtet für den Bruchteil einer Sekunde extrem hell auf und erlischt dann. Manche User haben es einfach verdient. Ich bin nur der Zustellmechanismus.

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# Kapitel 10

Ich bin nicht beeindruckt. Der Chef hat gerade das B-Wort ausgesprochen – und das völlig ohne Provokation. „Was haben Sie gesagt?“, frage ich, immer noch im Unglauben darüber, was meine Ohren mir da melden. „Oh, spielen Sie nicht den Schockierten. Ich dachte, Sie hätten Spaß daran, einen Berater zum Spielen zu haben; das lenkt Sie davon ab, die User zu ärgern.“

Ich?? User ärgern?

„Und wann kommt unser neuer Freund?“ „Gleich nach dem Mittagessen.“ Schön, das sollte mir genug Zeit verschaffen. „Und darf ich fragen, wer ihn... äh... ‚eingeladen‘ hat?“ „Nun, eigentlich war es der Finanzdirektor. Er macht sich Sorgen, dass wir offen für Hackerangriffe sind und dass Leute an vertrauliche und potenziell schädigende Finanzinformationen gelangen könnten. Also wurde beschlossen, dass eine externe Meinung das Beste wäre. Tatsächlich hat der FD diesen Kerl höchstpersönlich empfohlen.“

Ah, ich wusste doch, dass die Erbsenzähler da irgendwo ihre Finger im Spiel haben mussten. Ich weiß schon seit einer Weile, wie viel sie für Hotels für „Einzelbesprechungen“ ausgeben, aber man möchte ja nicht, dass das *jeder* erfährt, oder?

„Und wie viel verlangt er?“ Die Zahl, die der Chef nennt, ähnelt stark einer Telefonnummer. Ich frage mich... Keine Zeit zu verlieren. Zuerst muss ich ein bisschen Hardware im Gebäude verschieben; das dauert nicht länger als eine halbe Stunde. Kurz darauf bin ich mit diesem Passwort online, das ich neulich gefunden habe. Ah, genau wie ich vermutet hatte... nun, nur eine kurze E-Mail (anonym natürlich) an die Personalabteilung...

Genau in diesem Moment klopft der Neuankömmling und wartet, bis er aufgefordert wird, einzutreten. Er ist in seiner Karriere offensichtlich schon mal auf unter Strom stehende Türklinken gestoßen. Der Chef schreitet selbstbewusst hinter ihm her. „Guten Tag“, sprudelt der Chef fröhlich los. Ich habe das Gefühl, das wird er auch. „Willkommen in unserem Maschinenraum. Darf ich vorstellen: Simon, unser BOFH.“

Ein netter, fester Händedruck, aber ein wenig verschwitzt; er hat nicht gefragt, wofür BOFH steht, also ist er es offensichtlich gewohnt, Akronymen, die er noch nie gehört hat, ohne mit der Wimper zu zucken zuzustimmen. „Simon wird Sie herumführen“, fügt der Chef hinzu. „Können Sie uns und dem CEO Ihren vorläufigen Bericht heute Nachmittag als Letztes präsentieren?“ „Sicherlich. Und machen Sie sich keine Sorgen wegen der Führung; ich war schon öfter in solchen Umgebungen.“

Oh nein, das waren Sie nicht...

Er macht sich auf den Weg in Richtung Serverraum, und ich warte auf den Schrei. Stille. Er muss Gummisohlen tragen... dieser Typ weiß, was er tut. Ich beschäftige mich mit den Aufgaben des Tages und frage mich, was er wohl treibt. Er scheint jedenfalls eine lange Zeit damit zu verbringen, die Firewall anzustarren, was beruhigend ist – solange er damit spielt, kann er nichts anderes verkorksen. Ich setze die Kaffeekanne auf, lehne mich zurück und beobachte den Überwachungsmonitor... so... jetzt müssen wir nur noch warten...

Über die Management-Konsole fahre ich den Haupt-Hub aus der Ferne runter. Der Alarm durchdringt nicht nur das dumpfe Summen der Klimaanlage, sondern wahrscheinlich auch eines seiner Trommelfelle. „WAS BEDEUTET DIESER ALARM?“, schreit er über den Lärm hinweg. Ich bringe den Alarm mit einem gezielt geworfenen Handbuch zum Schweigen. „WAS HABEN SIE ANGEFASST?“ „NICHTS... EHRLICH!“ – ein klassisches Schuldeingeständnis.

Offensichtlich taub wie eine Nuss. Netter Bonus. Ich stampfe in den Serverraum und schnappe mir ein Bündel nicht angeschlossener Kabel. Okay, sie waren noch nie irgendwo angeschlossen, aber das ist nur ein unwichtiges Detail. „Was zum Teufel soll das hier dann sein?“ „Wie bitte?“ „ICH SAGTE: WAS ZUM TEUFEL SIND DAS HIER FÜR DINGER?“ „Ich... ich glaube, ich schaue mir mal die Remote-Bridges an.“

Es schlägt fünf Uhr, und wir sitzen alle im Büro des CEO. Ich, der FD, der CEO, der Chef und unser hörgeschädigter Freund, der seinen Bericht förmlich herausbrüllt, um sich selbst hören zu können. „...ALSO, BEI EINER SO UNORGANISIERTEN VERKABELUNG UND EINEM SECHZIGTAUSEND-PFUND-FIREWALL-SYSTEM, DAS WELTWEIT DAFÜR BEKANNT IST, LÖCHRIG WIE EIN SIEB ZU SEIN, IST IHR NETZWERK VOLLER LÜCKEN. WER AUCH IMMER DIESE HARDWARE INSTALLIERT HAT, IST EIN SCHWACHSINNIGER.“

Der CEO sieht mich an. „Nun?“ „Nun, Sir“, (Schleimen hilft meistens), „ich frage mich, ob ich nur ein paar Fakten erklären dürfte. Erstens wurde die Kabelsituation durch unseren Kollegen hier und seine Quadratlatschen nicht gerade verbessert; haben Sie nicht den Alarm gehört, als er auf etwas Wichtiges getreten ist? Zweitens habe ich diese Firewall eigentlich gar nicht bestellt.“ „Wer war es dann?“

Alle Augen richten sich auf den Chef, der sich plötzlich an einen wichtigen Termin erinnert und mit Panik in den Augen hinausstürmt. Einer weg, zwei übrig.

„Eine Sache noch.“ Ich sehe den CEO an. „Wie lange war unser beratender Geselle heute Nachmittag in Ihrem Büro?“ „Nun, ich habe ihn vor diesem Meeting noch gar nicht gesehen. Warum?“ „Weil unsere aktive Firewall dort drüben im Datenschrank steht“, antworte ich und deute auf eine Tür in der Ecke des Büros. „Wenn unser Freund hier also nicht für ein paar Stunden in Ihrem Zimmer gesessen hat, gibt es keine Möglichkeit, wie er unsere Sicherheit hätte bewerten können. Vielleicht hat er einfach einen vernichtenden Bericht erfunden, damit wir ihn dafür bezahlen können, unsere Sicherheit ‚in Ordnung zu bringen‘ – zusätzlich zu dem fetten Beraterhonorar. Das ist Betrug, oder?“

„Aber was ist mit der Firewall im Serverraum?“, fragt ein besorgt dreinblickender Berater. „Ach, nun ja, als der Chef sie bestellte, dachte ich, ich stelle sie lieber irgendwo hin, auch wenn sie, wie Sie richtig sagen, absolut nichts taugt. Schließlich könnte er seinen Job verlieren, wenn er sechzig Riesen für etwas verpulvert, das nur im Karton rumsteht, also dachte ich, ich helfe ihm aus. Ist Ihnen nicht aufgefallen, dass sie gar nicht am LAN angeschlossen war?“

Ein paar gewählte Worte vom CEO – in denen er detailliert beschrieb, wo er dem Berater den Scheck für das Honorar gern einführen würde – und unsere Teilnehmerzahl ist erneut dezimiert.

**BONG!** Die Stille wird durch den PC des CEO unterbrochen, der ihm mitteilt, dass er neue Post hat. Ich weiß, dass sie von der Personalabteilung sein muss (ich habe alles andere vorhin nach `/dev/null` gefiltert, damit diese Nachricht nicht in einer Flut von Trivialitäten untergeht). Ich entschuldige mich mit der Begründung, dass ich wahrscheinlich kein ernstes Gesicht bewahren könnte, während der CEO den FD fragt, ob er glaubt, dass ein Direktor, der einen kriminellen Berater einstellt, der zufällig mit seiner Schwester verheiratet ist, möglicherweise im Amt bleiben kann.

Während ich an meiner Konsole sitze und aus dem Fenster starre, sehe ich, wie unser Ex-FD den Inhalt seines Ex-Schreibtisches über den ganzen Parkplatz verstreut, während der Sicherheitsdienst ihn nach den Schlüsseln für seinen Firmen-Jaguar filzt. Online-Register für Geburten, Todesfälle und Eheschließungen sind doch eine wunderbare Sache...

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# Kapitel 11

Im Netzwerkbereich ist heute tote Hose, und aus irgendeinem Grund fühle ich mich ein wenig wie Clint Eastwood ...

„Ich weiß, was du jetzt denkst. Du fragst dich: Überwacht er den vierten Stock oder den fünften? Nun, um ehrlich zu sein, bei all dem Trubel habe ich selbst noch nicht auf den Bildschirm geschaut. Aber wenn man bedenkt, dass ich eine definierte Taste habe, um einen Kernel-Debugger auf dem Server aufzurufen, der sogar die ERINNERUNG an deinen Datenbankprozess – und die Arbeit, die du heute Morgen erledigt hast – löschen kann, solltest du dir eine Frage stellen: Hab ich heute Glück? ... Na, was ist? ... Kleiner Strolch?!“, herrsche ich ihn an.

Ich höre das Klappern des Hörergehäuses an der Wand, und vor meinem geistigen Auge sehe ich fast schon, wie der verängstigte Buchhalter zurück ins Büro huscht, um die Verbindung zur Datenbank noch vor der Failover-Zeit ordnungsgemäß zu schließen.

Da mein geistiges Auge nicht mehr das ist, was es einmal war, schalte ich durch meine Überwachungsmonitore im vierten Stock, bis ich einen nerdigen Typen sehe, der schwer bepackt mit Mittagessen auf schnellstem Weg zu seinem Büro eilt. Ich klicke auf das Sicherheitsfenster und deaktiviere die „Tür öffnen“-Knäufe im Treppenhaus.

Ich wünschte fast, ich hätte den Ton der Kameras eingeschaltet, damit ich das dumpfe Aufschlagen hören könnte, wenn die Tür nicht aufgeht, aber man kann nicht alles haben.

Regel 75 der Netzwerk-Ops: Melde niemals einen Fehler von einem Gerät im Pausenraum aus. Besonders dann nicht, wenn dein Büro ein Stockwerk höher und am anderen Ende des Gebäudes liegt.

Ich mache mich wieder an meine Arbeit, die heute darin besteht, die Magnetkarten-Zugangskontrolle zu „reparieren“. Anscheinend gab es da einen Logikfehler, von dem niemand etwas wusste, bis ein besonders nerviger Verkaufsberater am langen Feiertagswochenende versehentlich im Sicherheitsbereich eingeschlossen wurde. Der arme Kerl war ein sabberndes Wrack, als sie ihn fanden – anscheinend spielten dort drin auch alle 10 Minuten die Sirenen und Sprinkleranlagen verrückt.

Das zeigt mal wieder, dass man nicht vorsichtig genug sein kann, wenn man jemandem, der mit Netzwerk-Magazinen beladen ist, nicht den Aufzug aufhält ...

Ich lade den originalen Magnetkarten-Microcode über meine spezialisierte, gepatchte Version und bescheinige dem System beste Gesundheit. Es war offensichtlich ein außergewöhnliches Hardwareproblem und hatte rein gar nichts mit dem Netzwerk zu tun ...

Während ich im Serverraum bin, trifft eine Festplatte als Vorbereitung für einen Austausch ein, was bedeutet, dass der Techniker nicht weit sein kann. Blitzschnell habe ich den Karton offen, wickle ein paar Büroklammern um die Stromanschlüsse auf der Rückseite der Platte und lege sie zurück in die Verpackung.

Nur wenige Sekunden später trifft ein Servicetechniker im Nadelstreifenanzug ein. „Hallo, ich bin hier, um das defekte Laufwerk auszutauschen“, trötet er. Ich führe ihn zu der Maschine, auf der der Fehlerstatus angezeigt wird, und er macht sich an die Arbeit. „Soll ich das System herunterfahren?“, frage ich. „Oh nein, wussten Sie nicht? Diese Maschine ist gespiegelt und Hot-Swap-fähig. Ich ziehe einfach die Abdeckung so ab...“ *Klack!* „Löse diese beiden Befestigungsschrauben, schnappe mir die neue Platte und... ... Hey, haben Sie diese Tüte geöffnet?“ „Nein, die muss so geschickt worden sein.“ „Oh. Das war wahrscheinlich das Büro, als sie sie vorformatiert haben.“

Er hat nun „Lügen gegenüber dem Kunden“ zu seiner Liste der Sünden hinzugefügt. Tragisch. Er fährt fort: „Ich nehme die neue Platte in die eine Hand, schiebe die alte Platte so heraus ... lege sie so auf den Boden ...“ *Plonk!* „Und schiebe die neue so hinein ... und ...“ **BUMM!**

Der Geruch von Ozon verrät mir, dass sowohl die Büroklammern als auch das Netzteil Geschichte sind. Zeit, den Unschuldigen zu spielen. „Was zur Hölle ist passiert?!“, fahre ich ihn an. „Äh, es scheint, dass das Ersatzlaufwerk leicht fehlerhaft war, und die zusätzliche Last könnte Ihr Netzteil überfordert haben.“ „Sie haben unsere Maschine in die Luft gejagt!“ „Nein, nein, es ist nur ein Problem mit der Stromversorgung. Alles, was ich tun muss, ist, die Platte so herauszuziehen, den Strom auszuschalten und diesen Schalter umzulegen, um auf das andere Netzteil umzuschalten. Jetzt schalte ich sie ein und ...“ Nichts passiert. „Es passiert überhaupt nichts!“ Er serviert mir den Klassiker aller Techniker: „Das ist ja interessant!“ „Ja, das hat der Techniker gestern auch gesagt, als er das andere Netzteil geschrottet hat.“

Ein Netzwerk-Überlastungsalarm rüttelt mich vor meinem Terminal wach, und ich merke, dass das alles nur ein schöner Traum war. Na ja, ich schätze, ein Netzwerktechniker muss seine Grenzen kennen.

Das Telefon klingelt, ich nehme ab. „Ich weiß, was du jetzt denkst ...“

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# Kapitel 12

Es ist mal wieder Zeit für einen neuen Chef. Da dies das Ergebnis politischer Ränkespiele ist, in die ich nicht involviert war, bin ich besorgt. Doppelt besorgniserregend: Der offizielle Büro-Funk (Sharon, die Sekretärin des Ex-Ex-Chefs) meldet, dass der Neue ein **Erbsenzähler** ist!!!

Ein neuer Chef ist schon schlimm genug, da sie sich alle dadurch profilieren wollen, dass sie die Abteilungshierarchie umbauen, um sie von einem verkümmerten Geldgrab in eine glitzernde und umjubelte Service-Sparte zu verwandeln. Aber ein Erbsenzähler ist garantiert noch viel schlimmer! Erbsenzähler haben den Ruf, Umstrukturierungen durchzuführen, die schlimmer sind als die eines halbblinden, epileptischen Pokerspielers in einer Disco.

Um diesen Posten zu bekommen, muss er entweder:

- den CEO mit seinen glänzenden Träumen komplett eingeseift haben, oder
- herausgefunden haben, dass die Innenausstattung des CEO-Büros die Firma zwar zehntausende Pfund kostete, die Renovierung des kompletten Privathauses des CEO hingegen nur 47 Pence.

Erstaunlich, was man so erfährt, wenn man einen passiven Fax-Empfänger an die private Faxleitung des CEO klemmt ...

Es ist Montagmorgen, 9:15 Uhr, und die gesamte Abteilung wartet mit angehaltenem Atem auf die Ankunft von Gerry, dem neuen Oberbefehlshaber. Er taucht aus dem hinteren Treppenhaus auf und erwischt die halbe Belegschaft dabei, wie sie sehnsüchtig auf die Fahrstuhltüren starrt – eine nette Abwechslung zum normalen Starren auf die Uhr.

Sofort beruft er ein Meeting ein, um seine „abteilungsinternen Sparmaßnahmen“ zu diskutieren. Niemandem aus dem Team ist das wirklich wichtig; wir wurden in den letzten zwei Jahren so oft hin- und hergeschoben, dass die Wände auf Rollen stehen und das Raumverzeichnis eine Kreidetafel ist. Nicht einmal X.500 kommt da noch mit.

Das Meeting plätschert dahin mit den üblichen albtraumhaften Personal-Umgruppierungen (PC-Support zu den Telefonisten; Unix-Operatoren zur Teeküche-Dame und so weiter). Die Gruppen werden in „Wissenseinheiten“ umbenannt, damit jeder ein warmes Gefühl bei der Umstrukturierungs-Verarsche bekommt, die ihm gerade serviert wurde.

Dann nimmt das Meeting eine Wendung zum Schlechteren, als die Gleitsichtbrille des Todes auf mir zur Ruhe kommt. „Simon, als Netzwerktechniker wirst du auf deiner Position am Helpdesk von unschätzbarem Wert sein. Deine Mitarbeit wird sicherstellen, dass die Lösungszeiten bei Netzwerkfehlern dramatisch sinken ...“

Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass die Chancen, dass ich eine Stelle am Helpdesk annehme, so gering sind, dass ein magersüchtiger Äthiopier im Hungerstreik dagegen wie Schweinchen Dick aussehen würde.

Auf dem Weg zurück in mein Büro wird mir klar, dass ich das Beste daraus machen kann, indem ich entweder aus der Hölle auferstehe, in die man mich gerade verbannt hat, oder indem ich meine Zeit mit sinnloser Rache verschwende. Ich lasse eine Münze entscheiden ... Kopf. Rache also. Ein plötzliches Erdbeben erschüttert die Münze auf „Zahl“. Rache also. „Kante“ war auch verdammt nah dran.

Der Weg ist frei. Gerry hat offensichtlich das Wochenende damit verbracht, dies auszuformulieren, und wird in Kürze eine Salve von Memos sowohl in der Abteilung als auch an die Führungsebene abfeuern. Ich staube meine „Router-Text-Änderungs-Software“ ab (ein simples Stück Code, das einfach Pakete beobachtet und gelegentlich einen Rechtschreibfehler einbaut oder eine Null an das Ende einer Zahl hängt), nehme ein paar Modifikationen vor und lade sie auf die Netzwerk-Hardware hoch. Um auf der sicheren Seite zu sein, lade ich auch den Duplikator-Code hoch.

Nur wenige Minuten später piept meine Workstation, als eine E-Mail vom Chef reinkommt. Ein Memo, das die im Meeting getroffenen Entscheidungen bestätigt, wenn ich mich nicht irre. (Was ich nie tue. Nie tat. Nie tun werde.) Ich muss die Nachricht gar nicht erst öffnen, um zu wissen, dass die „An:“-Zeile mit einer kreativen Abfolge von Kraftausdrücken umgeschrieben wurde.

Zwei Minuten später klingelt das Telefon. Die Anrufer-ID meldet: „Big Guy“. „Was zur Hölle ist mit dem System los?“, knurrt der CEO. „Wie meinen Sie das?“, frage ich mit mitfühlender Besorgnis. „Mein Drucker spuckt dasselbe Memo immer und immer wieder aus und ich bekomme ständig dieselben E-Mails!“ „Das ist doch nicht etwa von Gerry, oder?“ „Doch, warum?“ „Oh, er hat wahrscheinlich mal wieder an seinem Drucker und den Einstellungen seines Mail-Clients herumgespielt. Ich werde das schleunigst in Ordnung bringen.“

Der CEO legt auf, und ich fahre den Router runter, womit das Problem gelöst ist. Runde eins geht an mich, denke ich. Ich würde den Chef ja anrufen, aber er scheint gerade ein recht dringendes Gespräch mit dem CEO zu führen. Vielleicht später ...

Fortsetzung folgt ...

# Kapitel 13

Es ist ein heißer Morgen, und ich habe die Sicherheitsfenster für etwas „Klimatisierung“ aufgehebelt. Das hat den unschönen Nebeneffekt, dass am Sicherheitspult eine Warnlampe aufleuchtet, aber aufgrund eines CAD-Verkabelungsfehlers, der nie ganz geklärt wurde, gibt es nur eine einzige Lampe für die 204 Fenster auf sechs Stockwerken. Es wird also etwa eine Stunde dauern, bis der Sicherheitsdienst mich findet.

In der Zwischenzeit ist der Chef in mein Bald-nicht-mehr-Büro gestürmt, weil er mich heute Morgen beim Plausch mit dem CEO beobachtet hat und wissen will, worum es ging ... Nach dem E-Mail- und Drucker-Debakel der letzten Woche hält er sich bedeckt, bis seine große Umstrukturierung die süßen Früchte des Sieges trägt. Da die Smalltalk-Fähigkeiten des Chefs nicht einmal bis zum Wetterbericht reichen, braucht er nur 10 Sekunden, um zum Punkt zu kommen.

„Und, was wollte der CEO heute Morgen?“ „Der CEO?“, frage ich und spiele den Dummen bis zum Anschlag. „UNSER CEO!“, wiederholt er etwas harsch. „Sie haben vor dem Gebäude mit ihm geredet.“ „Ach, *der* CEO“, sage ich. „Nun, er war besorgt, dass wir auf der oberen Managementebene nicht genügend Redundanz haben.“ „Tatsächlich?“, ruft der Chef aus, die Augenbrauen im Steilflug. „Ich dachte nicht, dass er überhaupt etwas von Netzwerken versteht.“ „Versteht er auch nicht“, antworte ich süffisant. „Sie sind gefeuert!“

„Wovon reden Sie da?“, verlangt er zu wissen. „Gefeuert. Sie wissen schon: entlassen, freigestellt, terminiert. Rationalisiert!“ „Das glaub ich Ihnen nicht!“, höhnt er. „Natürlich nicht. Der CEO *wollte* es Ihnen ja persönlich sagen, aber er schuldete mir noch einen Gefallen ...“ „Er schuldete *Ihnen* einen *Gefallen*?“ „Ja, weil ich ihn auf diese Rechnung aufmerksam gemacht habe.“ „Rechnung?“ „Ja, die von Ihnen für die zwei Großbildfernseher, die heute Morgen an Ihre Privatadresse geliefert wurden – verbucht unter ‚erweiterte Kommunikationsausrüstung‘.“

„Ich habe keine Fernseher bestellt!“ Ich krame bedächtig ein paar Papiere hervor. „Das ist also nicht Ihre Unterschrift?“, frage ich und zeige auf das Blatt. „N ... nun, ich gebe zu, es gibt eine gewisse Ähnlichkeit, ab ...“ „Sollte es auch, ich habe eine Woche und zwei Ihrer Souvenir-Kugelschreiber von der Airline gebraucht, um sie zu perfektionieren! Das Papier hat sogar Ihre Fingerabdrücke drauf!“ „Das kann nicht sein! Ich habe das Ding noch nie im Leben gesehen.“ „Haben Sie gestern etwa nicht Ihren Laserdrucker mit Papier aufgefüllt, als es leer war?“ „Ich ...“ „Das war ziemlich dämlich, oder?“ „Ich kann nicht gla ...“ „Glauben Sie es ruhig. Aber es ist halb so wild. Wenn Sie dem Dienst für digitalisierte Unterschriften vertraut hätten, hätten wir dieses Gespräch schon vor einer Woche und zwei Stiften geführt – so haben Sie sich wenigstens etwas Zeit erkauft. Das ist eine Woche mehr, bevor die Pfändungsankündigung für Ihre Hypothek eintrifft ...“

„Sie Bastard!“ „Leibhaftig, der Einzige, voll im Dienst und gerade dabei, Ihre ausstehenden Urlaubstage zu manipulieren! Oh, sehen Sie mal! Ist das nicht der Sicherheitsdienst, der gerade nach Ihnen sucht?“

Er weicht zurück, direkt durch das offene Sicherheitsfenster und zwei Stockwerke in die Tiefe. Es geht doch nichts über ein paar Knochenbrüche, um einen bei der Arbeit mal so richtig auszubremsen. Der Sicherheitsdienst ist natürlich in weniger Zeit vor Ort, als man braucht, um einen WAN-Router mit 10 Slots über ein 150-Baud-Modem vollständig neu zu konfigurieren. (Das geht nicht schnell, falls Sie sich das fragen). Der CEO ist ebenfalls anwesend.

„Was ist passiert?“, fragt der CEO. „Nun“, sage ich, „schwer zu sagen. Er hat irgendwas von einer Bestellung und Fernsehern und Zeug gefaselt. Ich sage es ja nur ungern, aber ich glaube, der Stress wurde ihm zu viel. Der Suizidversuch war wohl nur ein Hilfeschrei ...“ „Kein Schrei, der von dieser Firma beantwortet wird!“, knurrt der CEO. „Der ist hier raus!“

Guter alter CEO, loyal bis zum bitteren Ende! Und wenn man bedenkt, dass er heute Morgen noch zuckersüß war, als wir diesen netten Plausch über seine exzellente Wahl des Schneiders hielten. Man sagt, ich spiele auch ein verdammt gutes Poker.

# Kapitel 14

Es ist ein seltsamer Dienstagmorgen. Trotz seines unglücklichen Sturzes aus dem Fenster hat mein Ex-Chef, der Erbsenzähler, es anscheinend geschafft (zweifellos unter Androhung von Gewalt), wieder einen Job in der „Zentrale der Erbsenzähler“ im sechsten Stock zu ergattern.

Seit gestern – nun auf einen Elektrorollstuhl angewiesen – hat er eine Bestandsaufnahme der gesamten Abteilung initiiert, bis hin zum letzten Routerkabel. Eine Inventur allein der großen Brocken dauert für vier Personen etwa eine Woche, das hier ist also reine Boshaftigkeit nach seinem tragischen Missgeschick am Straßenrand vor zwei Wochen. Manche Leute lernen es einfach nie ...

Die Bestandsaufnahme ist ein potenzielles Problem. Ich bin mir nicht sicher, ob ich möchte, dass jemand von meiner einzigartigen und recht lukrativen Strategie zur „Anlagenentsorgung“ erfährt ...

Seine frühere Position in unserer Abteilung wurde vorübergehend von einem der technischen Manager übernommen, der das schon öfter gemacht hat. Tatsächlich so oft, dass er zwei Sätze Visitenkarten besitzt. Der Interims-Chef trudelt gegen 10 Uhr morgens ein.

„Simon?“ Ich blicke von meinem Ethernet-Monitor auf. „Jap?“ „Hast du Gerry heute Morgen gesehen?“ „Gerry?“ „Deinen letzten Chef? Du weißt schon, der, dessen halber Körper in Gips steckt und der in einem Rollstuhl festgeschnallt ist?“ „Oh, Gerry! Nein, heute Morgen noch nicht.“ „Seltsam. Wir haben ihn wegen dieser Inventur-Sache angerufen und in der Buchhaltung hat ihn auch keiner gesehen.“ „Tatsächlich?“ „Nein. Und anscheinend haben sie bei ihm zu Hause angerufen – er ist schon um 7 Uhr losgefahren.“ „Mhm. Tja, ich habe keine Ahnung. Wo wir gerade von vermissten Dingen sprechen: Hast du diesen SNMP-gesteuerten Antennen-Servosatz und die Mobilfunk-basierte SNMP-Linkbox gesehen?“

Er runzelt eine Weile die Stirn. „... Nein.“ Er überlegt kurz. „... Wofür war das gedacht?“ „Nun, zusammen wollten wir sie benutzen, um die Ausrichtung und Neigung unserer Satelliten-Link-Antenne zu steuern.“ Er denkt noch eine Minute nach. „Das hast du nicht getan!“ „Was habe ich nicht getan?“, frage ich unschuldig und bin heimlich überrascht von der technischen Kompetenz und dem Weitblick dieses Typs. „Du hast sie verloren!?“

Wieder einmal ist mein Glaube an das System wiederhergestellt. Hätte er gesagt: „Du hast Gerrys Rollstuhl per SNMP ferngesteuert“, hätte ich eine ernsthafte ethische Krise am Hals gehabt. „Nein, nein“, sage ich. „Ich bin sicher, die liegen hier irgendwo rum. Ich habe sie gestern erst konfiguriert.“ „Oh.“

Thema beendet. Er sieht sich nach etwas um, mit dem er den Tag füllen kann. „Neues Spiel?“, fragt er und zeigt auf meinen Laptop, komplett mit nagelneuem Modem ... „Neues Spiel? OH! Ja, neues Spiel. Ganz neu. Einen Tag alt. Habe heute Morgen erst angefangen.“ „Was muss man da machen?“ „Nun, das Ziel ist es, den, äh, Roboter durch die Straßen von etwas zu manövrieren, das wie Cornwall aussieht.“ „Das ist alles?“ „Mhm.“ „Kein besonders tolles Spiel, oder?“ „Ich weiß nicht recht. Ich ziehe eine gewisse Befriedigung daraus. Ich spiele schon seit 7 Uhr heute Morgen. Besonders befriedigend war es, als ich ihn dreimal durch eine dieser automatischen Waschanlagen gefahren habe ...“ „Oh ja! Okay, macht es dir was aus, wenn ich es mal versuche?“ „Ganz meinerseits!“

Fünf Sekunden später ... „Hoppla.“ „Was ist passiert?“ „Ach, ich war nicht an die Steuerung gewöhnt, ich habe ihn in dieses Gully-Dingsbums gefahren und er ist verschwunden. Wie bekommt man ein neues Leben?“ „Indem man einen anderen Buchhalter zum Chef ernennt?“, schlage ich vor und entferne damit die Watte aus seinem vernebelten Gehirn.

Seine Augen weiten sich leicht, während sich mein reichhaltiger Stapel an Hinweisen in seiner grauen Substanz zusammensetzt. „Das hast du nicht getan!“ „Nein. *Du* hast es getan. Ich habe nur zugesehen. ‚Zeuge der Anklage‘, könnte man sagen.“ „Aber ich dachte ... Sie Bastard!“ „Keine Sorge“, sage ich. „Mit schwerer Körperverletzung sind sie heutzutage ziemlich gnädig. Als Ersttäter kommst du in zwei oder drei Jahren für eine Bewährung infrage – vorausgesetzt, es ist dein erstes Vergehen. Oh – und natürlich nur, wenn er überlebt.“

Er verschwendet mehrere Lungenfüllungen feinster Luft damit, über Abteilungsloyalität und so weiter zu faseln. Ich schalte geistig für eine Weile ab, bis das Geleier aufhört. Schließlich bemerkt er es. „Okay, was willst du?“ „Zwei neue Router, einen Backup-FDDI-Hub und einen vollen ISDN-Anschluss für meine Wohnung, zu Testzwecken.“ „Verstehe ... Okay.“ „Exzellent. Hier unterschreiben.“ „Aber das ist ein blanko Bestellformular!“ „Dieser Gully sah ziemlich tief aus, nicht wahr ...“

Er unterschreibt, ich lächle gütig, er geht. Networking ist schon eine drollige Welt ...

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# Kapitel 15

Die Zeit des Wohlwollens ist wieder einmal angebrochen, und der endlose Reigen der Weihnachtsfeierlichkeiten steht kurz bevor. Gerry, der Ex-Chef aus der Erbsenzähler-Zentrale, wurde aus dem Gully gezogen – mit nur leichten Verletzungen am SNMP-Servo-Set, das an seinem Rollstuhl befestigt war. Leider wurde das Gehäuse durch das Seifenwasser aus der Waschanlage etwas in Mitleidenschaft gezogen, aber nichts allzu Ernstes.

Ich lehne mich in meinem Sessel zurück und überlege, alle User darüber zu informieren, dass sie sich wegen „wichtiger Wartungsarbeiten“ ausloggen müssen, damit die Jungs vom System in Ruhe eine ernsthafte Runde Netzwerk-DOOM II zocken können.

Ich überlege es mir noch einmal anders, starte gerade den Server neu und ändere das Login-Skript, als das Telefon klingelt. Keine Anrufer-ID. Schlechte Nachrichten. Ich habe alle Büro-, Mobil- und Privatnummern in der Identifizierung gespeichert. Ich nehme ab.

„Fangen Sie an zu reden.“

„Simon, hier ist Gerry.“

„Hi Gerry“, sage ich sachlich.

„Du wirst damit nicht durchkommen, das weißt du. Ich weiß, dass du meinen Rollstuhl ferngesteuert hast. Du bist wirklich ein ausgemachter, verfluchter Bastard.“

Nun, was hat es für einen Sinn, *den* „Bastard Operator From Hell“ einen Bastard zu nennen? Ich meine, was erwartet er? Dieses Gespräch führt zu nichts. „Hören Sie auf zu reden“, sage ich und lege das Telefon sanft zurück auf den Tisch. Kurz, aber schmerzlos. Das gefällt mir.

Ich speichere die Nummer, von der Gerry angerufen hat, in der Datenbank. Es ist das Münztelefon im Privatkrankenhaus der Firma. Manche Leute lernen es einfach nie, niemals ... Ich mache mich an die Arbeit. Weihnachten ist so eine gute Zeit, um ein wenig in der Büro-Politik herumzustochern.

Ich wühle das automatische Telefonprotokoll auf dem Handy des Chefs aus und starte eine Schnellsuche nach: „Es tut mir leid, Schatz, aber das ist genau der Tag der Weihnachtsfeier.“ Es ist erstaunlich, was CTI-Technologie heutzutage alles leisten kann.

Ich tauche in die E-Mails ab und schreibe einen simplen, regelbasierten Filter. Ich leite das „An alle“-Memo der Haustechnik bezüglich der Weihnachtsfeier direkt an mich um.

Zurück zu Doom II und zum Glücklichsein. Später am Nachmittag trifft die E-Mail ein. Die Haustechnik bittet um Vorschläge für die Weihnachtsfeier. Wie nett von ihnen. Als Veranstaltungsorte stehen eine Bootsfahrt oder ein Scheunenfest (*Barn Dance*) am 14. zur Auswahl. Was rauchen diese Leute eigentlich?

Ich überprüfe den Terminkalender von Sharon (der Sekretärin des Chefs). Bis jetzt läuft alles nach Plan. Ich leite die E-Mail weiter, und alle Kunden dürfen demokratisch über ihren bevorzugten Ort abstimmen. Wie rührend.

Die E-Mails kommen zu mir zurück. Es scheint, als wolle die Mehrheit die Bootsfahrt am 14. Ich rechne meine Version der Gesamtzahlen für die Haustechnik automatisch zusammen – ich bin eben hilfsbereit.

Bevor ich die Mail an die Haustechnik weiterleite, füge ich noch eine kleine Notiz hinzu: Ich hätte einen Anruf von Gerry erhalten und fände es eine schöne saisonale Geste, wenn wir zusammenlegen würden, um ihm Blumen, Champagner und Pralinen zu kaufen. Vielleicht könnten wir sogar arrangieren, dass ihn eine Limousine mit Chauffeur zurück zur Party bringt – vorausgesetzt, die Ärzte sind mit dem Operieren fertig.

Ich füge hinzu, dass es mir lieber wäre, wenn die Haustechnik das Ganze für mich abwickeln könnte. Es ist so vulgär, seine Wohltätigkeit zur Schau zu stellen. Die Liebe ist langmütig und freundlich und all das ... Die Haustechnik erhält ordnungsgemäß meine „hilfreiche“ E-Mail und verkündet die Entscheidung zur Weihnachtsfeier. Sie haben eine Menge Geld für Gerry gesammelt, und der Ort wird das Scheunenfest sein – aber da viele Leute überraschenderweise am 14. nicht können, wird der Termin auf den 13. vorverlegt. Ein Unglückstag für manche.

Ich warte 10 Minuten. Wie bestellt kommt der Chef herein, kreidebleich und völlig sprachlos. Ich helfe ihm auf die Sprünge.

„Problem, Chef?“

„Sozusagen ...“

Er tut so, als wolle er den Ernst der Lage verbergen. Ich hatte gesehen, wie viel er auf seine Amex-Karte laden musste, damit die arme Sharon am 14. in einer Luxushotel-Suite übernachten konnte, anstatt sich nachts ein Taxi nach Hause zuzumuten. Ich wusste auch genau, wie schwierig es war, die Büroparty auf denselben Abend zu legen, an dem seine Frau ihren Mädelsabend hat. Ich empfinde fast Mitleid mit ihm, erhole mich aber sofort wieder.

„Ich habe die Neuigkeiten gehört. Ich konnte es auch kaum glauben. Ein Scheunenfest. Na ja, wenigstens wird Gerry glücklich sein.“

„Gerry ...?“, knurrt der Chef.

„Ja. Es war seine Idee. Er wollte die Party nicht verpassen, also hat er eine Limousine mit Chauffeur bestellt, die ihn am 13. dorthin bringt. Und natürlich kann er vom Rollstuhl aus beim Scheunentanz mitmachen, anders als in einer herkömmlichen Disco.“

„Limousine mit Chauffeur?“, ruft der Chef aus, jetzt wieder voll in Form, während ihm das Blut in die Wangen schießt. „Ich bring ihn um.“

„Das ist nicht nötig. Die Ärzte sind bereits an der Sache dran.“

Ich reiche ihm die Krankenhausrechnung zusammen mit diversen Quittungen für Champagner, Pralinen, Blumen und einer sehr, sehr hohen Telefonrechnung, die praktischerweise alle 0190er-Nummern auflistet, die Gerry von seinem Krankenbett aus angerufen hat, sowie den Polizeibericht, der ihn wegen rücksichtslosen Gebrauchs eines Rollstuhls anzeigt.

Der Chef geht die Quittungen durch und spricht die schicksalhaften Worte: „Er ist gefeuert.“

„Aber Sie können doch keinen Mann feuern, der im Krankenhaus liegt“, sage ich und treibe ihn damit noch ein kleines Stück weiter.

„Passen Sie mal verdammt noch mal auf, wie ich das kann“, sagt der Chef und übernimmt wieder das Kommando. „Und noch was: Können Sie sagen, dass es einen Systemfehler gab und wir doch am 14. zur Bootsfahrt zurückkehren? Sie wissen doch sicher, wie man das deichselt, oder?“

Kein Problem. Ich denke, das krieg ich hin.

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# 1996

# Der B.O.F.H. beginnt das neue Jahr mit ein paar Sexspielzeugen ...

Es ist sehr ruhig zwischen den Feiertagen.

Die Weihnachtszeit habe ich damit verbracht, rumzusitzen, sorgfältig einen Schichtplan auszufüllen und freigiebig Zahlen in der Überstundenspalte unter der Vermeidung einiger Familienmitglieder zu verteilen. Es ist so frustrierend, die Kollegen zu sehen, die sich jämmerlich ins Büro schleppen mit der alleinigen Absicht, mein Netzwerk zu zerstören.

Während der Shutdown-Zeit erhielt ich keinen Hilferuf, was meine Theorie bestätigt, daß mein Netzwerk wirklich perfekt funktioniert und alle Fehler von den Nutzern verursacht werden.

Es scheint so, daß ich nicht der einzige im Büro war: die Protokoll-Dateien verraten, daß der Chef der Entwicklungsabteilung auch da war, um per Fax Dutzende Bestellungen für verschiedene Teile für die neue Schüttel-Teststrecke, die sie in der Qualitätssicherung bauen, rauszuschicken.

Dem Klatsch im Büro zufolge ist der Chef wirklich verrückt - die Teststrecke sollte zum neuen Jahr laufen, aber alle meinen, sie sei noch nicht einmal zur Hälfte fertig. Das Interessanteste am Netzwerk-Fax-Protokoll ist, daß das Programm, das ich auf dem Server installiert habe, sich wenigstens einmal in einen Anruf nach draußen eingeschaltet hat.

Es handelt sich um ein unterhaltsames kleines Programm, das das größte Problem mit all diesen Netzwerk-Fax-Systemen auf der Welt löst - das Problem, daß sie furchtbar langweilig sind.

Die Veränderung, die ich vorgenommen habe, ist einfach und brillant: der Netzwerkmanager definiert einfach ein paar Suchen-und-Ersetzen-Filter für Nachrichten, die nach draußen gehen, was bei richtiger Anwendung Nachrichten deutlich aufwertet. Man kann natürlich auch dafür sorgen, daß Faxe ganz nach Wunsch in andere Länder umgeleitet werden.

Das Telefon klingelt:

"Guten Morgen, sie sind der erste Anrufer in diesem Jahr. Kann ich ihnen helfen?" (Manchmal überrasche ich mich selbst.)

"Hier ist der Chef-Ingenieur. Funktioniert das Fax-System?"

"Ganz bestimmt tut es das. Ich habe es vor ein paar Momenten selbst geprüft. Haben sie etwa Probleme?"

"Ja. Ich habe vor Weihnachten ein paar Sachen für die Qualitätssicherung bestellt, aber der Lieferant behauptet, das Fax sei nie angekommen. Können sie das für mich überprüfen? Ich habe es am 22. Dezember abgeschickt und das Gerät meldete, das Fax sei angekommen. Die Bestellnummer ist PE4456."

Ein schnelles ´grep´ im Fax-Protokoll zeigt das fragliche Fax an.

"Ja, es steht hier im Systemprotokoll und es sollte alles in Ordnung damit sein. Menge 48, Produktbeschreibung: ´Vibrator (3-stufig, sehr zuverlässig)´. Vielleicht konnte ihr Lieferant es noch nicht bearbeiten."

"Ja, das könnte durchaus sein. Vielen Dank."

"War mir ein Vergnügen." Ich wundere mich ...

Das Telefon klingelt wieder. Die Rufnummernidentifizierung sagt, daß das Warenlager dran ist.

"EDV hier."

"Warenlager hier. Wir haben eine Lieferung ohne Kontaktname. Der Lieferant sagt, sie wurde mit einem Fax bestellt. Können sie herausfinden, wer von euch diese interessanten Teile bestellt hat?"

"Natürlich, kein Problem. Wie lautet denn die Bestellnummer?"

"PE4456."

"Mal schauen ... ja, das ist die Bestellung vom 22. des letzen Monats. Vom Chef der Entwicklungsabteilung."

"Danke Kollege."

Ich bin sicher, ein Kichern zu hören, als der Hörer aufgelegt wird. Zeit und einige Levels von Doom III (Beta, natürlich) vergehen ohne Störung, dann klopft es an der Tür. Geschickt schalte ich in den ´Boss-Mode´, dann lasse ich den Chef-Ingenieur reinkommen

"Irgendetwas stimmt nicht mit dem Fax-System." platzt es aus ihm heraus.

"Wirklich? Wieso?"

"Erinnern sie sich an das Fax? Ich habe gerade versucht, es nochmal abzuschicken, aber es kam nicht an."

"Okay, testen wir es mal." Ich entwerfe schnell ein Fax auf meinem PC, schließe eines der alten Fax-Geräte an und schicke das Fax ab. Das Empfangsgerät erwacht zum Leben und gibt zuverlässig die Test-Nachricht wieder. Nun, es funktioniert - ich habe das Wort ´Vibrator´ nicht benutzt, so daß das Fax nicht an Siggi´s Sex Emporium in Rotterdam umgeleitet wurde.

"Sie sehen es." erkläre ich meinem gespannt blickenden Kollegen. "Alles funktioniert prächtig. Sie müssen dem Lieferanten sagen, daß sein Fax-Gerät kaputt ist."

"In Ordnung. Danke für die Überprüfung." sagt er und geht kleinlaut.

Geschieht ihm recht für seine Zweifel an meinem System.

Das Telefon klingelt. "EDV, B.O.F.H. am Apparat."

"Hier ist der Chef. Haben sie Bradshaw von der Entwicklungsabteilung gesehen? Man sagte mir, er würde zu ihnen gehen, weil er ein Systemproblem hat."

"Ja, er war gerade hier. Warum?"

"Oh, ich frage mich, warum das Warenlager mir ein Paket mit vier Dutzend dreistufigen Sex-Spielzeugen gebracht hat, das unser Freund bei Siggi´s Sex Emporium in Rotterdam bestellt haben soll. Sie können nicht etwa Licht in die Sache bringen?"

"Selbstverständlich kann ich. In den Fax-Protokollen steht alles schwarz auf weiß ..."

# Der B.O.F.H. hat ein Beurteilungsgespräch ...

Als ich an diesem hektischen Nachmittag zur Arbeit komme, erwartet mich eine E-Mail, die mich zu einem Beurteilungsgespräch im Rahmen des Vorgesetztenbewertungsprogramms einlädt. In der E-Mail steht noch, daß ich zufällig ausgewählt worden bin. Mein Abteilungsleiter ist überrascht, denn er erinnert sich deutlich daran, meinen Namen von der Liste gelöscht zu haben. Nun, "Zufall" kann so ein irreführendes Wort sein. Später gehe ich zu dem Gespräch mit einem Menschen vom Vorstand und einem Herrn Grau (der Name paßt vollkommen). "Simon, ich denke, sie wissen, worum es bei diesem Gespräch geht?" lächelt Grau. "Ja. sie wollen herausfinden, daß mein Abteilungsleiter fast immer in der Lage ist, sich an seine Telefonnummer zu erinnern." "Nein, ich denke, so schlimm wird es nicht." gluckst Grau. Der Mann vom Vorstand scheint sich unwohl zu fühlen. "Sein eigener Anschluß. Nicht die Büronummer. Die hat nur vier Stellen. Das ist nur eine Endung." "Ja, gut. Er ist ja nicht umsonst in seiner Stellung!" "Oder verwandt mit dem Chef oder seiner Frau. Oder er spielt Golf im gleichen Club. Oder er kennt jemanden, der im gleichen Club ist. Oder er weiß, wie ein Golf-Club aussieht ..." "Es sieht aus, als hätten sie keine besonders gute Meinung von Ihrem Vorgesetzten." "Nein." Der Vorstandsmann fühlt sich jetzt wirklich unbehaglich. "Aus welchen Gründen?" "Nun, seien wir ehrlich. Bevor er hier anfing hat er Pappkartons in einer Fabrik gefaltet, die für ihre gebackenen Bohnen bekannt ist." "Aha. Und seine Netzwerkerfahrungen?" "Hat er, weil er der zweite Cousin der Frau vom Chef ist." antworte ich. "Aha." "Mal ganz ehrlich, der Mann könnte keine Lampe untersuchen und das Stromkabel identifizieren, von einem Netzwerk ganz zu schweigen. Als ich ihm sagte, wir sollten ATM und passende Karten im Computerraum installieren, bestellte er eine neue Barclay´s-Karte. Ich sagte ihm, daß wir eine Internet-Firewall haben, und er fragte, ob es auch ein Feuerlöschgerät dafür gibt." "Ich verstehe. Möglicherweise hat er mehr Erfahrung, wenn es um die Planung geht, wie man das von einem Abteilungsleiter erwartet?" "Vielleicht. Ich wundere mich jedoch noch immer, weshalb er sich bei mir bedankte und meinte es gehe ihm gut, als ich ihn nach einer besseren Glasfaserverkabelung \[fibre\] fragte." "Ach so. Was erwarten sie denn von jemandem in dieser Position?" will Grau wissen. "Die Fähigkeit zu addieren, zu subtrahieren, lesen und schreiben ohne sich auf die Zunge zu beißen. Die Intelligenz, seinen Namen unter alles zu schreiben, das ich ihm vor die Nase halte, unabhängig davon, wie seltsam es klingen mag." "So, sie meinen, daß er nichts weiter sein soll als ein Ja-Sager." "Genau." "Nun, wir sind uns einig, daß wir dem nicht zustimmen. Sie können doch nicht ernsthaft erwarten, daß er alles unterzeichnet ohne es zu prüfen. Mit einer kleinen Wartezeit von ein paar Tagen für eine Prüfung muß man leben können. Was ihr Verhältnis zueinander betrifft, nun, auch wenn ihr Abteilungsleiter nicht unbedingt die Idealbesetzung für diese Stelle zu sein scheint, so ist ihr Urteil doch ziemlich ungerecht und übertrieben." "Hmmm." sage ich besorgtes Nachdenken simulierend. "Ich glaube, wir haben da eine Sackgasse erreicht." Dann stehe ich auf und gehe. Auf dem Weg nach draußen höre ich, wie der Mann vom Vorstand Grau davor warnt, den Fahrstuhl oder irgendein anderes Gerät zu nutzen, welches von Computern kontrolliert wird. Dafür hat er Strafe verdient ... ... Später, gegen 18:17 Uhr sehe ich im Überwachungsmonitor, wie sich ein Schatten von den anderen löst und sich an der Tür zu schaffen macht. Ein paar Tastatur-Klicks - die Drehtür bleibt in Mittelstellung stehen und der Sicherheitsalarm geht los. Zwanzig Minuten später gehe ich die Treppen hinunter und tue so, als wollte ich das Haus verlassen. Eine kleine Menschenmenge hat sich um die Drehtür versammelt und schaut den Sicherheitsleuten zu, die sich abmühen, den gefangenen Grau zu befreien. Ich lächle wohlwollend, als Grau mich sieht. "Keine Angst", sage ich. "Wir können ja noch das Glas einschlagen, um sie zu befreien." "Das ist Panzerglas", wirft ein Wachmann ein. "Man müßte schon mit einem Auto dagegenfahren. Ich befürchte, das wäre nicht gut für ihn." "Es gibt immer eine Möglichkeit für den Notfall", sage ich hilfreich. "Irgendetwas ging schief. Der ganze Kontrollmechanismus ist tot." kommt die Antwort. "Wirklich?" frage ich und schaue Grau an. "Nun, der Wartungsvertrag war Teil meiner Anforderung, DIE MEIN ABTEILUNGSLEITER HEUTE NICHT GENEHMIGEN WOLLTE. EINE KLEINE WARTEZEIT VON EIN PAAR TAGEN WIRD DOCH NIEMANDEN UNGLÜCKLICH MACHEN." Der Wachmann murmelt etwas. "Wir dachten, wir könnten einfach die Kabel durchtrennen, damit die Türverriegelung freigegeben wird, und ihn dann rausholen." "Wenn das so einfach wäre, dann könnte jeder Einbrecher hier reinkommen", erkläre ich. "JETZT IST DIE INTERNE BATTERIE AKTIV, DIE UNABHÄNGIG VOM REST DER STROMVERSORGUNG LÄUFT. ES DAUERT 48 STUNDEN, UM SIE ZU ENTLADEN." "Was können wir tun?" will der Wachmann wissen. "Nun, Tacos und Käsescheiben würden ganz gut passen." "Hä?" "Um sie ihm unter der Tür hindurchzuschieben. Er muß ja etwas essen! ICH HOFFE NUR, ER MUSS NICHT ZUR TOILETTE. ICH KÖNNTE ES NICHT AUSHALTEN, 48 STUNDEN IN EINER GLASKABINE EINGESPERRT ZU SEIN, IN DIE JEDER HINEINSCHAUEN KANN, UND NUR MEINE AKTENTASCHE DABEIZUHABEN." Das Leben kann grausam sein, wenn du versuchst, nicht auf das zu hören, was andere dir sagen ... Der B.O.F.H. erzieht den Pickelgesichtigen Jüngling (PJ) ... Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als ich in mein Büro komme und die Anwesenheit eines Wesens bemerke, welches nur als Pickelgesichtiger Jüngling (PJ) bezeichnet werden kann. Zu allem Überfluß hat dieses Wesen meinen Schreibtisch übernommen. "Hallo!" keucht der PJ. "Ich bin der neue Auszubildende, den sie letzte Woche angefordert haben." Anstatt anzuhalten, nehme ich meine Tasche und mache sofort kehrt, um in Richtung des Büros des Abteilungsleiters davonzustürmen. Der informiert mich in sehr deutlichen Worten, daß die Lohnabrechnung, die er nach meinem Bewertungsgespräch in der vergangenen Woche erhielt, in keiner Weise zu dem beigetragen hat, was der flüchtige Beobachter wohl als Rache bezeichnen würde. Reiner Zufall, daß er den PJ jetzt angestellt hat, behauptet er ... Er erklärt mir außerdem, daß der PJ nicht nur bleiben, sondern mich auch irgendwann ablösen soll. Ich soll ihn zu einem absoluten Fachmann ausbilden. Traurigerweise ist in meinem Büro nur Platz für einen, aber das kann noch warten. ... "Ich habe die Anrufe entgegengenommen, als sie weg waren!" ruft mir der PJ zu, als ich zurückkomme und wedelt mit einem Stapel ´Während sie weg waren´-Notizen. Ich entscheide mich, so zu tun, als stimme ich voll und ganz mit dem Abteilungsleiter überein. "In Ordnung, sortieren sie sie ein und dann beobachten sie dann das hier", sage ich und schalte den Netzwerk-Monitor ein. "Wo soll ich sie einordnen?" "In den Aktenschrank." sage ich. "Aber ich kann keinen sehen ..." "Der runde ..." "... auf dem Boden ..." "JA, IN DER ECKE!!" "Ein Anruf war aber wichtig!" keucht er. "Das ist ein Netzwerk, hier sind alle wichtig. Jetzt ist es von Bedeutung zu erkennen, welche Nutzer wirklich wichtig sind, wenn sie anrufen." "Oh, kann man das denn?" "Das kann man nicht. Es war nur ein Witz. Das hier ist ein Netzwerk, okay? Sie nehmen, was sie kriegen können und sind damit zufrieden, oder sie bekommen ein ´Upgrade´ auf ein 150 Baud-Modem mit einem nicht isolierten Netzteil." "Wie haben sie es geschafft, ihren Job zu behalten?" "Hmm. Eine clevere Mixtur aus überlegener Intelligenz, Unersetzbarkeit und unbarmherziger Erpressung, wenn es nötig ist. Das hat bisher funktioniert. Nun, ich verwette meinen nächsten Lohnscheck darauf, daß 90 Prozent der Beschwerden an diesem Morgen von der Lohnbuchhaltung kamen - oder irre ich mich etwa?" "Nein, sie haben Recht! Ist deren Netzwerk fehlerhaft?" "Nein, das ist mehr ein Protokoll-Problem." "Was? Etwa mit dem TCP/IP-Protokoll?" "Nein, eher eines von der Art ´Wenn Simon Rückerstattungen für technische Handbücher fordert, dann schickt ihn weit, weit weg´. Wirklich, es ist zwar nicht dokumentiert, aber ein De-facto-Standard hier." "Und was tun wir wegen dieser Fehler?" "Nichts. Wir erklären, daß es sich um einen unvorhersehbaren Fehler handelt, der möglicherweise irgendwo in einem technischen Handbuch beschrieben wird. Dann installieren wir die ´Niemals-versagende-Netzwerkproblem-Lösungstechnik´." "Was ist das?" "Wir lösen alle Probleme durch ein ´Router-Reset´." "Ich verstehe nicht ..." "Das ist doch ganz einfach!! Irgendwer ruft wegen eines ´Netzwerk´-Problems an. Du gehst hin und schaltest den Router ab und startest ihn neu. Dann gehst du durch die Abteilung und erklärst, daß du es tun mußtest, da der Anrufer ein dringendes Problem hatte, das nicht warten konnte. Es ist faszinierend, wieviel Feindseligkeit man auf diese Weise in nur einer Woche innerhalb der Abteilung erzeugen kann. Wenn man wirklich etwas erreichen will, dann tut man das etwa 10 Minuten vor der Mittagspause - niemand speichert seine Arbeit vor der Pause, so daß sich dann die Programme aufhängen und sie alles verlieren, was sie bis dahin getan haben." "Was passiert dann?" "Wir ´tun natürlich auch nur unseren Job´. Aber oben in der Abteilung entsteht eine demilitarisierte Zone! Dinge verschwinden, Mittagessen werden mit Pfeffer ´verfeinert´ und dann, langsam aber sicher, hören die Anrufe auf. Wenn jemand einen Ausfall hat, rufen sie nicht mehr uns an, sondern die Service-Abteilung." "Und was tun die?" "Sie schreiben eine ´Während sie weg waren´-Notiz." "Und dann?" "Dann geben sie sie uns." "Und wir ..." "SORTIEREN SIE EIN!" "Was tun wir sonst noch?" "Wir beobachten, wie das Netzwerk wirklich arbeitet, finden Engpässe und planen Upgrades für die nächste Budget-Runde." "Wirklich?" "Ach was. Sind sie gut in ´Immortal Kombat´?" "Naja, es geht so." "In Ordnung, der Gewinner macht den nächsten Reset, der Verlierer kauft Krapfen." Das leben an der Spitze ist hart, aber es ist, was man daraus macht ... Der B.O.F.H. trifft einen ebenbürtigen Gegner, behält aber die Oberhand ... vorerst ... Überraschenderweise scheint die Ausbildung des PJ gut zu verlaufen. Er bemüht sich, alles richtig zu machen, aber ich bezweifle, daß das auch noch in ein paar Wochen so ist, wenn er mit ein paar schwierigen Klienten zusammentreffen wird ... Ach ja, unsere Klienten. Einer unserer schlimmsten Klienten ist kürzlich zurückgetreten, nachdem ein paar wirklich sehr persönliche Fotos im Speicher einer geliehenen digitalen Kamera ´vergessen´ wurden. Das ist eine sehr seltsame Sache, denn die Löschfunktion funktionierte perfekt, als ich die Kamera vor einer Woche ´wartete´. Die Sache wäre wohl weniger schlimm ausgegangen, wenn der Finder nicht eines der Bilder als Startlogo aller Windows-PCs auf seiner Etage eingerichtet hätte. Das Opfer hat natürlich behauptet, daß jemand das Bild bearbeitet und gefälscht habe. Doch alle waren der Meinung, daß es nicht das Bild war, das da ´bearbeitet´ wurde. Arme Sau. Der PJ ist besorgt und benötigt offensichtlich Rat. "Wo liegt das Problem?" frage ich. "Ich verstehe nicht, wie dieses Bild auf alle PCs gelangen konnte." "Ach so. Ich schätze, daß es jemandem gelungen ist, in den Programm-Server einzubrechen und das Bild auf die verschiedenen Desktops zu bringen." "Aber der Server ist durch ein Passwort geschützt. Und das Versionsverwaltungsprogramm auch. Wie konnte das passieren?" "Jemand muß das Passwort herausgefunden haben", antworte ich und warte auf das Unvermeidliche. "Aber nur sie und ich haben Passwörter, und ich erst seit gestern." "Notieren sie sich die Passwörter?" "Nun, ja. Aber der Zettel liegt in meinem abgeschlossenen Fach." Ich schüttle traurig den Kopf. "Und wer hat Schlüssel zu dem Fach?" frage ich. "Nur sie und ich." "Und waren sie es?" "Nein." "Dann können wir diese Möglichkeit verwerfen. Also muß ich es gewesen sein, der das Fach geöffnet und die Passwörter benutzt hat, um sich mit einer anderen Identität beim Server anzumelden." "Sie waren es?!" "Natürlich. Sie denken doch, daß es niemand anderes gewesen sein kann, oder? Gott, die einzige weitere Person mit mehr Zugriffsrechten ist der Systemmanager, aber der ist so langsam, daß er ein Abschleppseil braucht." "Warum haben sie das getan?" "Weil sie lernen sollen, was Sicherheit bedeutet. Ich bin mir sicher, daß sie diese Erfahrung bei ihrem nächsten Job, der sie irgendwann nach dem morgigen Tag erwartet, nutzen können." "A ... a ... aber." "Kein Grund zur Aufregung." "Aber ich wollte sagen, daß sie mich doch nicht dazu bringen wollen, Onkel Brian zu sagen, daß das mein Fehler war. Das können sie doch nicht tun!" Warnlampen an! "Onkel Brian?" "Onkel Brian. Sie kennen doch das große Büro im 6. Stock. Das mit den Ledermöbeln. Ich würde ihrem Bericht an den Geschäftsführer nur ungern widersprechen." ONKEL Brian ... Onkel Brian. Der Geschäftsführer. Ich hätte es wissen müssen. Das ist keine einfache Sache, sondern ein Riesending. "Nun, vielleicht ist es besser, diese Angelegenheit einem Hacker von draußen anzuhängen", sage ich so freundlich wie ich kann. "Oder einem Hacker aus unserem Haus ..." Der PJ lächelt bedrohlich. Dieser hinterhältige Bastard! Möglicherweise steckt mehr in ihm, als ich dachte. "... wie unser Abteilungsleiter." fügt er hinzu und läßt mich vom Haken. Gott sei Dank ... "In Ordnung", sage ich schnell, bevor er das riesige Potential von Erpressungen erkennt. "Sie sagen es Onkel Brian und ich werde einen Zettel mit ihren Passwörtern auf den Schreibtisch vom Abteilungsleiter schmuggeln." "So machen wir es!" Zehn Minuten später beobachten wir bei süßen Krapfen, wie ein weiterer Chef aus den geheiligten Hallen der Hölle hinausbegleitet wird. "Sie wissen, daß er ihnen diesen Job gegeben hat", sage ich. "Ja. Aber für Sentimentalität ist jetzt keine Zeit." antwortet er. Wirklich, ein PJ voller Potential ... "Okay, was sollen wir nun tun?" fragte er lernbegierig. "Nun, ich denke es ist Zeit, den Stecker eines Remote-Rechners zu ziehen und die Leute anzurufen. Wir erklären ihnen dann, daß die Etiketten ihrer EPROMs ungültig sind und sie sie an einem gut beleuchteten Ort abziehen sollen. Irgendwo, wo die Sonne hell scheint." "Würde das nicht ...?" "Yep." "Legen wir los." Einen Job wie diesen zu haben, kann man nicht BEREUEN! Der B.O.F.H. kennt keine Störungen in seinen Druckersystemen ... Es ist ein angenehm kühler Morgen, als ich zurückgelehnt in meinem Sessel liege und die nächsten Überraschungen im Leben der Netzwerknutzer plane. Nun, es ist angenehm kühl für mich. Aufgrund eines bedauerlichen Fehlers in der Klimaanlage herrschen in allen anderen Zimmern Temperaturen, die entweder denen der Arktis oder denen der Tropen gleichen. Einige aus der höheren Belegschaft haben versucht, die Brandschutztüren zu den Treppen zu öffnen, die den Luftausstausch blockierten, doch seltsamerweise wurde dadurch mehrmals Feueralarm ausgelöst. Die Sicherheitsleute sorgen seitdem dafür, daß diese Brandschutztüren geschlossen sind. Natürlich nur zur Sicherheit aller. Aufgrund all dieser Aktivitäten ist es in meinem Raum, in dem es zu dieser Zeit normalerweise recht hektisch zugeht, ziemlich ruhig. Überraschend hat sich der PJ als ein Fanatiker mit einem kaum menschlichen Gesicht entpuppt. Er hat es geschafft, den Personalchef zu ´überreden´, ihn zu einem Kurs über ´Grundregeln des Managements´ zu schicken ... nach Paris. Nicht schlecht für einen Nicht-Manager und Anfänger - könnte das etwas mit dem E-Mail-Filter zu tun haben, den er im Mailsystem der Personalabteilung installiert hat? All diese jungen Sekretärinnen ... Ich denke, daß mein Tag friedlich und ohne Unterbrechungen durch sinnlose Anfragen vergehen wird. Ich klopfe auf Holz. Zu spät. Das Telefon klingelt. Es ist ein Nutzer. "Hallo, ich schreibe dieses Programm, um unsere Drucker aufeinander abzustimmen, um zu sehen ..." Ich lege auf. Es klingelt erneut: "Hallo, ich schreibe ..." Ich lege auf. Wieder klingelt es: "Hallo, ich ..." Ich lege auf. Die Lernfortschrittskurve dieser Menschen ist beinahe horizontal, so daß man auf ihr Bowling spielen könnte. Ich lasse den Hörer neben der Gabel liegen. Zehn Minuten später klopft der Kauz an meine Tür. Ich habe gerade noch Zeit, den Telefonhörer wieder auf die Gabel zu legen, dann kommt er auch schon herein. "Hallo, ich habe versucht, sie anzurufen, doch ihr Telefon muß defekt sein ..." "Ich deute auf die ´Konsole der Hölle´ und schüttle meinen Kopf. "Das ist die Konsole", sage ich leise, "sie geht niemals kaputt." "Na gut, dann ..." "Ihr Telefon", fahre ich fort, "hat eine Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren, aber dieses Baby hier wird noch am Weltuntergangstag funktionieren. Es wird auch dann noch Anrufe dummer Nutzer annehmen." Der Kauz ist verblüfft. Er versucht, seine Gedanken neu zu ordnen. Da klingelt das Telefon. "Sehen sie, was ich meine?" sage ich und nehme den Hörer ab. "Mein PC ist schon wieder abgestürzt. Das passiert immer, wenn ich auf mein Netz-Laufwerk zugreifen will." schluchzt ein deprimierter Nutzer. "Aha." sage ich und suche die Ausrede des Tages im Ausredenkalender. "Es könnte sich um VORÜBERGEHENDE KNOTENVERDOPPLUNGEN handeln." "Was?" "Nun, ihr PC stürzt ab, weil er doppelte Dateien auf dem Fileserver und ihrer Festplatte findet. "Oh. Was soll ich tun?" "Nun, das Beste wird sein, sie melden sich beim Fileserver an und machen ein remove-rename." "Und wie?" "Geben sie einfach ein rm -rf ein. Das bedeutet remove minus rename, alle nur einmal vorhandenen Dateien werden nicht umbenannt." "Oh, in Ordnung. Danke." "Gern geschehen." ich lege auf. Der Kauz ist noch immer hier. "Ich schreibe ein Programm ..." setzt er an. "... um die Drucker abzustimmen." vollende ich. "Ja." "MEINE Drucker." stelle ich fest. "Ähm ... ja." "Warum?" "Nun, ich dachte, daß ich einmal pro Sekunde abfrage, welche Druckaufträge sie gerade bearbeiten und wie schnell sie waren." "Warum?" "Um zu sehen, ob es irgendwelche Engpässe im Netzwerk gibt." "Wie, um ein Beispiel zu nennen, einen Engpaß, der dadurch verursacht wird, daß die Drucker einmal in der Sekunde auf die Anfrage eines ´intelligenten´ Programms antworten müssen?" "Ich dachte, daß das kein Problem wäre." "Das dachten sie nicht", sage ich, ändere die Temperatur im Treppenhaus auf Null und erhöhe die Luftfeuchtigkeit. "Aber sie haben das Programm schon laufen lassen, stimmts?" "Nun, ein- oder zweimal vielleicht." "Nein, mehr als ..." (Ich zähle die roten Punkte, die der Druckerwarteschleifen-Monitor zeigt.) "Mindestens 17mal, wenn ich richtig gezählt habe. Sie schicken eine falsche SNMP-Anfrage an die Drucker, die natürlich nicht antworten. So geht es weiter, und sie schicken eine weitere Anfrage an den nächsten Drucker." "Ich ... nun, es könnte sein ..." "MEIN Problem ist nun: Wen soll ich damit beauftragen IHR Problem zu bearbeiten? Vielleicht meinen beinahe wahnsinnigen Auszubildenden, dem beigebracht wurde, unnötige Netzlast mehr zu hassen als Wiederholungen von ´Unsere kleine Farm´? Oder möglicherweise die Programmierer, die Möchtegernprogrammierer mehr hassen, als sie es hassen, zu arbeiten wenn die Kneipen geöffnet sind? Wissen sie, ich werde einfach alle fragen." Er ist verschwunden und hat seinen sechsmonatigen Spanienurlaub schneller geplant als ich es schaffe, den Telefonhörer neben den Apparat zu legen. Ich schaue im Monitor zu, wie er zu den Treppen stürmt, um zu flüchten. Dummerweise kondensierte im nun kalten Treppenhaus ein wenig Wasser auf dem Linoleumbelag, so daß er ausrutscht und ein paar Treppen nach unten rollt. Auf seinem Weg aus dem Gebäude heraus wirft er eine Gruppe Erbsenzähler um, die begierig zu ihren Summen zurückkehren wollen. Als er aus dem Haus hinkt, kommt mir ein Gedanke: Man kann Zufriedenheit mit dem Job eben nicht planen. Nun, jedenfalls nicht wirklich, schätze ich ... Der B.O.F.H. gibt einem hilflosen Verkäufer die Chance, an Geld zu kommen ... Ich sitze in meinem Büro, als der Anruf eines Verkäufers kommt, der mir ein paar ATM-Kits aufschwatzen will. Er hat meinen Namen aus einer dieser Anforderungen für Gratis-Zeitschriftenexemplare, die ich vor Monaten abgeschickt habe. Man muß auf diesen Anforderungen ja immer ein paar ´statistische´ Informationen geben, also habe ich die Angaben zu meinem technischen Wissen auf ein Zehntel nach unten korrigiert. Bei der Frage nach ´Verfügbaren Finanzmitteln´, habe ich meine Antwort um den Faktor 100 aufgeblasen. Eine kleine Lüge tut niemandem weh, und widerlegt nebenbei das Gerücht, es gäbe so etwas wie eine Einladung zu einem kostenlosen Mittagessen nicht. Ich schalte mental in den ´Vergnügungs-Modus´ und sage dem Anrufer, daß er mit dem technischen Manager sprechen soll, und ich ihn sofort weiterverbinde. Zwei Sekunden später spricht er mit meiner Imitation unseres technischen Managers. "Ich möchte zu ihnen kommen, um ihnen eine zukunftssichere Netzwerk-Lösung vorzustellen, wenn das möglich ist." legt er los. Das Letzte, was ich will, ist, daß er herkommt und alle Leute nach ´dem technischen Manager´ fragt. Daher entscheide ich mich für einen schnellen Spaß. "Nun", sage ich, "ich bin in dieser Woche stark mit ein paar Besprechungen über Neuanschaffungen beschäftigt." Er macht eine Pause. Ein klein wenig zu lang, finde ich. Das bedeutet vermutlich, daß er nicht bereit ist, sein Ausgabenbudget einzusetzen. Ich ´füttere´ ihn noch ein wenig. "Dann habe ich eine Budget-Konferenz in der nächsten Woche, um die Ausgaben im nächsten Vierteljahr zu planen, also bin ich mit der Vorbereitung darauf auch ziemlich beschäftigt." Er beißt an. "Ich sage ihnen etwas - wie wäre es, wenn wir uns zu einem Mittagessen träfen - sie müssen doch etwas essen, oder? Und ich beschreibe Ihnen ganz unverbindlich unsere Produkte. Sie werden die Vorteile dann ganz von selbst sehen." "Ähm ..." denke ich laut nach. "´Luigi´s´, am Donnerstag um 12 Uhr?" "Ich, also ...", murmle ich, spiele den Unbestechlichen. "In Ordnung, ich reserviere uns Plätze", schließt er wie ein wirklicher Verkaufschampion. Ich öffne den elektronischen Terminkalender mit dem Passwort des Chefs (der Name seiner Frau - glaube ich jedenfalls ...) und trage den Termin bei ´Luigi´s´ ein. Es ist Donnerstag und ich komme um 11:30 Uhr in die Bar, arbeite mich durch die ´importierten Spirituosen´ durch, solange ich kann. Irgendwann taucht der Verkäufer auf. Ich bin, wie wir Ethernet-Freunde sagen würden, in einem Wahllos-Modus. Ich würde jetzt alles kaufen. Zumindest dann, wenn ich Geld hätte. Was nicht der Fall ist. Wie auch immer, ich habe ein paar Visitenkarten des technischen Managers dabei und beherrsche eine akzeptable Nachahmung seiner Unterschrift. Die nächsten drei Stunden vergehen schnell, während ich verschiedene Kataloge mit glänzender, beta-getesteter, ´höchstmoderner´ Hardware anschaue, in Verzückung gerate, wie das nur ein technischer Manager kann, und gelegentlich Kommentare wie: "Schöne Lichter" abgebe. Irgendwann gegen 15 Uhr entschließe ich mich, den Mann etwas unter Druck zu setzen. Ich erkläre ihm, daß in diesem Jahr kein Geld für das Netzwerk vorgesehen ist, da ich alles schon im letzten Jahr ausgegeben habe. Er beginnt zu weinen und versucht alles, damit ich mich schuldig fühle. Ich gebe vor aufzugeben und erkläre ihm, daß ich eine Wagenladung Waren bestellen würde und es so aussehen lassen werde, als handele es sich um eine Bestellung aus dem letzten Jahr. "Wird das gehen?" schnieft er. "Natürlich ..." sage ich. "Jetzt gehen sie und machen sich wieder fein. Sie sehen ein wenig durcheinander aus." Er verschwindet zur Toilette. Ich prüfe schnell seine Brieftasche. Sie enthält 70 Pfund. Ich nehme mir 40 - ich will ihn ja nicht völlig zusammengebrochen zurücklassen. Und wo ich gerade dabei bin, nehme ich ihm noch die letzte Möglichkeit zur Bezahlung, indem ich meinen guten alten Permanent-Magnet über die Magnet-Streifen seiner Kreditkarten ziehe. Dann gehe ich wieder zur Bar und bestelle einen anderen Drink. Ich unterhalte mich mit dem Barkeeper, bis der Verkäufer wiederkommt. "Nun", sage ich, "ich muß zurück ins Büro." Er blickt mich mißtrauisch an. "Wissen sie", sage ich. "Wie wäre es, wenn ich einfach einen Bestellschein unterschreiben würde, den sie dann ganz ruhig in ihrem Büro ausfüllen können?" Der Traum eines jeden Verkäufers. Ich werfe schnell die Unterschrift unseres technsichen Managers aufs Papier, stecke die Quittung ein und habe schon die Hälfte der Strecke zur Arbeit zurückgelegt, als die Polizeiwagen mit Blaulicht das ´Luigi´s´ ansteuern. Offensichtlich haben sich die Methoden beim Umgang mit potentiellen Kunden bisher noch nicht geändert. Mit etwas Glück war das aber nur ein kleiner Tiefschlag - es sei denn, der Wurfarm seines Chefs ist gesund ... Der B.O.F.H. sorgt mit einer kleinen Bestechung für einen Zusammenbruch seines Chefs ... An einem ruhigen Morgen werde ich vom Pförtner angerufen. Neues Equipment ist angekommen und nun muß ich sagen, wohin es gebracht werden soll. Ich brauche ein paar Sekunden, um mich an das Essen mit dem Verkäufer im ´Luigi´s´ zu erinnern und die wortreichen Versuche meinerseits, ihn aus seiner mißlichen Lage zu befreien, als er kein Geld mehr hatte ... Seine beiden Vorderzähne waren aus Gold. Möglicherweise konnte er sich mit dem Restaurant einigen. Oder er hat etwas herausgefunden ... Das bedeutet möglicherweise, daß unser technischer Direktor nun extrem hochgezüchtete Hardware besitzt, die geeignet ist, alle Geräte zu überfordern, in die sie eingebaut wird. Da ich keine Ahnung habe, was eigentlich geliefert wurde, sollen sie die Sachen erst einmal zum technischen Direktor bringen. Immerhin steht ja ´seine´ Unterschrift unter der Bestellung ... "Es ist aber sehr viel ..." sagt der Pförtner. "Der Platz im Lift wird kaum ausreichen." Ich sage, daß sie es in den Lift schaffen sollen, dann bereite ich mich darauf vor, dem Untergang des technischen Direktor beizuwohnen. Fünf Minuten später ist der Lift mit hundert glänzenden Schachteln und Schächtelchen unterwegs. Der technische Direktor scheint sehr verwirrt zu sein. Mit einem Budget ausgestattet, das gerade für ein paar Schachteln Chips reicht, ist er wirklich besorgt über die Lieferung dieser bunten Schachteln. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn er ist ja der einzige, der für Technik Geld ausgeben darf. Ich warte, bis er die Rechnung und die beigeheftete Bestellung sieht. Seinem Blick zufolge scheint ihn ein mächtiges Problem zu beschäftigen. "Das muß ein Irrtum sein!" ruft er, als ein besonders besorgniserregend blickender Buchprüfer mit dem Inventarverzeichnis hereinkommt. "Das ist die neue Technik?" fragt er. "Es scheint so", antowrte ich. "Aber ich dachte, wir hätten kein Geld mehr?" "Haben wir auch nicht." plärrt der technische Direktor. "Wenn das so ist", frage ich und deute auf ´seine´ Unterschrift, "Warum haben sie dann diese Sachen bestellt?" "Habe ich doch gar nicht", beteuert er mit 28.8 bps (Beteuerungen pro Sekunde). Ein kleiner Auflauf interessierter Zuhörer hat sich gebildet, so daß ich um Ruhe bitte. "Und das auch noch, nachdem sie die Wünsche nach einer besseren Klimaanlage abgelehnt haben!" Das Murmeln der Ablehnung zeigt den Grad der Zustimmung an, die der technische Direktor jetzt noch erwarten kann (eine beliebig große Zahl multipliziert mit Null). Dieses feindselige Publikum ist nicht empfänglich für Ausreden, ganz besonders nach den ´extremen Wetterschwankungen´ des vergangenen Jahres. In seiner Verzweiflung meint er einen rettenden Strohhalm gefunden zu haben: "Hey! Diese Bestellung ist sechs Monate alt. Damals war ich doch noch gar nicht hier!" ruft er. "Bestellungen zurückdatieren, um dem Inventar-System zu entkommen!" rufe ich. Die Augen des Buchprüfers leuchten auf wie ein Weihnachtsbaum, als er sich den Ruhm vorstellt, den er mit der Aufdeckung dieses Betruges ernten kann. "Aber ... Ich ..." fleht der technische Direktor. Ich nehme mir eine Schachtel und sorge für etwas mehr Druck: "ATM-Karten für XT-kompatible. Wie nützlich." Die Ablehnung wird lauter. Der technische Direktor gibt alle Versuche, den Unschuldigen zu spielen, auf und versucht etwas anderes. "Wir haben eine Menge altes Equipment!" keucht er. "Die Karte kann DOS beschleunigen!" Er ist eingekreist und hat keine Aussicht auf einen Ausweg. Ich weiß es, er weiß es. Die Belegschaft weiß es. "Was zum Henker ist denn das?" frage ich und deute auf die Rückseite des Stapels im Lift. Der technische Direktor eilt in der Hoffnung hinein, weitere Schwierigkeiten verstecken zu können. "Was?" fragt er, als ich ihn einhole. "Oh, nichts, einfach all das. Der Buchprüfer, die Belegschaft, diese nutzlose Hardware. Alles. Das ist nicht gut für einen Karrieremenschen, wissen sie." "Aber, ich ..." "Ich meine, wenn ihr Chef etwas davon erfährt ..." Wortlos steht er einfach nur da. "Andererseits, wenn all dies hier einfach verschwinden würde ..." Ein Hoffnungsschimmer erscheint am Horizont. "Verschwinden?" "Wie ein böser Traum." bestätige ich. "Wie?" "Nun, sie geben mir die Rechnung und dann unterschreiben sie diese Bewilligung für einen Fortbildungskurs." Er liest sich die Kursbeschreibung durch: "Aber das ist ein Zwei-Wochen-Kurs in Amerika, in dem es um Grundlagen von Netzwerken geht. Sie wissen das doch alles schon." "Dann werde ich viel Zeit zum Vertiefen haben, oder?" "Aber ..." "Oh, ist das nicht eine ATM-Karte für den Commodore C-64?" "In Ordnung. In Ordnung." Er unterschreibt die Unterlagen und wir verlassen den Lift. Ich lege alle Schachteln wieder zurück in den Lift, gehe in mein Büro und rufe den Pförtner an. "Irgendetwas stimmt nicht mit dem Lift!" erkläre ich und nutze dessen Service-Konsole um seine Beschleunigung ein wenig über die rote Linie hinaus zu erhöhen. Als ich wieder beim Lift ankomme, steht der Buchprüfer noch immer da. Er hat offensichtlich etwas dagegen, den Lift abfahren zu lassen. "Sie meinen, das hier sieht schlimm aus", sage ich zu ihm. "Dann sollten sie erst einmal sehen, was noch alles beim Pförtner liegt!" Die Halteverriegelung löst sich mit einem Klick, als er zum Pförtner verschwindet. Genau 23 Sekunden später hört man im gesamten Gebäude den Aufprall eines mit Waren vollbeladenen Lifts im 2. Kellergeschoß. Sowie die Sirenen der Krankenwagen näherkommen, beginne ich damit, mir Reisebroschüren anzuschauen, um einen netten Platz für meinen ´Auffrischungskurs´ zu finden. Dann rufe ich unsere Versicherung an, um sie über den Unfall, durch den all diese moderne Technik vernichtet wurde, zu informieren ... Der B.O.F.H. sorgt für Normalität ... Ich sitze in meinem Büro und genieße die Musik aus meinem Radio, als ein ´Kollege´ aus einem weiter entfernten Büro im meiner Tür erscheint. "Ja?" frage ich und blicke ihn an. "Ähm. Könnten sie ihre Anlage etwas leise stellen - ich versuche, einige Arbeiten zu erledigen und da fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren." Er ist neu hier, überlege ich, statt Politik der verbrannten Erde hat er eine großzügige Chance verdient. "Entschuldigung", sage ich mit einem wirklich zerknirschten Gesichtsausdruck und drehe den Lautstärkeregler von 11 auf 2. Sehr zur Verwunderung der anderen Kollegen, die ihren Freunden schon die freie Stelle melden wollten, verläßt er fröhlich mein Büro. Sogar der Abteilungsleiter bemüht sich her, um zu sehen, ob ich wirklich da bin. Als er wieder geht, bemerke ich den Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht. Fünf Minuten später ist er wieder da und fragt mich, ob ich ihm bei der Installation einer Backup-Software für seinen Laptop helfen könne. Ich weiß nicht warum, doch anstatt die DELETE.EXE in BACKUP.EXE umzubenennen, richte ich die Backup-Software tatsächlich ein. ... Jetzt bin ich sicher, daß irgendetwas nicht stimmt. Ich rufe meinen Beinahe-Freund, den Pickelgesichtigen Jüngling (PJ), an und frage, was er so macht. Er erklärt mir, daß er die Probleme einiger Nutzer gelöst und einem Buchhalter geholfen hat, seine Maschine nach einem Umzug wieder zum Laufen zu bringen. Jetzt bin ich wirklich besorgt. Ganz bestimmt läuft irgendetwas falsch! Er hat das ´B´-Wort benutzt und nicht das übliche ´Erbsenzähler´. Der nächste Tag bricht an und ich beginne ihn mit der Reparatur einiger Telefone. Aber mit dem Herz bin ich woanders. Am frühen Nachmittag bringe ich die Apparate zurück und entschuldige mich sogar für die Unannehmlichkeiten. Der Abteilungsleiter lächelt noch immer. Ich war vorsichtig und habe nichts gegessen. Also muß es etwas anderes sein. Etwas sehr, sehr hinterhältiges. Nach einer langen Schlacht mit meinem Gewissen werfe ich einen Blick in die Liste der vom Abteilungsleiter genehmigten Einkäufe, wobei ich mein Gewissen damit beruhige, daß ich dies ja nur tue, um dafür zu sorgen, daß die Bestellungen auch korrekt ausgeführt werden. Ich finde, wonach ich zu suchen glaubte, und zwar in Form von 10 ´Ultra-Positiv´-Ionisierern, die in die Klimaanlage eingebaut wurden. Noch kann ich mich nicht dazu bringen, etwas zu unternehmen, also gehe ich in den Druckerraum, schalte die Klimaanlage ab und die Laserdrucker auf volle Kraft. Eine halbe Stunde später bin ich beinahe wieder normal. Ich beende meine Arbeit und gehe nach Hause, um über einen Plan nachzudenken. Am nächsten Morgen stehe ich früh auf und komme unbeobachtet zur Arbeit. Mein erster Halt: der Turm der Klimaanlage auf dem Dach. Ich lokalisiere die störenden Ionisierer und programmiere sie mit meinem Hammer neu. Der nächste Halt: das Büro des Geschäftsführers, wo ich den Ionisierer durch einen von mir gebauten ersetze und gut verstecke. Dann marschiere ich in die Telefon-Vermittlung, sorge für eine Umleitung aller Anrufe direkt zum Geschäftsführer und sperre dann die Konsole der Vermittlungsanlage. Unten im Computerraum forme ich einen Stolper-Draht aus den Netzkabeln der Datenbank- und Netzwerkserver. Dann erwarte ich in meinem Büro, die Fenster natürlich weit geöffnet, den Beginn des Arbeitstages. Bis 9:45 Uhr passiert nichts, doch nach 15 Minuten voller Anrufe und nach der Einwirkung meines Ionisierers ruft der Geschäftsführer genervt meinen Abteilungsleiter an. Ich beobachte es und rufe, sobald der Abteilungsleiter aufgelegt hat, den Geschäftsführer an. "HIER IST NICHT DIE VERMITTLUNG!" schreit er. "Natürlich, Sir. Das weiß ich", sage ich voller Freundlichkeit und Verständnis. "Ich habe gerade festgestellt, daß anscheinend alle Anrufe von der Vermittlung an ihren Apparat umgeleitet werden. Die Konsole der Anlage in der Vermittlung ist auch blockiert. Überhaupt, die Leute aus der Vermittlung verhalten sich in den letzten Tagen recht seltsam - nun, in Wahrheit haben wir uns in der letzten Zeit alle seltsam benommen, glaube ich. Ich werde mich mal im Computerraum etwas umsehen ..." Der Abteilungsleiter schaltet in den Panik-Modus, fegt durch mein Büro, reißt die Tür des Computerraums auf. Und dann die Netzkabel der Server heraus. Ich schenke ihm ein mitleidiges Lächeln, als er mit Schrecken feststellt, was er gerade angerichtet hat. "Home Team ONE, ihre Zukunftsaussichten, NULL", sage ich in den Telefonhörer, die Hand natürlich vor dem Mikrofon. "Nichts weiter passiert", sage ich dann, die Hand nicht mehr auf dem Mikrofon. "Der Abteilungsleiter hatte gerade einen kleinen Unfall ..." Der B.O.F.H. läßt sich nicht von einem Wichtigtuer mit einem schicken Auto anhupen ... Ich sitze gerade in einem Workshop, als der Abteilungsleiter mit verwirrtem Blick hereinkommt. Den Gedanken, er könnte eine wichtigere Bedeutung des Lebens gefunden haben als den Versuch einer rekordverdächtigen Verkörperung eines Briefbeschwerers, verwerfe ich schnell wieder und entscheide mich stattdessen dafür, ihn nach seinen Gedanken zu fragen. "Gibt es ein Problem?" frage ich also, und es klingt, als wären seine Probleme auch die meinen. "Ähm ... nein. Kein Problem. Ich hatte nur etwas Ärger mit meinem Wagen." "Das königliche blaue Monster im Parkhaus? Startet es nicht?" will ich wissen. "Nein, nein. Es startet perfekt. Zu perfekt, um die Wahrheit zu sagen. Das ist das Problem." Ich weiß, was jetzt kommt, also frage ich nach. "Zu gut?" "Ich habe schon wieder einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen?" "Wirklich? Wieviele sind es denn insgesamt?" "Drei. Aber das Verwunderliche ist, daß der Wagen mit Automatik fuhr und nicht schneller war als erlaubt. Doch als ich etwas später auf den Tacho blickte, war ich plötzlich schneller als erlaubt." "Wirklich?" "Ja. Von einem Augenblick zum anderen. Aber wirklich seltsam ist, daß der Radarwarner keinen Ton von sich gegeben hat." "Nun, die Polizei wechselt manchmal die Frequenzen dieser Blitzer, damit Radarwarner nichts nützen." antworte ich, um seine Neugier zu befriedigen. "Aber ich habe das Ding doch erst seit einer Woche! Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich schwören, daß der Wagen sich immer den ungeeignetsten Augenblick aussucht, um zu beschleunigen. Als ob die Automatik und der Radarwarner zusammenarbeiten würden." Ich murmle etwas vor mich hin. "Wie bitte?" "Ich sagte, die Polizei hat anscheinend etwas Neues erfunden." "Oh." Er geht hinaus und denkt offenbar über das Leben ohne Fahrerlaubnis nach. Ich verschwinde ins Parkhaus und verlagere mein neulich gebautes Radarzubehör vom Wagen des Abteilungsleiters in den des PJ. Er ist in letzter Zeit etwas zu selbstzufrieden, daher ist es gut, ihm in Erinnerung zu bringen, was es bedeutet, an der Spitze zu leben. Nachdem ich ihm das kleine Spielzeug untergejubelt habe, will ich mich wieder zum Lift begeben, als ich plötzlich aus größter Nähe von zwei lauten Hupen angegriffen werde. Hinter mir ist ein rotes Kabriolett nebst Eigentümer aufgefahren und wartet darauf, daß ich den Weg freigebe. Der Name auf dem Schild des Parkplatzes dieses Wagens wird augenblicklich in mein Langzeitgedächtnis übertragen. Als ich wieder im Büro bin, fällt mir auf, daß ich die Ausbildung des PJ vernachlässigt habe, und beschließe, dies unverzüglich zu berichtigen. Ich berichte dem PJ von meinem Erlebnis mit dem viel zu ungeduldigen Verkaufsmanager und seinem sportlichen Kabrio. "Sollen wir seine Telefonleitung kappen?" fragt der PJ brennend interessiert. "Nein, nein", antworte ich. "Dies ist ein spezieller Fall, der spezieller Behandlung bedarf. Nehmen sie mal das Buch dort." "Das mit dem Metalleinband?" "Genau." Er greift nach dem Buch, nimmt es und stürzt zu Boden. Sekunden später ist er wieder bei Bewußtsein. "Was ist passiert?" fragt er benommen. "Der älteste Trick in dem Buch. ´Welches Buch?´ fragen sie Nun, der ´Bastard Operator-Führer´. Der Wälzer der Hölle." "Aber was ist passiert?" "Als sie das Buch hochgehoben haben, hat ein kleiner Schalter am Boden des Buches eine gesunde Dosis Spannung an den Buchumschlag abgegeben. Mit diesem Buch kann man nie vorsichtig genug sein." "Oh." Er ist nicht gerade fröhlich, aber eine gute Ausbildung gibt es nicht umsonst. "Okay", sage ich, "nehmen sie ein Paar Gummihandschuhe und schlagen dann Seite 43 auf, den letzten Absatz." "Diesen über Internet-News hier?" fragt er. "Genau, dieser Abschnitt. Jetzt können sie mir vielleicht helfen, die Nachricht zu schreiben, die unser Freund an eine große Anzahl auf Sex spezialisierter Newsgruppen senden wird. Für welche sexuelle Perversion wird er sich wohl interessieren?" Fünf Minuten später haben wir ein virtuelles Meisterwerk geschaffen, das ihm die Aufmerksamkeit einer großen Anzahl seltsamer Leute im Internet verschaffen wird. "Soll ich die Nachricht abschicken?" fragt der PJ. "Noch nicht sofort. Sie wissen, daß diese Nachricht enormen E-Mail-Verkehr auslösen wird, der den Server regelrecht überfluten kann, und daher der System-Adminstrator eingreifen wird?" "Sie meinen, er wird es bekanntmachen?" "Wir können uns nicht darauf verlassen. Nehmen wir als Antwortadresse die des Cheftelefonisten. Das ganze Haus wird es wissen, bevor einer es wagen wird, diesen Verkaufsmanager zu informieren." "Sie sind ein wirklicher Schweinehund!" "Bis ins Fleisch, an der Tastatur und erbarmungslos durch das Leben anderer Menschen stapfend." antworte ich in einen Anflug von Hochmut. Später an diesem Tag marschiere ich in das Parkhaus und beobachte eine Person aus dem Lift heraustreten und sich zu einem kleinen roten Kabrio schleichen. Der Ausdruck in seinem Gesicht zeigt, daß er nicht nur von draußen Angebote bekommen hat ... Als er in einen langen Urlaub verschwindet, um seine Erinnerungen zu erforschen, kehre ich in mein Büro zurück, um die Arbeit des Tages zu beenden. Ich mache eine kurze Pause, um dann sogleich seine Akten in den Mülleimer zu werfen ... Der B.O.F.H. erlebt seinen Schwarzen Mittwoch ... Dieser Mittwoch entpuppt sich als denkwürdiger Tag, als ich in das Büro des Abteilungsleiter gebeten werde, um angeblich einige wichtige Informationen zu bekommen. Anwesend sind neben dem Abteilungsleiter noch ein technischer Manager und unser Personalchef. Ein Treffen mit drei gleichgesinnten Schwachköpfen, könnte man sagen - oder fünf, wenn man den Briefbeschwerer und den Mülleimer mitzählt, die weitaus mehr arbeiten und der Firma mehr Geld bringen, als die anderen drei. "Wir, ähm, also, wir haben uns entschlossen, ihren Vertrag nicht zu verlängern", meint der Abteilungsleiter nach einigen Sekunden gespannter Stille. Ganz plötzlich haben der technische Manager und der Personalchef interessante Dinge zum Anschauen an der Decke und auf dem Boden gefunden. In der Zwischenzeit, so scheint es, bemüht sich der Abteilungsleiter darum, den Weltrekord im Schwitzen zu brechen. Er erwartet offenbar das Schlimmste, also soll er es bekommen. "In Ordnung", sage ich leise. "Ich verlasse die Firma dann in vier Wochen, schätze ich." "Ähm, nun, wir haben uns entschlossen, sie jetzt schon auszuzahlen. Sie bekommen das Geld für die letzten vier Wochen. Eigentlich können sie uns verlassen, wann immer sie wollen, also auch sofort." lockt er. "Wir würden diese Lösung vorziehen." "Okay", sage ich. "Ich suche meine Sachen zusammen und verschwinde dann." "Ähm, wir haben den Sicherheitsdienst gebeten, sich darum zu kümmern", erklärt der Abteilungsleiter auf einen Ausbruch wartend. "Draußen steht eine Kiste." "In Ordnung. Man sieht sich", sage ich und verschwinde, nachdem ich mir meine Sachen gegriffen habe. Im Fahrstuhl treffe ich auf den verblüfften PJ. "Was werden sie unternehmen?" fragt er schockiert. "Ich? Ich werde Urlaub machen, ein paar Bücher lesen - keine Ahnung." "Nein, ich meine, weil die sie rausschmeißen." "Ach das! Wirklich nichts. Ich bin sicher, sie werden auch ohne mich klarkommen." Ein Grinsen huscht über sein Gesicht, als er sich die Zukunft vorstellt. "Ich werde sehen, was ich tun kann ..." verspricht er. Drei Tage später klingelt das Telefon. Es ist der Abteilungsleiter. "Äh, ich wollte fragen, ob sie vielleicht wieder zurückkommen könnten." höre ich ihn nuscheln. "Warum? Mein Lehrling macht doch alles richtig, oder?" "Ähm, nein, nicht wirklich." "Seltsam. Dabei habe ich ihm doch alles beigebracht, was ich weiß", antworte ich und bringe die Kugel langsam ins Rollen. "Ja, das hatten wir befürchtet." "Wie bitte?" "Ich weiß auch nicht. Er macht nur noch Fehler. Zumindest behauptet er, es handele sich dabei um Unfälle." "Was für Unfälle?" "Alles mögliche! An einem Tag ´reparierte´ er eine ´unnormale´ Einstellung der Heizung im Sitzungszimmer und kochte so die tropischen Fische im Aquarium des Geschäftsführers; seine ´Wartung´ des Lifts ließ mich und einen Manager zur Mittagszeit eine Stunde lang zwischen der dritten und der vierten Etage hin- und herfahren; der Monitor mit den Aktienkursen zeigt nur noch holländische Pornokanäle an; die Sicherheitstüren lassen die Leute nicht mehr zu den Toiletten - bis auf eine Ausnahme, als sie eine nervöse Sekretärin nicht mehr herausließen - und einer aus der Geschäftsleitung hörte ihre wilden Hilfeschreie, die ihn so erschreckten, daß er für vier Tage klinisch tot war." "Nun, die Betreuung eines Netzwerkes ist eine heikle Sache. Und er wird es noch lernen, denke ich." "Gut, gut, aber könnten sie nicht zurückkommen und die Sachen wieder in Ordnung bringen? Die Passwörter für die Anmeldung im Netzwerk sind nur noch einen Tag gültig und mit jedem Tag müssen sie um einen Buchstaben länger werden. Am Ende der Woche sind wir bei 15 Zeichen angekommen, und sie wissen doch, wie wenig es der große Boss liebt, seine Initialen fünfmal hintereinander einzutippen." "Nun, ich weiß nicht recht ...", sage ich auf das Unvermeidliche wartend. "5000 mehr pro Jahr?" "Zehntausend?" "Okay, zehntausend!" "Und ich mochte noch nie diese Klauseln zur persönlichen Haftung." "DAS HAT SIE DOCH VORHER NIE GESTÖRT!" "Stimmt, aber irgendwann rächt sich sowas und sie kriegen einen doch noch ..." "In Ordnung, alles klar. Wann können sie wieder anfangen?" Einen Tag später ist der Status Quo wiederhergestellt. Der PJ gibt mir einen kurzen Überblick über die Dinge, die während meiner Abwesenheit passierten. Der Wendepunkt war offenbar ein Unfall auf der Rolltreppe, bei dem die Frau des Abteilungsleiters, die für ihn bestimmte Geburtstagstorte, der Anzug des Geschäftsführers und eine plötzliche Änderung der Rolltreppengeschwindigkeit zusammentrafen. Ein außerordentlich seltenes Zusammentreffen ... Das Telefon klingelt und gutgelaunt nehme ich ab. "Ist dort der Netzwerk-Betreuer?" fragt eine Stimme. "Ja ..." "Ich habe ein Problem mit dem neuen Rechner und dem Netzwerk." "Geht es um einen Pentium?" rate ich. "Ja." "Oh-oh. Der Hersteller hat uns gerade ein Fax wegen Problemen mit der elektrostatischen Aufladung geschickt." "Was?" "Um das Problem zu lösen, müssen sie einfach das Gehäuse öffnen ..." "Okay." "Die Netzwerkkarte herausnehmen ..." "Gemacht." "... und einen schmalen Metallstreifen am Verbindungsstecker zum Mainboard anbringen, um statische Aufladung zu verhindern." "Gut." "Jetzt stecken sie die Karte wieder ein und schalten den PC an." "Okay, ich schalte jetzt ..." KNALL! "Arghh ...!" Es ist schon lustig, wie man die gute alte Zeit vermissen kann ... Der B.O.F.H. und sein Partner rächen sich für gestohlenen Platz ... "Da geht er hin ..." murmelt der PJ, als der neue Programmierer aus seinem Büro schleicht und nach Hause geht. Der arme Mann leidet unter Verfolgungswahn, der natürlich nichts damit zu tun hat, daß sein Büro in einem Raum eingerichtet wurde, der früher zum Computerraum gehörte. Die Bosse meinten, der Platz würde nicht genutzt und haben ihn geklaut, um das Programmiererbüro einzurichten. Leider kam ich nicht an die Pläne heran, bevor sie das Zeichenbrett verlassen hatten, doch der PJ hat es wenigstens noch geschafft, die Angaben für die Bauleute neu zu ’berechnen’ und die Kabelschächte zu ’optimieren’. Es ist lustig, daß nun die Wände nach innen einzustürzen scheinen und der Türgriff sich immer dann erhitzt, wenn die Klimaanlage in Betrieb ist. Ganz im Geiste der Wiederverwertung haben die Bosse auch noch alle anderen Büros nach ungenutzten Möbeln durchsucht, bevor der Programmierer eingestellt wurde. Bei uns fanden sie den Schrank des Todes, den wir genutzt hatten, um die Back-Ups der Erbsenzähler aufzubewahren. Äußerlich gleicht der Schrank des Todes normalen Aktenschränken. Und er verhält sich auch so - bis man ihn schließt. Das löst dann nämlich ein fünfsekündiges Brummen aus. Und Momente später findet der Programmierer die Arbeit des Tages auf mysteriöse Weise ausgelöscht vor. Verblüffend, wie klein ein Aktenvernichter sein kann ... Die Fernsteuerung für den Stuhl des Programmierers war die Idee des PJ. Der Programmierer kann problemlos die Höhe der Sitzfläche einstellen, doch seltsamerweise scheint der Gasdruck in der Höheneinstellung in unregelmäßigen Abständen abzufallen und die Sitzfläche saust dann nach unten. Der arme Mann scheint ein wenig zu hinken. Möglicherweise ein Gelenkproblem. Der Abteilungsleiter hat mitbekommen, daß etwas passiert ist - das sollte er auch, denn er hat den Diebstahl des Raumes zu verantworten. Ich bin sicher, er denkt immer daran, wenn diese scheußliche Türklinke ihm ihren Umriß in die Handfläche brennt ... Nach einem persönlichen Telefonat des Programmierers mit dem Abteilungsleiter, das der PJ und ich nur zufällig belauschten, weil das Mikrofonkabel versehentlich mit einer redundanten UTP-Verbindung verkabelt war, scheint er anzunehmen, daß wir etwas mit seinen Problemen zu tun haben. Offenbar glaubt er die skandalösen Lügen, die der Abteilungsleiter ihm auftischte, denn er lud uns zu einem Gespräch ein ... "Ich habe gehört, daß sie für all das verantwortlich sind", sagt er. "Wofür?" frage ich unschuldig. "Diese Belästigungen! Ich will, daß das aufhört. Ich arbeite an einem wichtigen Projekt und werde Störungen nicht dulden." Ich bin kein Freund harter Worte und der PJ sieht auch nicht so aus, als würde er sie mögen. "Wissen sie, wieviel man mir bezahlt?" fährt der Programmierer fort. "Keine Ahnung", lüge ich, damit ich nicht vorgeben muß, ich sei verärgert, weil er mehr bekommt, als der PJ und ich zusammen. "Ich mache ihnen einen Vorschlag", sage ich. "Sie teilen ihr Glück mit uns und wir werden sehen, was sich machen läßt. Jede Woche ein paar Scheine für jeden von uns. Nennen wir es einfach Miete für die Nutzung des Computerraumes." "NIEMALS!" In stiller Einigkeit gehen der PJ und ich hinaus. Wohl als Folge eines kleinen Unfalls wegen fehlerhafter Verkabelung seiner Schreibtischlampe (Ich hasse diese billigen Importe!) lädt uns der Programmierer zwei Tage danach zu einer weiteren Unterredung ein. Mit einer großzügigen Spende für unsere Weihnachtskasse kehren wir in unser Büro zurück. Einige Zeit später bittet der Programmierer mich und den PJ erneut in sein Büro. Er hat dieses selbstzufriedene Lächeln aufgesetzt, daß auf nichts Gutes hindeutet. "Ich, ähm, ich hätte gern mein Geld zurück", sagt er um Lässigkeit bemüht. "Entschuldigung", entgegne ich leise. "Es wurde in schon in den laufenden Betrieb investiert. "Nun, bestimmt können sie es wieder zurückholen. Natürlich nur, wenn sie wünschen, daß diese Angelegenheit nicht bei der Geschäftsführung landet." Er klickt auf ein Icon seines Bildschirms, worauf eine Aufzeichnung auftaucht, die er heimlich mit der Kamera, die zu seinem Laptop gehört, gemacht haben muß - eine Aufzeichnung unserer letzten Begegnung mit Ton und allem. Er lächelt. Ich lächle zurück und nicke dem PJ zu. Ein Stolpern-über-den-Bodenbelag später liegen die Trümmer des Laptops auf dem Boden, ein riesiger Handabdruck dekoriert die ehemalige Festplatte. "Ups", keucht der PJ. "Muß wohl der Zuckermangel im Blut sein ..." "Ein guter Versuch", spottet der Programmierer, "Aber nicht gut genug. Ich habe Backup-Bänder." "Aha. Und befürchten sie nicht, daß ich irgendwie an die Bänder herankommen könnte?" frage ich nach, um herauszufinden, wo sie liegen. Er lächelt zufrieden. "Wovor sollte ich mich fürchten? Sie sind sicher weggeschlossen." KRACH!! Ein Fünf-Sekunden-Brummen-und-Krachen später kehren der PJ und ich in unser Büro und die Normalität zurück. "Soll ich die Spannung an der Türklinke etwas erhöhen?" fragt der PJ. "Alles was drin ist! Oh, und die Tischlampe wirkte ein wenig gedämpft, wenn sie gerade dabei sind ..." Mit soviel Initiative hat er noch eine glänzende Zukunft vor sich ... Der B.O.F.H. ist dem Wahnsinn nahe und der PJ folgt ihm ... Es ist ein ruhiger Tag, als der Abteilungsleiter mit einem Stapel offiziell aussehender Papiere im mein Büro kommt, was nur eins bedeuten kann - er will einen weiteren Versuch machen, mich loszuwerden. Eine große persönliche Tragödie wird sich ereignen. Und sie wird nicht mich betreffen ... "Simon, schön, daß ich sie treffe!" Angesichts der Tatsache, daß es 14:30 Uhr am Zahltag ist und gerade keine teure Hardware rumliegt, die bequem in meine Geldtasche passen würde, ist seine Freude geheuchelt. Er versucht offensichtlich, von seinen wahren Motiven abzulenken. "Ich habe eine Anweisung vom Personalchef bekommen. Der Boss will, daß wir alle an persönlichen Interviews teilnehmen, bevor es in diesem Jahr Gehaltserhöhungen gibt. Die ´Lohnerhöhungs-Fabel´ wurde schon früher benutzt, und normalerweise erweist sie sich als riesige Übertreibung. Wie auch immer, eine Lohnerhöhung ist eine Lohnerhöhung, also nicke ich nur. Der Abteilungsleiter schöpft Kraft aus der Tatsache, daß er schon so weit gekommen ist und fährt fort. "Ihr Interview ist für den morgigen Tag um 10:00 Uhr angesetzt. Ist das in Ordnung?" fragt er voll geheuchelter Freundlichkeit. "Natürlich habe ich dann Zeit", antworte ich unschuldig wie Bambi lächelnd. Der Abteilungsleiter dankt mir und geht hinaus, wobei er ein selbstgefälliges Grinsen kaum unterdrücken kann. Ja, es liegt etwas in der Luft ... Der nächste Morgen bricht an und ich bin schon um 9:00 Uhr da, um den Eingang zu beobachten. Die Zeit vergeht ereignislos bis 9:48 Uhr, als sich mein Verdacht bestätigt. Eine blasse, abgezehrte Gestalt mit nachdenklichem Bart, Brille und medizinisch wirkendem weißen Hemd nebst unauffälliger Krawatte betritt das Gebäude. Ein Mittelklasse-Psychologe, wenn ich mich nicht zu sehr täusche. Ich gehe zum PJ, um kurz mit ihm zu sprechen. Er nickt einfach. Wortlos meldet er sich bei den verschiedensten Kontrollsystemen an, wobei er den Kopf schüttelt. Beim Interview, einem typischen Psychologen-Ding, geht es um Tintenkleckse, Geschichten über die Kindheit, Träume und so weiter ... Ich entscheide mich dazu, Bestleistungen zu zeigen, und sehe massenhaft Hexen und Mörderinnen in den Tintenklecksen, ´erinnere´ mich an einige verstörende Kindheitserlebnisse und erzähle, daß in all meinen Träumen Äxte, Gewehre und ähnliche ´Spielzeuge´ auftauchen. Eine Stunde später scheint der Psychologe die Ruhe selbst zu sein, lächelt viel, läßt mich aber keinen Moment aus den Augen. Ich lächle ihn an. "Kaffee?" frage ich. Er ist zu ängstlich um abzulehnen und nickt. Kaum eine Minute später erscheint der PJ schon mit Kaffee und beobachtet gespannt, wie es weitergeht. Ich lächle weiter, um die Stimmung aufrechtzuerhalten. Ein Haufen Sicherheitsdienstler stürmt herein, als wir etwa die Hälfte des Kaffees getrunken haben. Offenbar versuchen sie nicht nur, mich loszuwerden, sondern mich gleichzeitig auch bloßzustellen - möglicherweise, um sich der Loyalität des PJ während meiner Abwesenheit zu versichern ... Der Psychologe scheint sprechen zu wollen. "Simon, ich fürchte, sie sind das, was wir als Soziopath bezeichnen. Sie haben einige tief verwurzelte Probleme, die ich als von der Regierung bestellter Gesundheitsberater ..." Regierung? Diese Schweinehunde! "... als Gefahr für sie selbst und ihre Kollegen ansehen muß." Er ist wirklich schnell, oder? Er scheint sich nun auch ein wenig unwohl zu fühlen, was nicht überraschend kommt, wenn man an das starke Abführmittel, das der PJ mit dem Kaffee mischte, denkt. Aber warten wir ab ... Den inneren Kampf verlierend, zu bleiben und auszuharren oder sich zu erleichtern, stürmt er zu den Toiletten, um festzustellen, daß sie verschlossen sind, wenn ich mich nicht irre. Seltsam, denn der einzige Schlüssel, mit dem man sie verschließen kann, ist der Generalschlüssel, der im Hi-Tech-Safe des Sicherheitsdienstes (drei Drehungen zur 37, zwei Drehungen zur 12 und einmal zur 45) aufbewahrt wird, dessen Kombination niemand kennt. Während der Psychologe rennend das Treppenhaus erreicht, kommt der Abteilungsleiter herein und nimmt mit teuflischem Grinsen meinen psychiatrischen Beurteilungsbogen. Hämisch grinsend geht er mit mir zurück ins Büro, aber ich bin viel zu beschäftigt damit, die Monitore der Überwachungsanlage über seiner Schulter zu beobachten. Der Psychologe versucht den kürzesten Weg zur nächsten Toilette zu nehmen - eine Etage tiefer. Seltsamerweise ist auch hier die Tür verschlossen ... In der Etage darunter gibt es eine Tür, die nicht verschlossen werden kann, doch acht große Kisten mit 28 Zoll-Videomonitoren, von denen jeder rund eine Tonne wiegt, blockieren sie. Man bräuchte einen Gepäckwagen um die Kisten zu bewegen ... Der Psychologe weiß, daß er es nicht mehr bis zu den Treppen schaffen wird, als er einen rettenden Hoffnungsschimmer in Form eines Abfalleimers im Lieferanteneingang der Cafeteria erblickt. Seine Erleichterung ist riesig, doch sie wird weder vom Personal der Cafeteria, das ihn zur Unzeit überrascht, noch von meinem Abteilungsleiter geteilt, als ich ihn auf den Monitor hinweise. "Es ist wirklich gut, eine Einschätzung der Angestellten von einem so umsichtigen und intelligenten Mann zu bekommen", zwitschere ich, als ich ihm meine Beurteilung aus den Händen nehme und in den Mülleimer werfe, den die Beurteilung nun als neue Heimat betrachten kann. Der B.O.F.H. läßt seinen Abteilungsleiter singend dahinschmelzen ... Der Abteilungsleiter hat sich zu einer Plage entwickelt. Traurig aber wahr. Und hinzu kommt, daß die Ausbildung des PJ noch nicht abgeschlossen ist. Es muß also etwas geschehen. Der Abteilungsleiter spürt, daß etwas im Gange ist und will sich bei mir einschmeicheln, indem er mich immer wieder um technischen Rat fragt und mir dann überschwenglich dankt. Mit anderen Worten - er nervt. Ich hätte besser niemals das Telefon abgenommen, als er anrief ... Den schlimmsten Einschmeichelversuch unternahm er, als er seine Stereoanlage mitbrachte, um meinen Rat für deren Reparatur einzuholen. Ich weiß nicht weshalb, aber er scheint zu glauben, daß ich mich mit allem auskenne, das etwas mit Technik zu tun hat, nur weil ich etwas von den Innereien eines Netzwerkes verstehe. Nun, ich mustere die Stereoanlage kurz, um den Fehler zu finden und stelle schnell fest, daß Ein- und Ausgang vertauscht sind. "Wo liegt das Problem?" frage ich. "Es ist das Band", jammert er. "Es funktioniert nicht mehr richtig, seit wir die Anlage ins Gästezimmer gestellt haben. Selbst wenn wir die Lautstärke voll aufdrehen, hören wir nur das Laufgeräusch, das die Kassette verursacht." "Hm", murmle ich nachdenklich. "Wir brauchen möglicherweise die Lautsprecher, um uns einen kompletten Überblick zu verschaffen." "Ich hole sie in der Mittagspause." antwortet er begeistert. Drei Stunden später stehen die kleinen Schönheiten auf dem Tisch. Ich schließe die Überlastungssicherungen kurz, während der PJ die Lautsprecher mit Tüten voller Isopryl-Alkohol und Brandbeschleuniger füllt. Eine halbe Stunde später haben wir ein kleines Meisterwerk geschaffen und stehlen uns davon, nachdem wir es eingeschaltet haben. Fünfzehn Minuten später - wir spielen inzwischen Poker im Lagerraum - hören wir die ersten lauten Töne eines Liedes von Neil Diamond. Ich schaue den PJ an. "Der Lautstärkeregler müßte funktionieren", murmelt er, seine elektrischen Kenntnisse betonend. Ein paar Sekunden später hören wir einen Knall aus dem Kontrollraum, als Neil nicht nur ein Gitarrensolo abfeuert, sondern auch ein teures Lautsprecherpaar. Der PJ und ich können die Warntöne der Sauerstoffüberwachung der Klimaanlage hören, was bedeutet, daß der Abteilungsleiter nun eine Entscheidung treffen muß - die Lautsprecher retten und dabei ersticken, oder sein Leben retten. Das Verstummen der Warntöne sagt uns, daß er sich für das Leben entschieden hat. Wir geben ihm ein paar Minuten zur Erholung, dann nehmen wir uns etwas Equipment und gehen zurück, dabei stolpern wir beinahe über eine riesige Kiste mit Terminatoren für das Netzwerk. "Ups", murmelt der PJ. "Wir sollten die Kiste lieber umstellen ... später." Da entdecken wir auch schon den Abteilungsleiter, der an einer Sauerstoffmaske hängt und den vergangenen Horror noch einmal durchlebt. "Es fing einfach Feuer", plärrt er, "und dann gingen diese Akten in Flammen auf, dann die Ordner, dann die Türverkleidung, die brannte wie Zunder, dann ..." Ihm kommt ein Gedanke, sucht nach Informationen, findet nichts und verschwindet wieder. Er starrt uns an. "Sie Schweinehund!" sagt er schockiert. Der PJ und ich tauschen bestürzte Blicke aus. "Wir waren im Lager!" beteure ich mit der Unschuld eines Engels. Er unterbricht sich kurz und nimmt die Maske vom Gesicht, um meine Aussage zu prüfen. Das ist nicht die einzige Unterbrechung an diesem Tag, denn das Brechen eines Armes und des Schlüsselbeins folgen kurz darauf, als er auf runden Terminatoren durch den Gang in die unvorsichtig gefüllten Aktenschränke schleudert, die prompt über ihm einstürzen. Scheußlich. Wir teilen das dem Ermittler von der Polizei mit, als er erscheint. (Die neue Politik des Abteilungsleiters sieht vor, daß alle Unfälle der Polizei gemeldet werden müssen.) Und dieser Fall sollte als Testfall betrachtet werden. Der Polizist notiert traurig die Details und holt dann noch eine Stellungnahme des Geschäftsführers ein. Zwei Stunden später wirft er seine Aufzeichnungen weg, denn es handelt sich nun um einen ´Arbeitsunfall´, und nimmt eine lautsprecherlose Stereoanlage mit, für die wir keine Verwendung mehr haben. Beim Hinausgehen bleibt er kurz stehen. "Sie sind doch der Netzwerkmensch?" fragt er mich. "Ja", bestätige ich nickend. "Kennen sie sich mit Videorecordern aus? Meine Frau will ..." Aufhängen ist noch zu gut für sie ... Der B.O.F.H. verläßt sich darauf, daß Manager sich niemals erinnern ... Es ist Zeit für die vierteljährlichen Budget-Besprechungen, und ich versuche, die Manager davon zu überzeugen, daß wir das Ethernet in einer der Außenstellen ausbauen sollten. Nach etwa einer Stunde hört sich das so an: Manager 1: "Sie sagen also, daß 10 Millionen dieser ´Bit´-Dinger PRO SEKUNDE nicht schnell genug ist?" Ich: "Genau." Manager 2: "Er hat recht, müssen sie wissen. Ich war in dieser Außenstelle und die Geschwindigkeit dort war wirklich mies!" Manager 1: "Es klingt einfach nicht besonders plausibel! Zum Teufel, ich kann kaum ZEHN Dinge gleichzeitig beherrschen." Ich: "Das überrascht mich nicht." Manager 1: "Wie bitte?" Ich: "Ich sagte, diese Zahl überrascht mich wirklich. Ebenfalls, ich meine ..." Manager 1: "Oh." Ich: "Sehen sie, als mein Vorgänger das Netz einrichtete, machte er es auf die billigste Art und Weise. Alle Geräte sind sternförmig mit dem gleichen Rechner verbunden. Das ist so, als würden alle die gleiche Straße zur Arbeit nehmen." Manager 1: "Aber wir haben UNHEIMLICH viel für dieses Netzwerk bezahlt!" Ich: "Das war vor vier Jahren. Netzwerke waren damals teurer als heute. Und ..." Manager 1: "Und was?" Ich: "Und ursprünglich sollte ja jeder seine eigene Netzwerk-´Straße´ bekommen." Manager 2: "Was ist daraus geworden?" Ich: "Nun, vermutlich eine Kombination finanzieller und verteilungstechnischer Probleme." Manager 2: "Was heißt das?" Ich: "Er hat quasi eine Leitung durch alle Büros gezogen, das übriggebliebene Material verkauft und ihnen noch einmal berechnet." Manager 1: "Wirklich?" Ich: "Ja, so ist das mit weniger zuverlässigen Netzwerk-Ingenieuren." Manager 1: "Ich finde, daß das schwer zu glauben ist. Irgendwo muß ein Irrtum vorliegen. Er hat mir versichert, alles richtig gemacht zu haben." Ich: "Ähm, vermutlich hat er gesagt, SIE hätten alles richtig gemacht." Manager 1: "Nein! Ich bin sicher, daß er uns nicht übers Ohr gehauen hat!" Ich: "Na gut, dann sagen sie mir, wieviel er verdient hat?" Manager 1: "Siebeneinhalb \[australische Pfund\] pro Stunde." Ich: "Und welches Auto fuhr er?" Manager 1: "Ein Mercedes Kabrio." Ich: "Welche Kleidung trug er?" Manager 1: "Gute italienische Anzüge." Ich: "Werden die Dinge jetzt ein wenig klarer?" Manager 1: "Sie wollen also sagen ..." Ich: "Ja, das will ich." Manager 1: "Er ..." Ich: "Er hat es getan!" Manager 2: "Wie schlimm IST das?" Ich: "Zur damaligen Zeit war es nicht schlecht, aber nach allen Erweiterungen, die es inzwischen gab, verschwenden die Angestellten wertvolle Zeit damit, auf das Netzwerk zu warten." Manager 3: "Was schlagen sie vor?" Ich: "Nun, wie sie hier sehen können, empfehle ich UTP für die Workstations und Cat-5, so daß wir auf ATM umsteigen können, wenn diese Technologie sich weiter verbreitet und durchsetzt. Damit könnten wir die Kosten für eine komplett neue Verkabelung in ein paar Jahren einsparen." Ich unterbreche meine Darlegungen kurz, um ihren Gehirnen Gelegenheit zu geben, sich von den Abkürzungen zu erholen. Manager 1: "Wieviel wird es kosten?" Ich: "Nun, es wird nicht billig. Aber wenn man die Kosten über einen Zeitraum von fünf Jahren betrachtet, wird es ein fairer Preis, vorausgesetzt, die Verkabelung wird durch mich und meinen Assistenten durchgeführt und die Zeit als Überstunden mit doppeltem Stundensatz abgerechnet. Natürlich könnten wir auch ein anderes Unternehmen damit beauftragen, doch wie sie leicht sehen können, würde das dann das Dreifache kosten und auch nicht schneller fertig sein. Und wenn wir es sind, die die Kabel verlegen, werden wir auch besser auf mögliche Probleme in der Zukunft reagieren können ..." Manager 2: "Das klingt plausibel. Es scheint so, als hätten sie alle Aspekte der Problematik dargelegt. Ich stimme ihrem Vorschlag zu. Ist jemand dagegen?" Zwei Wochen später zieht der PJ in die Außenstelle und beginnt mit der Arbeit. "Wir tauschen also wirklich nur die alten UTP-Verbindungskabel gegen welche mit einer anderen Farbe aus, lassen ein paar abgeschnittene Cat-5-Kabelenden im Gang liegen und bohren ein paar Löcher in die Kabelverkleidung?" will er wissen. "Ja! Ein oder zwei Wochen lang." "Wird man das nicht herausfinden?" "Nun, sie KÖNNTEN, wenn es irgendwo eine Dokumentation gäbe, in der steht, daß das Cat-5-Kabel schon vorhanden ist, aber unglücklicherweise fiel dieses Schriftstück heute früh in den Reißwolf." antworte ich. "Also wechseln wir in Wirklichkeit nur die Farbe der Anschlußkabel?" "Genau!" "Aber wieso soll das die Performance steigern?" "Das doch nicht. Aber wenn ich den Traffic-Generator im Computerraum des zweiten Stockwerkes abschalte, der seit Jahresbeginn wöchentlich etwa ein Prozent mehr Datenverkehr verursacht hat, wird die Performance merklich ansteigen." "Also gaukeln wir nur eine Menge Arbeit vor und betrügen sie." "Und vergessen sie nicht die erstklassigen Cat-5-Kabelrollen, die wir weiterverkaufen können." "Sie Bastard!" "Hey, ich hätte sie beinahe auch für neue Netzwerkkarten bezahlen lassen, doch ich hatte Mitleid." "Waren die Geschichten über ihren Vorgänger erfunden?" "Nein. Er hat es ebenso gemacht, nur in einer anderen Außenstelle ..." Der B.O.F.H. spürt, daß etwas Seltsames vorgeht - und er nutzt sein Netz ... Etwas sehr verdächtiges passiert in unserer Abteilung. Ich nehme die Zeichen wahr, als ich unsere Etage erreiche - die Atmosphäre unterdrückter Vorahnungen. Erster Halt, mein internes Postfach - der Abteilungsleiter plaziert seine Bomben lieber hier, um sich dann in die trügerische Sicherheit seines Büros zurückzuziehen. Nun, Naivität kennt manchmal keine Grenzen. Wie erwartet finde ich etwas, das auf der Richterskala der Bürokratie durchaus als eine Bombe bezeichnet werden kann. Als Versuch, die Planungen für die Zukunft zu standardisieren, haben die Chefs eine ´Richtlinie für Zukunftsplanungen´ festgelegt. Schlimmer konnte es kaum kommen. Jeremy, der die Idee dazu hatte, verfügt über die Initiative und Weitsicht eines Schraubstocks und hat neulich 10 analoge Diktiergeräte gekauft, die 6000 Pfund gekostet haben. Die teuersten Bleistift-Kästen in der Geschichte der Firma ... Damit ich nicht falsch verstanden werde, das ist einfach eine weitere Episode der Saga "Der Krieg der Erbsenzähler gegen die Techies". Ich lese weiter und stelle fest, daß alle Einkäufe in der Zukunft von der Buchaltung geprüft und genehmigt werden müssen, um sicherzustellen, daß sie den Zukunftsvorstellungen der Chefetage entsprechen ... Ich erhalte eine Frist von zwei Wochen, bevor Ihr-wißt-schon-wer sich mit einem Klopfen an der Tür ankündigt. Jeremy kommt herein. "Ah, Simon, nur ein paar Unklarheiten", sagt er. "Dieses kabellose LAN-Zubehör zum Beispiel. Sie wissen doch, daß wir das im Moment noch gar nicht einsetzen können?" "Auf welche Weise?" frage ich. "Haben wir nicht einige freie Arbeitsbereiche, die schwer zu verkabeln sind - sie kennen sie doch; zum Beispiel die PR-Büros - oder ist es nicht so, daß wir den einzigen freien AUI-Connector, erst dann nutzen können, wenn wir ein paar ungenutzte Terminal-Server abschalten? "Oh. Äh. Nun, nein, nicht genau, es ist nur so, daß aus meinen Berechnungen hervorgeht ..." Er tippt ein paar Zahlen in seinen Organizer, ein Gerät, das in der oberen Etage weitverbreitet zu sein scheint; ein flottes Design, um für die Dummheit des vorangegangenen Kaufes zu entschädigen. "... daß wir 300 Pfund pro Gerät sparen könnten, wenn wir sie von unserem gegenwärtigen Zulieferer kaufen würden." "Aha. Unser derzeitiger Lieferant von ... analogen Diktiergeräten?" frage ich. Er zieht es vor, mich zu ignorieren. "Nein, unser Lieferant persönlicher Organizer. Und wir haben den Zusatznutzen, daß wir in der Lage sind, Informationen mit anderen Organziern auszutauschen, was anderes Equipment nicht kann." Er wackelt davon und hinterläßt in mir das Gefühl, daß das Ergebnis dieses Gesprächs etwa so aussieht: "Geplante Anschaffungen, 1., Simon, Null". So schnell ich kann, verfasse ich eine Mitteilung, in der vor den möglichen Sicherheitsrisiken durch den Datenaustausch mit anderen Organziern gewarnt wird. Es gibt Übernahmegerüchte und das Letzte, was wir wollen, ist das Abhören sensitiver Daten. Meine Warnungen treffen auf taube Ohren. Das Marketing war offenbar schon so erfolgreich, daß man diesen Leuten alles glaubt. Das ist nicht gut. Ich bekomme pünktlich auch solch einen Organizer und nehme ihn widerwillig in Betrieb. Das Handbuch ist zum Thema Up- und Download von Informationen sehr ausführlich, also lese ich es voller Interesse ... Eine Woche später belausche ich wie üblich eine Besprechung im Konferenzraum. Es handelt sich um wirklich um einen verblüffenden Zufall, daß ein paar hochempfindliche Mikrofone in diesen Raum verirrten, als er neu verkabelt wurde. "Nun, ehrlich gesagt, habe ich alles satt", wimmert ein Manager. "Warum?" fragt Jeremy, wobei meine angeschlossene Stimmanalyse-Software eine Spur von Streß in seiner Stimme feststellt. "Dieses verdammte Ding schaltet sich von selbst mitten in der Nacht ein und erinnert mich lautstark an den Geburtstag meiner Frau, der vor Wochen stattfand. Seitdem ich die von ihnen empfohlene Lernfunktion aktiviert habe, kann ich das Ding nicht mit ins Wohnzimmer nehmen, weil es dann meinen Fernseher einschaltet. Und, als wäre das nicht schon genug, es schaltet der Fernseher immer kurz bevor Inspektor Morse den Mörder findet, wieder ab." "Mir geht es ebenso", sagt ein anderer Manager. "Mein Organizer hat bei allen gespeicherten Adressen eine Eins zu den Hausnummern addiert." sagt eine weitere Stimme. "Das ist noch gar nichts", schnieft ein anderer, "meiner klingelte laut und zeigte ´Dinner mit Trudi´ mit drei Ausrufezeichen bei ihrem Namen an. Und das auch noch in der Nacht, als ich das Ding meiner Frau gegeben hatte. Dabei kenne ich keine Trudi!! Aber jetzt habe ich viel Zeit, eine Trudi zu suchen." "Das sind offenbar kleine Kinderkrankheiten", versucht Jeremy zu erklären. "Ich bin sicher, daß da einige überflüssige Informationen fehlgeleitet wurden." Ich greife kurz zu meiner Tastatur und aus dem Konferenzraum ist kurz darauf ein Klingeln zu hören. "Großer Gott!" ruft eine Stimme. "Meiner sagt gerade, ich soll meinen Arzt wegen des HIV-Tests anrufen!!" "Ich denke, wir haben genug gehört", wird er vom Geschäftsführer unterbrochen. "Bis auf weiteres werden diese Geräte nicht mehr genutzt. Danke, meine Herren. Jeremy, kommen sie doch nochmal auf ein Wort zu mir." Dann höre ich, wie Jeremy eine andere verantwortungsvolle Position zugewiesen wird - oberster Fensterputzer. Es ist nur so, daß wir eine fremde Firma damit beauftragt haben ... Wirklich schade. Aber es zahlt sich eben nicht aus, an einem Job zu kleben. Der B.O.F.H. soll eine Firmenübernahme verhindern ... Ich bin schwer mit Arbeit beschäftigt, als der Abteilungsleiter und der Geschäftsführer mit betretenen Mienen die Tür aufreißen und hereinstürmen. "Wir haben Ärger", sagt der Abteilungsleiter. "Wir werden übernommen", unterbricht der Geschäftsführer ihn und tritt vor den Abteilungsleiter. "Warum sagen sie mir das?" frage ich mit gespielter Unschuld. "Weil sie eigene Methoden zur ´Lösung´ von Problemen haben ..." schlägt der Abteilungsleiter vor. "Router?" erwidere ich ganz unschuldig. "Nein. Sie wissen schon, was ich meine!" "Netzwerke!" rufe ich fröhlich. Der Geschäftsführer scheint sich langsam aufzuregen, so befreie ich ihn lieber aus diesem kollektiven Mißverständnis. "Okay, wer ist es?" Er spuckt den Namen unseres verhaßten Konkurrenten aus. Später, hinter geschlossenen Türen beraten der PJ und ich die Lage und machen einen Plan, dann laden wir den Abteilungsleiter und den Geshäftsführer wieder zu uns ein. "Also, erster Schritt: Feuern sie den PJ!" "Wie? Warum? Aus welchem Grund?" platzt es aus dem Abteilungsleiter heraus. "Er hat irgendetwas veruntreut." "Wenn das ein Grund für eine Entlassung wäre, dann wären sie ..." Ein kalter Blick des Geschäftsführers bringt ihn zum Schweigen, so daß ich weitermachen kann. "Zweiter Schritt: Ich treffe mich mit einem Netzwerkverantwortlichen unserer Konkurrenz und auf dem Weg nach draußen stürze ich und verberge dann schnell aber sichtbar für ihre Sicherheitskameras ein Datenband mit ihrem Logo auf der Hülle. Dritter Schritt: Der PJ, unbezahlbar für unseren Konkurrenten wegen seiner intimen Kenntnis unserer Arbeitsweise, tritt eine kürzlich freigewordene Stellung als Netzwerkverantwortlicher an." "Klingt gut", zwitschert der Abteilungsleiter. Drei Tage später ist es soweit. Ich verpasse unserer Firma ein unattraktives Image, indem ich ein paar Memos über zukünftige Verpflichtungen wegen krimineller Verheimlichung von Defekten in der Möbelabteilung der Presse zuspiele. Natürlich glauben richtige Reporter, die ihr Geld wert sind, nicht ohne weitere Beweise anonymen Schreiben, also beordere ich eine paar Erbsenzähler in die ´Belastungsteststrecke für Möbel´ und sorge dafür, daß die Presse dabei ist, wenn sie mit ihren Verletzungen vom Krankenwagen abgeholt werden. In der Zwischenzeit hat sich der PJ beim Konkurrenten durch die ersten drei Kapitel des Bastard-Handbuches durchgearbeitet und dabei eine Spur der Vernichtung hinter sich gelassen. Das Acetylen im Sauerstoffbehälter der Klimaanlage war ein netter Zug und hat die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Haus getrieben, bevor sie mitbekamen, was los war und die Sprinkleranlage abschalteten. Ein kleiner Buchstabendreher auf einem Anforderungsformular kann ziemlich wirksam sein ... Seine technischen Ratschläge scheinen von minderer Qualität zu sein, wenn man die andauernden Lieferungen von Ersatzmaschinen und Tischfeuerlöschern an unseren Konkurrenten betrachtet. Mittlerweile wurde in den letzten drei Tagen häufiger Feueralarm ausgelöst, als in den vorausgegangenen zwei Jahren, und die Fahrtstrecke von der Feuerwehrstation bis zum Gebäude unseres Konkurrenten wurde daraufhin in eine Parkverbotszone umgewandelt. Ich habe versucht, den PJ anzurufen, doch aufgrund einer Verwechslung bei der Wartung und ´Reparatur´ der Telefonanlage sind die Leute jetzt viel zu beschäftigt, um noch auf Anrufe zu reagieren. Seite 73, wenn ich mich nicht irre. Ich arbeite weiter, als sei nichts geschehen und repariere gerade einen Verstärker, als der Abteilungsleiter mir einen Besuch abstattet. "Es geht um diese Unfälle", sagt er. "Welche Unfälle?" frage ich. "Sie wissen, worum es geht. Diese Unfälle müssen aufhören. Warum werden die Leute aus der Buchhaltung zum Testen der Möbel beordert? Wir haben doch eine eigene Testabteilung." "Natürlich haben wir eine, aber DIESE Leute sind gute Leute", antworte ich. "Was?! Nun, das ist mir egal. Es muß aufhören! Es sind nur noch drei Buchhalter übrig!" "Nein ..." sage ich und blicke auf meine Uhr, "... es sind ..." Ein dumpfer Aufschlag und ein gedämpfter Schrei aus der Etage über mir unterbrechen mich. "... zwei. Ich vermute, die Garderobeneinheit hat den ´Schwere Last an erhöhter Stelle plaziert´-Test nicht bestanden. Aber wo ich gerade bei schweren Lasten bin, sie haben nicht zufällig die Kiste mit den neuen Festplatten, die normalerweise bei mir steht, gesehen?" Er verschwindet ohne ein weiteres Wort, um sich in seinem Büro zu erholen ... Ich komme gerade in mein Büro, als das Telefon klingelt. Einer unserer Lieferanten will einem potentiellen Kunden unsere Anlagen vorführen. Das wird helfen, die Zeit totzuschlagen, bis der Spaß wirklich beginnt ... Das Telefon klingelt wieder. Da ich Zeit totschlagen muß, nehme ich ab. "Mein Telefon ist defekt!" "Wieso können sie mich dann anrufen?" frage ich. "Ich benutze einen anderen Apparat, Dummkopf." Dummkopf?!?! "Na gut", flüstere ich, "und wie lautet ihre Nummer?" Er sagt es mir. Ich schaue es mir an. "Ah, Herr 0898." "Ich weiß nicht, wovon sie sprechen." "Sind sie sicher? Ich habe einige SEHR INTERESSANTE Bänder hier, die sie sich anhören können, wenn sie wollen." "Ähm ... das wird nicht nötig sein." "Sind sie sicher?" "Ja, vergessen sie meinen Anruf." "Nun, ich könnte ihren Anruf vergessen, aber die einzige Möglichkeit, meine Vergeßlichkeit zu fördern, sind ein paar Flaschen Scotch Whisky. Von der guten Sorte, nicht die, die sie in der Bar servieren ..." "Ich werde sie ihnen sofort schicken lassen." Zehn Minuten später ist die Transaktion vollendet und ich beende den Tag damit, daß ich eines der Bänder auf den Anrufbeantworter in seiner Wohnung überspiele. Es ist nur zu seinem Besten, diese Anrufe sind die Hilferufe einer geplagten Seele ... Der B.O.F.H. trifft einen unerwarteten Gast - den B.O.F.H. der Konkurrenz ... Als ich im Büro ankomme, ist es im Netzwerk angenehm ruhig, so daß ich mich auf einen Besuch unseres Zulieferers vorbereiten kann, der einem potentiellen Kunden unsere Anlagen zeigen will. Und dann muß ich natürlich noch daran denken, die drohende Übernahme der Firma zu verhindern, indem ich unseren schlechten Ruf weiter verteidige. Mir wird einmal mehr klar, weshalb ich solche Besuche hasse. Deren einziger Zweck ist es nämlich, einem Kunden vorzugaukeln, daß alle wirklich so funktioniert, wie es in den Werbebroschüren steht, indem man einen Betrieb findet, in dem man schon herausgefunden hat, wo die Handbücher falsche Informationen liefern und die entsprechenden Fehler beseitigt hat. Wenn es nicht um ein kostenloses Mittagsmahl und die Möglichkeit, bessere Konditionen für den nächsten Einkauf zu erpressen, ginge, würden diese Leute es bei mir nicht einmal bis zum Eingang schaffen. Diese Besuche laufen nach dem gleichen Muster ab: der Lieferant belügt den Kunden; ich erpresse Waren, damit ich diese schändlichen Fehlinformationen decke; ein Betriebsrundgang; ein kostenloses Mittagessen und mein Versprechen, ich würde sie unterstützen, sollten sie jemals auf Probleme stoßen. Mit anderen Worten, ein Tag, der Pinocchio in einen Feueranzünder verwandeln würde. Als es 10 Uhr wird, informiert mich ein Anruf des Pförtners über die Besucher. Ein schneller Blick auf den Monitor der Überwachungsanlage zeigt alles, wie ich es erwartet habe: unser Lieferant mit seinem Kunden. Doch ich habe nicht erwartet, daß es sich um den Netzwerk-Administrator unseres Konkurrenten handelt. Etwas schmeckt mächtig verdorben, und es ist nicht der dänische Käse, den sie in der Cafeteria haben. Zusammen mit dem Abteilungsleiter marschiere ich die Treppen nach unten, wobei wir uns fragen, was der Zweck dieses Besuches sein könnte. Offenbar ein Zeichen der Stärke, aber in welcher Form bleibt noch abzuwarten. Es handelt sich jedenfalls offensichtlich um einen Übermittlungsfehler des PJ, der uns nicht gewarnt hat, welchen ich mit einem Rippenstoß bei unserem nächsten Zusammentreffen zu ahnden gedenke. Die technische Kompetenz meines Rivalen zeigt sich an seinen gummibesohlten Schuhen. Der elektrische Türgriff war reine Zeitverschwendung ... ... aber dann doch nicht, denn der Lieferant verpaßt sich einen Schlag, nach dem er erst einmal seinen Namen vergißt und für wen er arbeitet. Mein Gegner entpuppt sich schnell als ein Netzwerkprofi, als er die PIN-Nummer der Zugangskarte meines Abteilungsleiters an der Tür ausspioniert und zweimal ’zufällig’ die Tür so schließt, daß die Hand meines Abteilungsleiters eingeklemmt wird. Dann klaut er dessen Zugangskarte, als mein Abteilungsleiter sich mit seinen Schmerzen beschäftigt. Nicht übel - 11 Sekunden brauchte er für diese Aktion insgesamt. Seine Versuche, den Computerraum zu ´erobern´, sind hingegen erfolglos. Ich setze voraus, daß jeder der sich mit Elektrizität beschäftigt, die Gefahren kennt, und daher Sicherheitsmaßnahmen und Warnhinweise überflüssig sind ... Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man gut ist. Und wer wird schon ein ganzes Netzwerk opfern, nur um das Gedächtnis von jemandem zu retten, der mit etwas spielt, von dem er lieber die Finger lassen sollte. Um auf den Punkt zu kommen, mein Gegenstück spricht kryptisches Fachchinesisch, ´NetSpeak´ sozusagen. "Wie schnell ist dieser Anschluß?" fragt er und deutet auf unseren Netzwerkanschluß. "Ein kleiner 2400er. Nein, in Wirklichkeit ist es ein 300er im Synchronmodus, aber nur an guten Tagen." "Ja, die haben die Nullen früher mit übertragen." "Nichts, was man mit einem mehrfachen Control-Alt-Delete nicht beheben könnte." Der Abteilungsleiter kommt in Verbände gehüllt wieder, um am kostenlosen Mittagessen teilzunehmen. Während des Essens sprechen mein Opponent und ich Klartext - für den, der versteht ... "Ich würde die vorherige Konfiguration bevorzugen", sagt mein Rivale. "Ja, ein wenig zuviel SNMP zur Zeit, aber das war eigentlich schon immer so." "Stimmt, das ist bei mir auch so. Also ... eine Neuinstallation der Ursprungskonfiguration ..." Zwei Wochen später ist die Übernahme nicht mehr als eine leise Erinnerung. Wir haben Aussicht auf eine völlig neue Erbsenzähler-Abteilung, und ich kann es kaum erwarten, ihnen einen Besuch abzustatten. Einige aus dem mittleren Management, die eine verhinderte Übernahme als Grund für eine Lohnerhöhung für sich selbst ansahen, zogen plötzlich ein vorzeitiges Ausscheiden vor - die Vierziger sind ein schwieriges Alter, besonders dann, wenn man ein Foto von sich selbst in Frauenunterwäsche (in einem fortschrittlichen Club in Soho) in der obersten Schreibtischschublade entdeckt. Ich bekomme einen Anruf meines Gegenstücks auf der abhörsicheren Leitung. "Alles in Ordnung?" fragt er. "Na klar, und selber?" "Keine Probleme. Wir mußten euren PJ gehen lassen, sie wissen, wie das ist. Wirklich bedauerlich." "Machen sie sich keine Sorgen, er hat seinen Schreibtisch wiederbekommen und spielt gerade mit der Temperatur des Kühlschranks mit dem Hühnerfleisch für das morgige Mittagessen. Ich glaube, ich esse lieber auswärts ..." Die Welt ist voller siegreicher Netzwerke - dies ist eines von ihnen. --------------------------------------------------------------------- Ein kurzes NetSpeak-Wörterbuch des B.O.F.H. 2400: 2400 baud. 300er im Synchronmodus: So langsam, daß ein Abschleppseil gebraucht wird. Vorherige Konfiguration: So, wie es einmal war. Die gute alte Zeit. SNMP: Dummheit der Vorschläge von Nicht-technischen Managern (stupidity of non-technical manager’s proposals). Nullen früher übertragen: Schwachsinn reden. Wiederholtes Control-Alt-Delete: viele Neueinstellungen - und ein paar Kündigungen. Der B.O.F.H. mischt beim Lieblingsprojekt des Geschäftsführers mit ... Der PJ und ich können ein Kichern nicht unterdrücken, als der Abteilungsleiter vorbeigeht. Deshalb bleibt er stehen und kommt herein - vermutlich, um zu sehen, an wen er die Kündigung schicken soll. "Gibt es einen Grund für ihre Heiterkeit?" fragt er. "Nein, nein, wirklich nicht. Es ist nur dieses Memo. Für eine Minute dachte ich wirklich, sie hätten es ernstgemeint, als sie nach den Root-Passwörtern unserer Rechner fragten." "Es ist mein voller Ernst", sagt er ohne die Miene zu verziehen. "Halt, sie töten mich", lache ich. "Warum wollen SIE die Root-Passwörter?" "Das Warum ist irrelevant. Geben sie sie mir einfach", stößt er hervor. "Sie wissen, daß das unsicher ist?" "Ich werde sie in meinen persönlichen Safe einschließen." "Sie meinen, drei Drehungen im Uhrzeigersinn bis zur 37 ...", sage ich. "Zweimal in umgekehrter Richtung zur 18 ...", setzt der PJ fort. "... und zurück zur 43", vollendet die Putzfrau. "Und dann rufen sie frustriert ihre Sekretärin, damit sie den Safe für sie öffnet." Der Abteilungsleiter zeigt seine Version eines betäubten Fisches, dann redet er weiter. "In Ordnung, ich werde einen neuen Safe bestellen - und ich WERDE diese Passwörter bekommen", sagt er, als er nach draußen stürmt. In dieser Nacht installieren wir heimlich eine kleine Überwachungskamera in seinem Büro ... Am nächsten Tag stöhnen die Stockwerke unter der Last eines riesigen grauen Monsters, das in das Büro des Abteilungsleiters gebracht wird. Er selbst beaufsichtigt den Aufbau in seinem Büro. "Wir können nichts sehen", stöhnt der PJ, als uns die versteckte Kamera nur den Hinterkopf des Abteilungsleiters zeigt. "Nicht mit dieser Kamera", gebe ich zurück, "aber mit dieser haben wir..." "... eine komplette Frontalansicht!" Natürlich zeigt die in der Lampe versteckte Kamera alles, was wir sehen wollen. "Warum haben wir dann die andere Kamera installiert?" fragt der PJ verwirrt. "Ein Köder. Der Chef war dabei, den Raum zu kontrollieren, also wollte ich, daß er diese eine Kamera findet." "Warum?" "Nun, wenn sie sich den Raum aufmerksam anschauen, sehen sie, daß es nur einen einzigen Platz gibt, den die Kamera nicht einsehen kann und wo er zugleich den Unwissenden spielen kann." "Raffiniert ..." "Doppelt raffiniert", füge ich geheimnisvoll hinzu. Die Nachgebenden spielend geben wir dem Abteilungsleiter die Passwörter und ändern sie am nächsten Tag, nachdem er sie zuvor erfolgreich überprüft hat. Um den Einsatz noch ein wenig zu erhöhen, lassen wir uns vom Geschäftsführer in dessen Lieblingsprojekt, ein Videokonferenzsystem, einspannen, damit der Abteilungsleiter uns nicht "dringend zu einer Besprechung rufen" kann, wenn er herausfindet, daß wir die Passwörte wieder geändert haben ... "Wie stehen die Dinge?" fragt der Geschäftsführer wohlwollend. "Großartig, Sir", schwärmt der PJ. "Morgen sollten wir fertig sein", ergänze ich, als ich die Kameras mit der Multiplex-Einheit verbinde - der Multiplexer hat ungefähr soviel gekostet, wie mir im Vierteljahr zur Verfügung steht -, die der Abteilungsleiter empfohlen hatte, nachdem er vom Verkäufer zu einem Zweitagesausflug nach Brighton eingeladen wurde, der mit seiner Verhaftung in einem Pub endete, weil er einem der Mädchen seine Interpretation der größten Sehenswürdigkeit vom Trafalgar Square gezeigt hatte ... Ich schicke ein paar Testbilder durch die Maschine und zeige dem Geschäftsführer, wie die Bilder in unseren überseeischen Filialen ankommen. "Die Bilder sehen dann ungefähr so aus", sage ich. "Für jeden Teilnehmer gibt es eins. Die Kamera wird aktiviert, wenn sie sich in den Sessel setzen." "Und das funktioniert alles wirklich so einfach?" fragt der Geschäftsführer und kann dabei seine Freude, selbst im Firmen-TV zu sein, kaum unterdrücken. "Es könnte ein paar kleinere Probleme geben, doch ich bin sicher, daß mein Lehrling und ich in der Lage sind, sie zu finden und zu beseitigen. Das meiste müßte problemlos funktionieren, höchstens bei den Außenstellen in Rom und Florida könnte es im Sommer zu solaren Interferenzen kommen. Der Geschäftsführer riecht den Braten vielleicht, doch er will nicht riskieren, sein Lieblingsspielzeug zu verlieren. "Natürlich werde ich ihren Abteilungsleiter entsprechend informieren." Eine Stunde später sitzen wir im Büro unsere Abteilungsleiters, der vor hilfloser Wut kocht. "Oh! Haben wir vergessen, sie über die Passwortänderung zu unterrichten? Und über die Videokonferenz? Machen sie sich eine Notiz für die Zukunft", wende ich mich an den PJ. Der Abteilungsleiter kocht noch mehr. Drei Stunden später haben wir ein paar Biere gekippt und teilen Freizeit durch das Ziehen von Strohhalmen auf. Ich meine natürlich Aufgaben. Zwei Stunden danach sind wir im Getränkeladen und kaufen zwei Kisten Gin, die wir im Schutz der Dunkelheit später in das graue Ungetüm von einem Safe schmuggeln. "Warum tun wir das?" will der PJ wissen. Ich sage nichts, sondern springe in die Höhe und lande schwer wieder auf dem Boden. Ein Knirschen des Bodens unter dem Safe klärt ihn auf und er macht mit. Sekunden später klingt es, als fiele ein schwerer Safe nach unten. Am nächsten Morgen können wir zusehen, wie der Abteilungsleiter seine Sachen packt. Der PJ philosophiert dabei über die seltsamen Zufälle des Lebens. "Wissen sie, er wäre vielleicht davongekommen, wenn der Safe nicht auf dem Video-Multiplexer gelandet wäre ..." "Ja", antworte ich, "was für ein unglücklicher Zufall. Vielleicht war es sogar das Buch mit den Passwörtern, das dem Kamel schließlich das Rückgrat gebrochen hat ..." Der B.O.F.H. findet heraus, daß es ´Fehler in der Ausbildung´ und ´Ausbildung in Fehlern´ gibt ... Der PJ und ich sind gerade dabei, einige wichtige Netzwerk-Tests durchzuführen, als das Telefon klingelt. Es handelt sich um den Apparat des PJ, der vorher noch nie geklingelt hat, also feiert er das Ereignis, indem er den Anschluß aus der Steckdose zieht. Als er seine Aufmerksamkeit für ein paar Momente dem Telefon widmet, verpasse ich ihm ein paar Schüsse in den Rücken. Doom II im Netzwerk ist ein hervorragender Nährboden für den Machiavelli in uns allen. "Das war der Abteilungsleiter", erkläre ich, um die Spannung im Raum etwas zu verringern. "Zeit für neue Arbeitsverträge", sagt er und schiebt zum Büro des Abteilungsleiters ab. Fünf Minuten später ist er mit einem nicht gerade fröhlichen Gesichtsausdruck zurück. "Schwierigkeiten?" "Er glaubt nicht, daß ich über genügend Erfahrungen verfüge, die eine Erhöhung meines Stundenlohnes rechtfertigen könnten." Das mag ich gar nicht - denn wenn es ihm passiert kann, dann könnte es mir ebenso ergehen. Und ich habe eine tiefsitzende Angst vor allem, das aussieht, wie das schmale Ende eines Keils. Blitzschnell bin ich am Telefon und rufe den Personalchef an. "Was müssen wir tun, um zu beweisen, daß mein Assistent eine Lohnerhöhung verdient hat?" "Normalerweise gibt es in solchen Fällen ein Treffen des Personalchefs mit einem unabhängigen Experten und dem Kandidaten selbst. Auf diese Weise prüfen wir das Wissen des Kandidaten über Netzwerke." Ich arrangiere den Test für den nächsten Tag und beauftrage den PJ damit, seine Hausaufgaben zu machen ... Der nächste Tag bricht an, und um 10 Uhr warten wir alle auf das Ereignis des Tages - mit Ausnahme des unabhängigen Experten. Wie auch immer, für die nächsten paar Stunden werden wir wohl kaum etwas von ihm hören ... vorausgesetzt der Wartungsdienst für den Lift ist so langsam wie gewohnt. Ich biete mich als unabhängiger Experte an. "Okay, ein paar Fragen", sage ich. "Schießen sie los", antwortet der PJ. "Nach welchen Kriterien entscheiden sie, ob sie die Dateien eines Nutzers löschen?" "Wie lange ich in der vorherigen Nacht geschlafen habe?" "Sehr gut. Wenn sie den Rechner eines Nutzers vom Tisch schieben, worauf sollten sie achten?" "Darauf, daß die Tastatur drunterliegt." "Halbe Punktzahl. Die Tastatur und ein wertvoller persönlicher Gegenstand." "Natürlich." "Wann sollten Überstunden geplant werden?" "Wenn die Umstände eine Operation während der normalen Arbeitszeit als gefährlich erscheinen lassen." "Weitere Informationen?" "Wenn ich mich schlecht fühle, weil mir das Geld in diesem Monat ausgegangen ist." "Korrekt. Ein Kollege bittet um ihre Hilfe beim Kauf eines Computers für seine Privatangelegenheiten. Was würden sie empfehlen, einen Macintosh oder einen PC?" "Weder den einen noch den anderen. Ich empfehle den Commodore C-64 mit einem doppelten Kassettenlaufwerk, den ich als Türstopper benutze - zu einem Preis von 600 Pfund." "Und wenn etwas schiefgeht?" "Das kann es nicht." "Wieso?" "Das Ding ist so präpariert, daß es Feuer fängt, wenn es angeschlossen wird. Ich würde es dann darauf schieben, daß das Gerät falsch angeschlossen wurde." "Ausgezeichnet. Die Telefone klingeln sich heiß mit Beschwerden, daß Sitzungen am NT-Server in der vierten Etage immer wieder abstürzen. Wo könnte das Problem liegen?" "Das Problem, soweit ich es sehe, liegt darin, daß der Telefonhörer nicht neben dem Telefon, sondern auf der Gabel liegt." "Korrekt." Eine halbe Stunde später ... "Nun, ich bin davon überzeugt, daß er viel gelernt hat." "Und ich bin nicht überzeugt!" ruft der Personalchef. "Dieser Lehrling wurde angestellt, um die Ursachen für schlechten Service und mangelnde Erreichbarkeit, unsere schlimmsten Probleme unter ihrer Terrorherrschaft, herauszufinden. Statt ihn in dieser Richtung auszubilden, haben sie ihn zu einer noch schlimmeren Version ihrer selbst gemacht!" "Stimmt, und er ist doch wirklich gut, oder?" kommentiere ich. "NEIN! Und wenn sie auch nur einen Moment glauben, ich gebe meine Zustimmung zu ... zu diesem ZERRBILD eines Tests, dann liegen sie völlig falsch. Es BLEIBT dabei, daß die Höhe des Lohnes in seinem Ausbildungsvertrag nicht geändert wird." Es stimmt, daß es für jeden Job ein Werkzeug gibt. Es amüsiert mich immer, wie viele ´Jobs´ vom Einsatz des Werkzeuges ´Erpressung´ profitieren. "Nun gut", sage ich. "Sie haben möglicherweise Recht. Immerhin ist er ja noch ein Anfänger in diesem Bereich. Und da er als Lehrling Fehler macht, ist es sicher gerechtfertigt, wenn sie ihm als Resultat dieser Fehler weniger bezahlen. Sie wissen doch, von welchen Fehlern ich spreche, oder? Da wäre zum Beispiel das Schicken einer E-Mail mit der Liste teurer Auslandsgespräche aus der Personalabteilung an den Geschäftsführer. Wie geht es eigentlich ihrer Tocher? Arbeitet sie noch immer auf den Cayman Islands? "Äh. Gut, wenn man genau überlegt, könnten seine Fähigkeiten mehr ..." "Fehler wie etwa eine falsche Konfiguration des Netzwerk-Backup-Servers, der deshalb die Bilder aus dem Verzeichnis SMUT auf einer Arbeitsplatzmaschine in das ... sagen wir mal ... Verzeichnis mit der Präsentation, die der Geschäftsführer bei seiner nächsten Beratung mit dem Aufsichtsrat zeigen will, kopieren könnte. In der internationalen Einheit der Operatoren für ihren Erfolg, Beteuerungen pro Sekunde (BpM), gemessen, nähert sich der Personalchef gefährlich der roten Linie. Eine halbe Stunde und eine spürbare Lohnerhöhung für den PJ später sitzen wir wieder in unserem Büro. "Was soll ich mit diesen Telefonprotokollen machen?" "Schicken sie sie ab." "An den Personalchef?" "NATÜRLICH NICHT! An das Büro des Geschäftsführers. Sie sind noch in der Ausbildung, da lassen sich Fehler nicht ganz vermeiden." Ich muß wohl nicht betonen, daß meine Lohnerhöhung ohne Probleme genehmigt wird. Südfrankreich lockt den B.O.F.H. unter dem Motto ´Netzwerk-Profi des Jahres´ ... Es ist ein ruhiger Tag im Büro. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, daß ich die Anrufe an die Service-Abteilung in das vor kurzem frei gewordene Büro des Abteilungsleiters umgeleitet und zufällig eine Axt dreiundfünfzigmal auf die Telefonkabel unten im Gang fallengelassen habe. Vergessen sie diese seltsamen Cassetten mit Enspannungsmusik, nichts ist für den B.O.F.H. entspannender als das einzigartige Geräusch von Telefonenhörern, die wütend auf die Gabel geknallt werden. Unser Telefonsystem befindet sich im Schockzustand; das liegt eindeutig daran, daß alle Leute ihren Ärger an den Telefonhörern auslassen müssen. Ich überzeuge mich, daß die Tür geschlossen und angemessen unter Strom gesetzt wurde (Für den Fall, daß ein mutiger Nutzer es wagen sollte, persönlich zu erscheinen.), und befasse mich dann mit meiner Lektüre. Gewöhnlich ist dies die richtige Zeit zur Beschäftigung mit diesen holländischen Magazinen, die eines Tages unerwartet an den Hintereingang geliefert wurden - und seitdem immer wieder mit schöner Regelmäßigkeit versehentlich gebracht werden. Man sollte nicht glauben, daß ein Fehler sich so oft wiederholen kann. Trotzdem, jemand hat mein privates Steckenpferd entdeckt, denn es scheint, als seien den Magazinen Beine gewachsen. Seit der PJ immer mit einem seltsam wissenden Lächeln herumläuft, vermute ich, daß er hinter der Sache steckt. Er wird noch die Gefahren kennenlernen, die zuviel Neugier mit sich bringt, wenn ich herausgefunden habe, was man mit dem elektrischen Tacker alles anstellen kann. Wie auch immer, in der Zwischenzeit bin ich damit beschäftigt, in Netzwerk-Magazinen zu lesen. Ich unterbreche meine Lektüre kurz, um einen ´Bitte schicken sie einen Verkaufsmanager für Telefonvermittlungsanlagen vorbei, damit er mich über ihre Leistungen informieren kann´-Coupon im Namen eines Typs aus der Verwaltungsabteilung, der mir heute im Parkdeck die Vorfahrt genommen hat, auszufüllen. Dann beginne ich, mich auf den verblüffend hohen Stapel ungelesener Netzwerk-Magazine zu stürzen. Ein Thema fällt mir sofort auf. Die Auszeichnung ´Netzwerk-Profi des Jahres´. Ich lache in mich hinein - vermutlich wird irgendein trauriger Anorak den Preis gewinnen, der am Wochenende nichts anderes tut, als sich mit UTP zu befassen, seine Abende damit verbringt, verlorengegangene Dateien auf den PCs der Angestellten zu suchen und wiederherzustellen und der dafür auch noch kaum Lohn und schon gar keine Anerkennung erntet. Ich lese erstmal weiter: "... wird vorgestellt während einer speziellen Veranstaltung im l´Hotel Amassadeur in Südfrankreich". Ah, nun, nicht so schnell. Es gibt eigentlich soviel zu sagen über die unbesungenen Helden der Netzwerk-Welt. Zumindest wird das meine Argumentation sein, wenn ich den Geschäftsführer dazu zu überreden versuche, mich an diesem Wettbewerb teilnehmen zu lassen. Oben im Büro des Geschäftsführers schaut mich der Chef höchstpersönlich eine Minute lang aus glasigen Augen an. Schließlich schaffen es die Worte, mit einem Krächzen seine Kehle zu verlassen. "SIE wollen Netzwerk-Profi des Jahres werden?!" "So ist es. Denken sie nur an den Ansehensgewinn, den ich der Firma einbringen könnte." "Ich denke an die schlechte Werbung, die sie für die Firma machen könnten." "Das ist nicht besonders nett!" kombiniere ich das schlimmste Schimpfwort, welches ich kenne, mit meinem unschuldigsten Tonfall. "Und das auch noch nach allem, was ich für die Firma getan habe." "Meinen sie nicht, was sie der Firma ANGETAN haben?" Der Geschäftsführer schaut erst mich an, dann das Teilnahmeformular. "Unterstützung für seine Vorgesetzen? Sie haben fünf Vorgesetzte allein im letzten Jahr zur Kündigung getrieben!" "Also mußte ich fünf verschiedene Arbeitsmethoden meistern - das ist eine sehr anspruchsvolle Herausforderung. Ich denke, das demonstriert meine große Flexibilität." "Aber sie sind dafür verantwortlich, daß sie uns verließen!!" "Reiner Zufall ... sie alle schienen sich an Angebote anderer Firmen zu erinnern. Vielleicht sollten sie sich einmal um bessere Arbeitsbedingungen und Löhne kümmern." schlage ich vielsagend vor. "Vielleicht sollte ich überlegen, ob ich wirklich alle Netzwerkexperten brauche, die ich zur Zeit habe." Autsch. Das ging unter die Gürtellinie. Na gut ... "Vielleicht wird das Finanzamt etwas über das Geheimkonto herausfinden, daß jemand im Ausland angelegt hat." Der Geschäftsführer wird rot und scheint sich plötzlich sehr für seinen Tintenlöscher zu interessieren. Dann erholt er sich etwas und liest weiter. "Und was ist damit", er schreit jetzt beinahe. "Ein guter Teamarbeiter?" "Ja. Natürlich erwarte ich, daß mein PJ ebenfalls mitmachen kann. Mitglieder des Teams sollen schließlich nicht vergessen werden." "Aber er ist ein Psychopath!" "Ach so? Wollen sie das gegen ihn verwenden? Das ist nicht sehr hilfreich von ihnen. Ich für meinen Teil denke, daß das Klima in Südfrankreich Wunder für sein Temperament wirken wird. Und die Erfahrung, an einem solchen Ereignis teilzunehmen, wird bestimmt auch positiv auf die Entwicklung seiner sozialen Fähigkeiten wirken." "Das wird einen diplomatischen Zwischenfall geben!" Der Geschäftsführer liest weiter. "Kandidaten für die Preise müssen von drei Kollegen vorgeschlagen werden, die unterschriebene Beurteilungen verfassen." Er unterbricht sich. "Es gibt hier niemanden, der einen solchen Vorschlag unterschreiben würde. Sie werden von allen gehaßt." "Ich kann also an dem Wettbewerb teilnehmen, wenn ich die Unterschriften bekomme?" "Wenn sie drei Beschäftigte finden, dann können sie mitmachen. Aber ich sage das nur, weil ich weiß, daß sie niemanden finden werden." Er verläßt den Raum, lacht leise vor sich hin. Ein Wunder? In der Welt der Netzwerke ist nichts unmöglich, wie ich auch immer Nutzern erkläre, deren Festplatten auf wundersame Weise komplett gelöscht wurden. Und wer hat behauptet, daß jemand, dessen Unterschrift auf einem Blatt Papier steht, es auch selbst unterschrieben haben muß ... Wird fortgesetzt ... Der süße Duft des Erfolgs umgibt den siegreichen B.O.F.H. ... Es ist ein großartiger Tag in Südfrankreich, insbesondere nachdem mein Zimmer im L´Hotel Ambassadeur irgendwie mehrfach vergeben wurde, und sie mir deshalb eine Suite mit mehr Räumen zu Verfügung gestellt haben, als mein Chef sie sich jemals leisten könnte. Die Unterschriften für mein Teilnahmeformular waren kein Problem. Ich wußte doch, daß die elektronische Signier-Einheit unseres Faxservers für irgendetwas gut ist. Und daher bin ich nun hier, um meinen Preis entgegenzunehmen. Gut, es gibt noch ein halbes Dutzend anderer Finalisten, aber ich habe die dunkle Vorahnung, daß es in der nächsten Zeit ein paar Unfälle geben könnte. Beim Dinner zur Preisverleihung, das ein sogenannter Entertainer mit billigen Witzen begleitet, treffe ich auf eine recht hübsche Werbefrau, die von den modernen Netzwerktechnologien fasziniert zu sein scheint. "Also haben sie wirklich ihren ATM-Backbone auf 827 Mbps aufgerüstet?" "Natürlich nur, um das Netzwerk zu testen. Wir können etwas, das so schne ... ähm ... neu und noch in der Entwicklung ist, natürlich noch nicht für die Benutzer freigeben." "Natürlich. Wie messen sie denn den Datendurchsatz?" "Doom II auf einem halben Dutzend SGI Challenge-Rechnern. Wir erreichen etwas 45.000 pps." "45.000 Pakete pro Sekunde klingt nicht sehr schnell." Diese Frau aus der Werbung scheint zu wissen, wie schnell ein Netzwerk sein sollte ... Eine geradezu unheimliche Vorstellung. "Nein, es geht um Punkte pro Sekunde. In Doom bekommt man keine Datenpakete, wenn man jemanden getötet hat, müssen sie wissen." "Ach so. Sie müssen aber ein großes Budget im Jahr habe, wenn sie allein sechs SGI Challenges für ihr Testnetzwerk verwenden." "Nun, also, wissen sie, die werden für das Videokonferenzsystem des Geschäftsführers gebraucht; wir haben sie mit dem Geld der Versicherung gekauft, das wir nach dem Unfall mit den Pentium 75-Rechnern des ersten Videokonferenzsystems bekommen haben." "Da gibt es doch noch immer einen Kostenunterschied." "Nun, wir haben eine sehr zuvorkommende Versicherung." Und ein noch viel schöneres Heimvideo von einer Aufsichtsratskonferenz in Amsterdam. "Sehr schön. Ich vermute, sie haben erzählt, sie müßten die Taktfrequenz der Challenges prüfen und ihre ATM-Karten optimieren, was sie zu ´Testobjekten´ für ein oder zwei Monate macht." Diese Frau weiß, worum es geht. Ich bin beinahe beeindruckt ... "Nun, ja, aber das Testen ist eine sehr komplexe Arbeit, die wohl etwas länger als ein paar Monate dauern wird ... 2004 dürfte ein gutes Jahr für das Testende sein, schätze ich." "Sie sind ein gerissener Hund!" Sie begreift schnell. Als wir weiterplaudern, wird eine TV-Persönlichkeit (ein Widerspruch in sich) vorgestellt und ihr ein goldener Umschlag zum Öffnen überreicht. Er schafft es, den Umschlag ohne weitere Instruktionen zu öffnen ... "Und der Gewinner ist ..." Am Gewinnertisch treffe ich meine Freundin aus der Werbung wieder; tierisch, diese Anziehungskraft, die von mir ausgeht. Sie scheint von meinem Sieg überrascht zu sein. "Wie haben sie das gemacht? Ich muß zugeben, daß ich nicht damit gerechnet habe, daß gerade sie den Preis bekommen, wenn man ihre unkonventionellen Ansichten zum Management von Netzwerken bedenkt. Haben sie den Computer der Schiedsrichter irgendwie gehackt?" Hacken? Sie ist offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand - niemand mit etwas Selbstachtung würde sich heutzutage selbst als Hacker bezeichnen, es sei denn, er besäße einen wirklich widerlichen Anorak. Ich bestelle noch ein paar Drinks (von der teuren Sorte, natürlich - ich kenne selbstverständlich bereits das Root-Passwort für das Hotelnetzwerk und, nicht zu vergessen, die Zimmernummer des alten Entertainers, der uns beim Dinner so genervt hat), hole tief Luft und erkläre es ihr. "Nein, ich habe nichts \_gehackt\_ ... (Ich brauche all meine Kraft, um dieses schlimme Wort auszusprechen.) Wie auch immer, die Kandidatenlisten und all die anderen Sachen mußten mittels anderer Hardware bearbeitet werden, denn sie waren auch nicht über das Hotel-LAN erreichbar." "Mit Hardware?" "Mit einem Kugelschreiber und einem Blatt Papier. Diese Schiedsrichter haben immer Ärger mit der Technik." "Ach so, \_diese\_ Hardware." "Genau. Übrigens mußte ich gar nichts hacken; alle bis auf einen meiner Mitbewerber schieden im letzten Moment aus. Nun, einige von ihnen hätten es bestimmt nicht getan, wenn sie nicht in ihrer gestrigen Post diese komischen Polaroids gefunden hätten." "Was, sie haben sich \_ALLE\_ ein wenig danebenbenommen?" "Zwei von sechs, ja - das ist eine unvermeidliche Nebenwirkung, wenn man so viel Zeit in heißen Ländern auf Netzwerk-Messen und Konferenzen verbringt." "Was ist mit den anderen?" "Ganz einfach. Einer von ihnen arbeitet für ein Unternehmen, das diese Preisverleihung finanziell unterstützt. Und die anderen, nun, einer besitzt nun die Kopie eines Fahrzeugbriefes und der andere wurde nach einem unerklärlichen anonymen Anruf gefeuert und seine Nominierung von seinen jetzt ehemaligen Kollegen zurückgenommen." Ich muß den PJ für eine Lohnerhöhung vorschlagen - er hat diese Anrufe übernommen, ohne mich damit zu belästigen. "Interessant. Was steckt hinter der Sache mit dem Fahrzeugbrief?" "Oh, irgend etwas, das mit dem Verschwinden eines Betriebs-Rolls Royce und einem bekannten Autoschieber zu tun hat." "Faszinierend. Sie sind wirklich ein Schweinehund!" "Natürlich. Es hat mich allerdings einige Zeit gekostet, perfekt zu werden." "Und was ist mit dem Konkurrenten, der nicht aufgab?" "Oh, den habe ich fair und ehrlich geschlagen. Die Worte im Empfehlungsschreiben meines Chefs waren einfach schmeichelhafter als die seines Chefs." Zumindest waren sie das, \_nachdem\_ die Empfehlung in einem Abteil des Zuges nach Doncaster in der vergangenen Woche in die Geldtasche des Obersten Schiedsrichters wanderte. "Was passiert nun?" "Zurück zur Arbeit, eine nette Lohnerhöhung für die Steigerung des Ansehens der Firma, ein Dank an meine Vertretung dafür, daß die Nutzer während meiner Abwesenheit nicht zu übermütig wurden und dann noch ein gelegentliches Gespräch nach einem Dinner mit einer fünfstelligen Rechnung." "Was wäre, wenn jemand etwas über den Betrug verlauten läßt?" "Oh, darüber muß ich mir keine Sorgen machen." "Wirklich nicht?" Ich mag das Leuchten in ihren Augen und den Klang ihrer Stimme nicht. "Was würden sie sagen, wenn ich dieses Gespräch auf Band mitgeschnitten hätte?" "Ich würde sagen, daß das Diktiergerät in ihrer Tasche keinen Aufnahmeknopf hat, also haben sie ein leeres Band. Und wenn ich gerade dabei bin, was würden sie dazu sagen, daß in ihrem Zimmertelefon eine Wanze eingebaut ist? Nun, wie waren doch gleich die Namen..." Ich klopfe auf meine Tasche und höre den beruhigenden Klang einer Kassette in einer Plastikhülle. Augenblicklich verliert sie ihren Sinn für Humor, dreht sich um und verschwindet schmollend. Meine Mutter hatte Recht ... man sollte niemandem aus der Werbebranche trauen. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen setzt der B.O.F.H. alles auf eine Karte ... Der Chef ist etwas zurückhaltend, wenn es um meinen Lohn geht. Deshalb beschließe ich, mich ein wenig umzusehen und eine Arbeitsvermittlung einzuschalten. Meine einzige Befürchtung ist, daß ich tatsächlich einen neuen Arbeitsplatz finden könnte, wenn ich einen guten Arbeitsvermittler treffe. Denn das ist ja nicht das Ziel dieser Übung. Ich will nur, daß der Chef zusammenzuckt, wenn ich wieder einmal eine Lohnerhöhung fordere. Ich überlege, welche Aussichten ich habe und strecke meine Fühler aus, um Kontakt mit ein paar Vermittlungsagenturen aufzunehmen. Ich nehme welche von der Sorte, die den Lebenslauf erst einmal ´überarbeiten´, bevor sie ihn an einen möglichen Arbeitgeber faxen. Dinge wie ´Ich habe einmal mit DOS gearbeitet´ und ´Ich kann meinen Bildschirm allein einschalten´ werden zu ´Hat DOS neu geschrieben´ und ´Ausführliches Hintergrundwissen zum Hardware-Support´. Ich erwarte das Schlimmste und bekomme es. Ich treffe meinen Arbeitsvermittler in einem Pub, wo er mir ein Bier spendiert, um zu beweisen, daß er wirklich mein Freund ist und nicht nur einen kriminell hohen Anteil von meinem zukünftigen Lohn haben will. "Also", sagt mein ganz persönlicher, erfahrener Vermittler, der die Computerbranche wie seine Westentasche kennt. "Sie suchen also eine Stelle im Netzwerkbereich?" "Ja." "Welche Erfahrungen haben sie?" Ich gebe ihm einen kurzen Überblick über die vergangenen zehn Jahre. "Ausgezeichnet. Und haben sie auch Erfahrung mit DOS?" "Wieso?" "Nun, wir haben im Moment ein ausgezeichnetes Angebot für einen DOS-Berater." "Und meinen sie, daß das etwas mit Netzwerken zu tun hat?" frage ich leicht verärgert. "Also, nicht genau. Am Anfang wird es eher mit einer Hotline zu tun haben." "Ich bin nicht interessiert. Ich bin ein Netzwerker, kein Programmspezialist und ganz sicher kein Mensch für den Support." "Ah. Na gut, es war ja nur so ein Gedanke. Was ist mit VAX/VMS?" (IBM-Großrechner \[thomas w.\]) "DECNet? TCP/IP? Und habe ich schon CI erwähnt?" "Nein, eher in Richtung Cobol-Programmierung. Großartige Stelle. In Milton Ke ..." "Nein." "Sehr gute Bezahlung ..." "Wenn ich Interesse daran hätte in Cobol zu programmieren, hätte ich das auch gesagt. Habe ich aber nicht. Ich sagte ´Netzwerke´." "Natürlich haben sie das. Könnte die Reparatur von Hardware sie interessieren?" "Was für Hardware?" "Hauptsächlich defekte Terminals. Aber wenn sie funktionieren, sind sie mit einem Terminal-Server verbunden, der in ein Netzwerk ..." schreit er als ich den Pub verlasse. Das Bier habe ich nur zur Hälfte getrunken. Der Chef spielt inzwischen mein Spiel und hat seinerseits ein paar Arbeitsvermittler kontaktiert. Offensichtlich hat er vor, mir zu beweisen, wie leicht es ist, einen Ersatz für mich zu finden. Es ist traurig, wie manche Menschen sich der Selbsttäuschung hingeben. Die nächsten Tage verbringe ich damit, die Arbeit einer Sekretärin zu machen: Daten eingeben, Bänder abtippen etc. Ich mag das gar nicht. Schließlich kommt ein Angebot von der letzten Arbeitsvermittlung, in dem eine Summe geboten wird, die dem Chef Tränen in die Augen treiben würde. Ich vertiefe mich in die Details und denke über sie nach, als der Chef hereinkommt. "Ich werde es annehmen", sage ich, als der Chef heimlich mitlesen will. "Was annehmen?" fragt er. "Die Stelle, die mir gerade angeboten wird", erwidere ich lächelnd. Er blüht unter dem Druck richtig auf und antwortet: "Und das genau zum richtigen Zeitpunkt!" "Wofür? Rechtzeitig zu den Weihnachtseinkäufen?" sage ich, um die Spannung ein wenig zu erhöhen. "Nein. Gerade rechtzeitig für uns. Ich habe ihren Nachfolger gefunden!" freut er sich und schüttelt ein kaum lesbares Fax in der Hand. "Das meinen sie nicht ernst!" sage ich und zeige auf das Fax. "Darauf kann man ja kaum etwas erkennen!" "Muß ich auch nicht", grinst er. "Ich habe die Leute angerufen und die Details überprüft." "Sie vertrauen doch nicht etwa DIESER Arbeitsvermittlung!" rufe ich. "Die können doch weder eine Stellenanzeige richtig veröffentlichen noch einen Computer-Profi finden." "Das ist ihr Irrtum!" knurrt der Chef. "Sie HABEN jemanden für mich gefunden. Mit etwas mehr Erfahrung und er ist nur einen Bruchteil teurer als sie. Und er fängt schon am heutigen Nachmittag an. SICHERHEITSDIENST!" Der Augenblick, von dem der Chef seit Monaten träumt, ist gekommen. "Begleiten sie diesen Herrn nach draußen. Lassen sie ihn nichts berühren und lassen sie sich seine Schlüssel geben. Er soll auf dem Weg nach draußen mit niemandem reden. Und löschen sie seinen Namen SOFORT aus der Angestelltenliste! Prüfen sie seine persönlichen Sachen, ob sich unter ihnen Eigentum der Firma befindet und händigen sie sie ihm dann aus." Zufrieden mit sich selbst stolziert er, der John Wayne der Netzwerke, zurück in sein Büro. Ich werde auf die Straße begleitet und gebe den Sicherheitsleuten meine Schlüssel. Ich werfe noch einen kurzen Blick auf das Gebäude, das einmal mein Arbeitsplatz war und gehe wieder hinein zum Empfang. "Hallo", lächle ich die Empfangschefin an. "Ich wurde gerade als Netzwerk-Administrator eingestellt. Könnten sie bitte meinen Vorgesetzten informieren ..." Ich kann es kaum erwarten, John Waynes Gesicht zu sehen. Oder meinen neuen Lohnscheck. Oder die Mitteilung, daß ich als neuer Mitarbeiter erst einmal eine Woche damit verbringen muß, alle Sicherheitsregeln zu lernen. Mit einer Lohnerhöhung in der Tasche geht der B.O.F.H. auf Nummer sicher und schockiert den PJ ... Als neu angestellter Mitarbeiter an meinem alten Arbeitsplatz muß ich die Regelungen des Arbeitsvertrages erfüllen und nehme daher an einem Sicherheitskurs teil. Es ist die übliche Routinebelehrung, die Geräte, die nicht benutzt werden, abzuschalten und so weiter - Kinderkram. "Kann mir jemand sagen, was das ist?" fragt der Ausbilder und hält ein Stück Stromkabel mit abgeschabter Isolierung hoch. "Ein Unfall, der auf seine Chance wartet", schlage ich hilfreich vor. "Ausgezeichnet! Völlig richtig." ist er begeistert über die bisherige Mitarbeit seines Publikums. "Und was ist das?" fragt er, während er ein Stück eines Datenkabels von ähnlichem Aussehen hochhält. "Ein Unfall, der auf seine Chance wartet", antworte ich noch einmal. "Ähm, nun, nicht ganz", gluckst er. "Doch, wenn sie das Kabel in etwa zwei Zoll Höhe über der dritten Stufe der ziemlich schlecht beleuchteten Treppe von der sechsten in die fünfte Etage anbringen." Die Augen des Ausbilders werden für einen Moment schmal, als er versucht, seinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu bringen ... Erkenntnis spiegelt sich in seinen Zügen wieder. "Sie haben diesen Kurs schon einmal besucht, oder?" "Nun, natürlich habe ich das. Aber ich habe das Zertifikat am Ende nicht bekommen. Niemand scheint es bekommen zu haben; nicht, nachdem sie die Treppe hinuntergestürzt sind, ihr Schlüsselbein brachen und ihre Ausbildungserlaubnis verloren. Ich glaube, es war die dritte Stufe, wo sie den Halt verloren, stimmt´s?" Er knurrt leise, als die Erinnerungen an den Sturz und die Fahrt ins Hospital wiederkommen; die Erinnerung an seine Warnung vor dem Unfall, daß meine ´Einstecken und hoffen´-Politik nicht mit den Richtlinien der Firma übereinstimme. Sein Aussehen erinnert mich daran, daß ein ´Vergeben und Vergessen´ noch nicht zur Firmenpolitik gehört ... Um auf alles vorbereitet zu sein komme ich etwas früher von der Frühstückspause zurück und muß feststellen, daß mein Stuhl nicht mehr da steht, wo er stehen sollte. Ein schneller prüfender Blick läßt mich erkennen, daß einige wichtige Teile fehlen. Ich schiebe den Stuhl nach hinten und suche mir einen anderen aus. Da ich noch immer allein bin, schaue ich mir die Präsentation unseres Ausbilders auf dessen PC an und erlaube mir ein paar kleinere Änderungen an seinen Folien. Als die anderen zurückkommen, lasse ich mich mit einem lauten ´Plumps´ auf meinen Stuhl fallen. Ich kann mir nicht helfen, doch der leicht irritierte Ausdruck im Gesicht unseres Ausbilders entgeht mir nicht, ein Ausdruck, der sich noch verstärkt, als wir zu seiner Lieblingsfolie kommen. Die Folie, die uns auffordert, im Fahrstuhl nicht in der Nase zu bohren oder zu essen, wird ein wahrer Publikumserfolg "Nun, vielen Dank für die Folien", sage ich am Ende des Kurses. "Und ich kann ihnen versprechen, daß ich diese Folie, die vor dem Rindfleisch im Lift warnt, ganz besonders beachten werde. Ein wirklich sehr wertvoller Hinweis - einmal etwas ganz anderes als die üblichen Tips, die Abdeckung von Kabelschächten sorgsam zu prüfen." Am nächsten Morgen kommt der Abteilungsleiter mit einem besorgten Gesichtsausdruck herein. "Hallo, Simon. Ich habe hier eine Beschwerde über sie." "Eine Beschwerde! Über ihn! Das kann ich nicht glauben!" ruft der PJ überrascht und schlägt sich mit der Hand gegen die Stirn. Er übertreibt die Rolle des schockierten Kollegen ein wenig, muß ich sagen. "Ja, unser Sicherheitslehrer hat sich darüber beschwert, daß sie die Folien für seinen Vortrag verändert haben." "PRÄSENTATIONSFOLIEN VERÄNDERT!" macht der PJ weiter und wird vom Abteilungsleiter mit einem eiskalten Blick zum Schweigen gebracht. "Nun, ich habe vielleicht ein paar grammatische Berichtigungen vorgenommen", gebe ich zu. "Aber ich habe nichts getan, was die Qualität der Präsentation nicht verbessert hätte. Wie auch immer, wenn das so schlimm ist, kann er doch seine alte Präsentation mit den Backups wiederherstellen." "Ja, das war auch unser erster Gedanke - bis wir die fehlende Schutzwand gegen störende elektrische Felder im Regal für die Backups bemerkten." Der PJ unterdrückt ein schuldiges Lachen. "Und die Backups, die wir außerhalb der Firma aufbewahren?" schlage ich vor. "Ja, aber es scheint ein Problem mit ihnen zu geben", antwortet der Abteilungsleiter. "Der Inhalt der Bänder scheint nicht mit den Prüfsummenangaben der Barcodes auf den Hüllen übereinzustimmen." "Nun, der Barcode-Leser von einem der Bandlaufwerke hat einen Fehler", antworte ich. "Es ist möglich, daß das Archiv mit der Präsentation auf einem Band mit einer ähnlichen Prüfsumme zu finden ist." "Und wie viele Bänder müßten wir prüfen?" "Etwa 2000 - sie alle haben unglücklicherweise die gleiche Prüfsumme - aber das ist ein Fehler der Software, den ich ihnen in einer Notiz vor, Moment, ja, vor zwei Monaten mitteilte." "Ah, nun, ich sehe keinen Grund, warum er seine Folien nicht noch einmal erstellen könnte", sagt der Abteilungsleiter, kehrt damit die ganze Sache unter den Teppich und verläßt unser Büro. "Gab es diese Notiz wirklich?" fragt der PJ. "Ja, eine Mitteilung, die ihm die Verantwortung überträgt, mit vielen Fachwörtern am Anfang, um ihn abzuschrecken. Nun wird er sie lesen und sehen, daß die Verantwortung bei ihm liegt." "Und was wird geschehen?" "Oh, die übliche Vertuschung - ein Anruf in ein paar Minuten, um sich zu entschuldigen; dann dürfte bald ein verärgerter Sicherheitslehrer durch die Tür da drüben kommen ..." Fünfundzwanzig Minuten später ist meine praktische Demonstration der Gefahren, die von einem Datenkabel, das in etwa einem Zoll Höhe quer über die erste Stufe einer dunklen Treppe gespannt ist, ausgehen, beendet. Ich greife mir ein Blanko-Formular, das die Teilnahme an der Sicherheitsbelehrung bestätigt, vom Stapel, den die Sanitäterin im Treppenhaus zurückgelassen hat, und reiche es dem PJ, damit er die leeren Felder ausfüllt. Die Welt der Netzwerke ist wirklich voller Unfälle, die auf ihre Chance lauern. Der B.O.F.H. leidet unter vorübergehendem Ärger mit den Telefonen ... "Wir haben eine kleines Problem mit der Rufumleitung", ruft der PJ, als er hereinkommt und mit Verschwörermiene auf den Raum mit der Telefonanlage deutet. Ich greife mir den Laptop mit der Diagnosesoftware für die Anlage und folge ihm. Da ich den Laptop nicht wirklich brauche, lasse ich ihn auf den Boden fallen und unterziehe alle möglichen Lauschgeräte, die der Chef ´zufällig´ im Raum hinterlassen haben könnte, einem Belastungstest, indem ich meinen Kugelschreiber in den Lüfterschlitz der Unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) der Vermittlungsanlage schiebe. "Wo liegt das Problem?" rufe ich, um die Geräusche eines Kugelschreibers, der von den besten Ventilatorflügeln im Raum zerlegt wird, zu übertönen. "Der Chef hat etwas über die 0190er-Nummern herausgefunden", schreit er und blickt sich gehetzt um, jeden Moment Entdeckung und grausame Bestrafung erwartend. Eine kleine Goldgrube, diese Einrichtung. Eine eigentlich simple Idee in der Theorie - wir leiten einfach die Anrufe für jedes abgeklemmte Telefon in der Firma zu einer 0190er Nummer weiter, die Ratschläge für die Arbeit mit Computern gibt, und kassieren dabei als Vermittler kräftig mit. Tips wie: "Ihr Problem scheint eine unzureichende Belüftung zu sein. Die einzig mögliche Lösung besteht darin, ihren Computer mit Wasser zu kühlen. Gehen sie zu einem Springbrunnen ..." und so weiter. Es ist beeindruckend, wie viele Anrufe jemand bekommt, der gerade die Firma verlassen hat - für 99 Pence je Minute - und noch beeindruckender ist, wie viele Telefone keine Umleitungssperre haben. So schnell wie möglich rufe ich die 0190er Leute an und erkläre ihnen widerwillig, daß wir ihren Service nicht mehr länger brauchen. Das Geld sollen sie auf ein Konto überweisen, daß ich unter dem wenig bekannten Pseudonym ´Verstorben´ angelegt habe. Die Zahl, die sie nennen, erfreut den PJ und mich sehr. Offenbar kamen mehr Anrufe als erwartet. "Wie konnte der Chef etwas herausfinden?" frage ich. "Ich befürchte, ich habe einen Tippfehler gemacht und statt einer abgeklemmten Nummer eine noch genutzte eingegeben", beichtet der PJ mit überzeugendem Bedauern im Tonfall. Vergebung ist in Krisenzeiten der Schlüssel zum Erfolg, also schlage ich dem PJ vor, daß wir so tun, als ob wir die Vermittlungsanlage reparieren bis der Chef kommt. Minuten später platzt der Chef voller Wut herein, um zu hören, was seine Lauschgeräte nicht mehr mitbekommen können, und landet stattdessen mit einem Fuß auf dem Laptop, der am Boden liegt. Seine langsamen Reflexe schaffen es nicht, den Chef zu bremsen, so daß das Display des Laptops aufspringt, über das er stürzt und mit dem Gesicht zuerst in das Regal mit der Telefonvermittlungsanlage rast. Scheußlich. "Autsch", murmelt der PJ. "Ich wette, daß das verdammt schmerzhaft ist." Der Blick des Chefs bestätigt diese Vermutung, als er sich langsam aus dem baumelnden Kabelsalat befreit ... "Was zum Teufel machen sie hier?" knurrt er und wischt sich mit seinem Taschentuch über das blutige Gesicht. "Wir überprüfen nur diesen lärmenden Lüfter. Es sieht ziemlich ernst aus", sage ich und verpasse dem Ding einen Schlag als Rache für den Ärger in der Vergangenheit. Sagte ich Vergangheit? Ich meinte eigentlich den aktuellen Ärger. Der Lüfter, der endlich genug von meinem Kugelschreiber hat, stoppt plötzlich, gibt ein leises ´Klick´ von sich und läuft polternd aus. "VERDAMMTER MIST!" schreit der Chef, um den automatischen Alarm der USV zu übertönen, was angesichts der Tatsache, daß dieser Ruf auch durch die Wände dringen soll, keine schwere Übung für den Chef darstellt - er schreit ja gern. "SCHALTEN SIE U ... m auf die andere Einheit", vollendet er, als ich die Alarm abschalte. "Da haben wir wohl nicht viel Aussicht auf Erfolg", erklärt der PJ und hält die zerkleinerten Überreste des Laptops mit der Software in den Händen. Offenbar hat das Gerät in den letzten Sekunden ziemlich viel aushalten müssen. "Ich bin untröstlich", sagt er. "Aber irgendwer hat wohl ein Kabel auf dem Boden liegengelassen ..." Wir schauen den Chef an. "... über das ich stolperte." "Zu spät für dieses Ding - holen sie ein anderes!" ruft der Chef, der schon den Selbstschutz beim nächsten Managertreffen im Auge hat. "Können wir nicht", werfe ich ein. "Die Sicherheitskopien befinden sich auf einer defekten Festplatte, die wir aufgrund ihrer Anweisungen nicht ersetzen durften", füge ich noch hinzu, um die Situation zu meinem Vorteil zu wenden. "Hu!" murmelt der PJ. "In ihrer Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Das wird nicht gut für ihr Budget aussehen - dieser Totalausfall der Vermittlungstechnik." "EIN KOMPLETTAUSFALL!?!" keucht der Chef. "Nun, sie sagten doch, daß wir defekte Teile unserer Vermittlungsanlage durch Teile der Zentralvermittlung ersetzen sollen, um Kosten zu sparen ..." antworte ich. Der Chef bekommt ein gehetztes Aussehen. "In Ordnung. Was wollen sie?" "Ich denke, daß sie das schon wissen", lächle ich wohlwollend. Oder ist es übelwollend, ich verwechsle das immer. Zehn Minuten später halte ich die Telefonrechnungen und die Kopien, die der Chef angefertigt und in seinem Safe versteckt hatte, in den Händen. Ich kehre in den Vermittlungsraum zurück, wo die Temperatur der Anlage sich bedenklich der Ausfalltemperatur genähert hat, und demonstriere, wie leicht es ist, die elektrische Sicherung eines Lüfters auszutauschen ... Es ist doch lustig, daß sich manche Dinge immer zum Besten entwickeln, oder? Ein erhitzter Wortwechsel mit dem Chef über die Klimaanlage erhöht die Temperatur im gesamten Gebäude ... An diesem angenehmen Sommermorgen kommt der PJ vom Einkauf in unser Büro zurück. Er hat sich dabei offensichtlich an meine Anweisungen gehalten. "Wirklich ein perfekter, handgemachter elektrischer Wasserkocher mit einer Sicherung, um eine Überhitzung zu verhindern", sage ich voller Zufriedenheit über die Perfektion meines Planes. "Aber wir haben doch eine Kaffee- und auch eine Teemaschine!" sagt der PJ. Während ich den Kocher am Wasserbrunnen fülle, schüttele ich den Kopf über diese Frage. "Was passiert jedes Jahr im Sommer?" frage ich ihn. "Es wird heiß?" rät er. "Korrekt. Und die Klimaanlage tut was?" "Sie fällt aus." "Und wir müssen was tun?" frage ich. "Wir sitzen den ganzen Tag im Vermittlungsraum." "Richtig. Nehmen sie den regelbaren Transformator und kommen sie in den Vermittlungsraum." Er folgt meiner Anweisung, so daß ich wenig später den Transformator auf 5 Volt einstellen und den Kocher anschließen kann, den ich unter dem Gitter eines Fußbodenventilators der Klimaanlage versteckt habe. "Ihre Aufgabe besteht, sofern sie mitmachen wollen - sie haben natürlich gar keine andere Wahl, aber es klingt so gut - darin, dafür zu sorgen, daß diesen Kocher immer schön versteckt bleibt. Darüber hinaus erhöhen sie die Spannung am Transformator pro Tag um 5 Volt." Ich zeige ihm ein Thermostat an der Wand und öffne dessen Umhüllung. "Schritt 2: Drehen sie jeden Tag die Justierschraube entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn um 5 Grad, damit die Klimaanlage annimmt, es wird kälter. Nun, noch Fragen?" "Ja, eine. Was passiert, wenn der Transformator 200 Volt erreicht?" "Ich wette zwanzig Pfund, daß am Kocher nie mehr als 50 Volt anliegen werden." "Glauben sie!" keucht der PJ in Erwartung von leichtverdientem Geld. "Und denken sie daran, daß immer Wasser in dem Kocher sein muß" erinnere ich ihn, denn ich weiß ja, wie vergeßlich er sein kann. Nun, die Wette kommt zustande, und ich befasse mich für ein paar Tage mit dem Testen der Belastbarkeit unseres Netzwerkes. Als ich genug davon habe, die Netzwerkvariante von Doom 2 zu spielen, rufe ich den Chef an und informiere ihn über die Probleme mit der Klimaanlage im Vermittlungsraum. Um den Schein zu wahren, erscheint er auch bald und schaut sich neugierig um. Er betastet die Thermostate ein wenig, schnuppert ein wenig, um die Luftfeuchtigkeit zu prüfen. Als er sein technisches Repertoire ausgeschöpft hat, bestellt er einen Fachmann für Klimaanlagen, der ihm bestätigt, daß unsere Messungen korrekt sind. "Sie brauchen eine neue Einheit", erklärt der Techniker dem Chef. "Die Anlage, die sie zur Zeit benutzen, scheint überlastet zu sein." "Das habe ich dem Chef doch schon im letzten Sommer erklärt", ergänze ich. "Aber er hat sich nicht darum gekümmert. Und nun sehen sie, was daraus geworden ist." Meine vorsichtigen Worte scheinen ihn daran zu erinnern, daß zwischen uns der Kriegszustand herrscht. Er scheint zu ahnen, daß etwas an der Sache faul ist, kann es aber nicht herausfinden, obwohl er sich verzweifelt bemüht, mich zu überführen - ganz besonders nach meinem kürzlich errungenen Sieg, als es um die Vermittlungsanlage ging, wo es ihm ebenfalls nicht gelang, mich zu entlarven. "Ja, dann müssen wir eben eine neue Einheit hier einbauen, aber wo ..." lächelt er und entdeckt den idealen Ort dafür genau vor sich. "Wie wäre es denn hier?" fragt er und deutet auf die Wand zwischen dem Vermittlungsraum und unserem Netzwerkkontrollraum. "Keine gute Idee", sagt der Techniker. "Der Wärmetauscher würde den Raum dahinter in eine Sauna verwandeln." "Nun, es scheint keine andere Alternative zu geben", antwortet der Chef selbstgefällig. "Wie wäre es hiermit?" frage ich und zeige auf eine Lücke zwischen zwei Wärmetauschern an der gegenüberliegenden Wand. "Nein, das geht nicht", unterbricht mich der Chef. "Da stehen schon zu viele Einheiten. Wenn wir eine weitere hinzustellen, gefährden wir die Trägfähigkeit der Decke." Etwas sagt mir, daß er diesmal seine Hausaufgaben gemacht hat. "Also nehmen wir diese Wand", lächelt er. Dabei zeigt er voller Schadenfreude auf einen Platz, der ziemlich genau zwischen meinem Schreibtisch und dem des PJ liegt. Der entsetzte Blick des PJs spricht Bände. Zwei Wochen später ist es in unserem Kontrollraum wirklich ein wenig ungemütlich, erst recht, nachdem jemand den Auftrag gegeben hat, unsere Fenster dauerhaft zu verriegeln. In der Folgezeit geht unsere Besucherzahl drastisch nach unten und erreicht einen neuen Tiefstand. Eigentlich kommt nur noch der Chef täglich vorbei, um durch das doppelt verglaste Fenster hereinzuschauen und hämisch zu grinsen. Bis heute - heute ist der Tag der Vergeltung. Der PJ und ich sind ungewöhnlich früh in unserem Kontrollraum, um meinen Plan zu vollenden. Vollendung heißt nichts anderes, als daß wir die neue Einheit der Klimaanlage abklemmen, sie umpolen und wieder anschließen, so daß wir endlich eine funktionierende Klimaanlage bekommen. "Das wird der Chef bemerken!" ruft der PJ. "Er wird nicht mehr hereinkommen - niemand tut das", antworte ich, um ihn zu beruhigen. "Aber wenn er draußen vorbeigeht, wird er die Rückseite des Wärmetauschers bemerken." "Nicht, wenn sie die Abdeckung ebenfalls austauschen." "Das wird ihn nicht täuschen!" "Ich bin ganz sicher, daß es klappt - neulich hat er herausgefunden, daß ich die Gehäuse des Shredders und des Faxgerätes ausgetauscht habe. Bedauerlicherweise hat der ´Shredder´ automatisch die Zeitungen angewählt und die Berichte über die horrenden Ausgaben an sie gesendet. Boulevardzeitungen können wirklich grausam und verantwortungslos sein." "Was hat der Chef getan, als er es herausfand?" "Was denken sie denn? Zugeben, daß wir ihn zum Gespött der Leute gemacht haben? Ich habe nun noch eine kleine Aufgabe für sie." "Worum geht es?" "Machen sie ihre Abrechnung noch einmal - sie war sein letztes ´Fax´." "Sie Hund!" "Durch und durch, immer auf der Jagd und meine 20 Pfund erwartend ..." Der B.O.F.H. wird zum Vertragskiller, als er Schäden beseitigt, die sein Chef verursachte ... Ich bin nicht glücklich. Eigentlich ist das nicht selten, aber heute bin ich WIRKLICH unglücklich. Der Abteilungsleiter hat gerade eine Zeitbombe dadurch gestartet, daß er ohne nachzufragen einen großen Wartungsvertrag mit einem unserer Hardwarelieferanten abgeschlossen hat, der uns einen fünfzigprozentigen Rabatt einräumt. Nun gefällt mir ein Rabatt bei Wartungsverträgen ungefähr ebenso, wie irgendein anderer Administrator, der meint, man müsse Wartungstechnikern erst einmal mit einem Sack voller Terminatoren auf den Kopf schlagen, aber das klingt wohl ein wenig verdächtig. Der Abteilungsleiter, bekannt dafür, daß er Probleme hat, unverletzt durch lange Korridore zu gehen, hat es irgendwie geschafft, mit diesen hochqualifizierten und geldgeilen Profis, die das Wartungsteam bei der ´Raub-mich-aus´-Gesellschaft bilden, diesen Rabatt auszuhandeln. Nun, wir werden sehen. Und wo ich gerade dabei bin, er behauptet, ohne Hilfe den Weg zu seinem Büro gefunden zu haben, was ich bezweifle. Alles was mir nun bleibt, ist zu sehen, welchen Schwachsinn er da konkret ausgehandelt hat. "Was für ein Vertrag ist es?" frage ich, nachdem er in seinem Büro angekommen ist und mich fröhlich angrinst. "Ein Standardvertrag wie vorher. Nur habe ich die Hunde damit für 20 Jahre FESTGENAGELT!" sagt er hämisch lächelnd. "DAS IST EIN WASSERDICHTER VERTRAG! Deren Anwalt hat sich sogar ein wenig dagegen gesträubt!" "Und UNSERE Anwälte?" frage ich und ahne schon, was jetzt kommen wird. "Die werden überschätzt!", antwortet er. "Das hätte ich mit geschlossenen Augen tun können." Ich schaue mir den Vertrag an und sehe, daß er ihn vermutlich wirklich mit verbundenen Augen unterzeichnet hat. "Nun, eine kleine Frage", sage ich und bereite mich auf eine lange Reise ins Land der Ahnungslosigkeit vor. "Ja?" "Sie wissen, daß WIR ebenfalls für 20 Jahre an diesen Vertrag gebunden sind?" "Natürlich." "Nun, merken wir uns das einmal und dann zeigen sie mir bitte irgendein - IRGENDEIN Gerät, das wir schon länger als 5 Jahre haben, ganz abgesehen von 20 Jahren!" Ein Groschen beginnt zu fallen. Langsam. "Oh ... Ah ... Nun ... Keines?!?" piepst er, als der Groschen am Boden ankommt und sich in dieser Hinsicht als lohnende Investition erweist. "Nicht ganz", sage ich. "Wir haben diese große Lochkarten-Stanzmaschine von IBM im Computerraum. Und wissen sie wieso wir die noch haben?" "Um Lochkarten herzustellen?" "Nein, denn wir haben ja keine Lochkartenleser mehr ..." "Ballast für die Klimaanlage!" platzt er heraus und hofft auf einen Treffer. "Nein. Gut, wenn wir die Maschine abstellten, dann wären einige der Lüfter nicht mehr nötig, aber das ist nicht der Grund. Wir haben diese Maschine noch, weil das Gebäude praktisch um sie herum errichtet wurde. Als Schrott könnten wir wohl noch etwa 200 Pfund für sie bekommen, aber wir können das Geld nicht bekommen, WEIL SIE ZU GROSS IST, UM SIE HINAUS ZU TRANSPORTIEREN!" "Ich weiß nicht, worauf sie hinauswollen", gesteht der Abteilungsleiter. Ich prüfe zur Sicherheit noch einmal den Vertrag. "Nun, sie haben einen BINDENDEN, WASSERDICHTEN Vertrag unterschrieben, der besagt, daß wir ihnen monatlich 2000 Pfund bezahlen, jeden Monat der nächsten zwanzig Jahre, damit sie sich um einen Mini-Computer kümmern, der in etwa fünf Jahren jeden Wettkampf gegen einen Taschenrechner verlieren dürfte. Und sie haben offenbar nicht einmal ihre Erlaubnis verlangt, bevor sie diesen Vertrag unterschrieben?!" "Welche Erlaubnis?" "IHRE VERDAMMTE ERLAUBNIS ZUM GELDDRUCKEN! SIE HABEN IHNEN ALLES GEGEBEN! DIE EINZIGE SACHE, DIE SIE VERGESSEN HABEN, WAR EIN HAFTUNGSAUSSCHLUSS!" rufe ich und bin dem Wahnsinn nahe. Ein eiskalter Gedanke geht mir durch den Kopf. "Sie haben ihnen keinen kompletten Haftungsausschluß gegeben, oder?" "Was meinen sie?" fragt unser qualifizierter und professioneller Entscheidungsträger. "Kompletter Haftungsausschluß bei Unfällen. Sie wissen schon, die Leute gehen durch einen Korridor und lassen einen Schraubenzieher fallen, der durch ein Loch für die Belüftung fällt und auf irgendeiner Maschine landet, einen Kurzschluß verursacht und die Maschine in ihre Einzelteile zerlegt. Mit einem Haftungsausschluß hört deren Verantwortung bei einem ´Entschuldigung´ auf." "Ähm ... Nein, nein. Ich bin mir sicher, daß ich das nicht gemacht habe, weil ein Techniker irgendwann meinen Lieblingskugelschreiber zerstört hat, den er auch bezahlen mußte." "Nun, bei 2000 Pfund im Monat werden die Kosten für einen Kugelschreiber sie wirklich in den Ruin treiben." Zwei Wochen später kommt der Techniker von der ´Raub-mich-aus-für-20-Jahre´-Gesellschaft. Um uns das Gefühl zu geben, er verdiene sein Geld, schraubt er das Gehäuse auf, wirft einen Blick auf die Diagnose-Lämpchen, schreibt ein paar Zahlen auf, lächelt selbstgefällig und schließt das Gehäuse wieder. In Wirklichkeit ist er so von sich selbst überzeugt, daß er nicht bemerkt, wie der PJ ihm einen seiner Schraubenzieher klaut und damit verschwindet. Er bemerkt auch nicht die ein wenig hervorstehende Kachel am Boden des Korridors. Bis sein Fuß auf ihr landet und damit, wie geplant, einen Mechanismus auslöst, der ein sehr, sehr lautes ´BANG!!´ unserer unbezahlbaren und historisch wertvollen ersten Lochkartenmaschine erzeugt, als sie mit dem Schraubenzieher des Technikers zwischen dem Netzteil und den nun kurzgeschlossenen Netzkabeln explodiert. Und da es sich um eine alte Maschine handelt, geht sie prompt in Flammen auf. Möglicherweise wird dieser Vorgang noch durch ein petroleumgetränktes Tuch beschleunigt, daß der PJ und ich in weiser Voraussicht in sie hineingestopft haben ... Der Abteilungsleiter und ein Anwalt tauchen lautlos hinter uns auf. Der Anwalt betrachtet sich die Zerstörungen und der Abteilungsleiter den unschätzbaren Betrag, den er mir bei der nächsten Verhandlung über meinen Lohn schuldet ... Der B.O.F.H. zeigt, daß Dummköpfe nicht auf Bäumen wachsen, sie stattdessen über mehrere Jahre lang trainiert werden müssen ... "Hallo. Ist dort die Netzwerk-Verwaltung?" fragt ein Nutzer über die Freisprechanlage. Ich nehme das LAN-Topologie-Überwachungs-Gerät (VR Brille \[VR: Virtual Reality\]) ab und beende die Verbindung mit dem leistungsfähigen Netzwerk-Analyse-Server (VR Panzerschlacht Game-Server), um meine Aufmerksamkeit dem Anrufer zuzuwenden. Die Rufnummernidentifizierung meldet, daß er aus der Erbsenzählerzentrale kommt. "Ja, hier ist die Netzwerk-Verwaltung", antworte ich. "Gut. Ich habe ein Problem mit dem Herunterladen einer Datei aus Brüssel mittels FTP. Die Verbindung wird immer nach genau einem Megabyte abgebrochen." Der PJ grinst zu mir herüber, schreibt hastig einen Zettel voll: "HEUTIGES LIMIT 1024K" und deutet auf die Packet-Filter Software. Langsam wird er richtig gut. "Ah, ja", sage ich und blättere im Ausredenkalender. "Wir haben im Moment mehrere Fälle dieser Art. Wir glauben es liegt an ... Netzwerk-Destabilisierung durch floureszierende Niedrigspannungslampen." "Wie bitte?" "Nun, wenn eine fluoreszierende Lampe eingeschaltet wird, sendet sie einen Strom durch das Kabel zurück, was zu Interferenzen in Netzwerkkabeln führt, die daneben liegen. Gerade bei niedrigen Spannungen tritt dieser Effekt verstärkt auf." \[Aus dem Bastard-Wörterbuch: DUMMY MODE, Substantiv. Der Zustand in dem der Nutzer, überwältigt durch technische Begriffe, alles glaubt und/oder tut, was ihm gesagt wird.\] "Oh. Und was kann man da tun?" \[Habe ich es nicht gesagt?\] "Naja, heute können wir nichts mehr unternehmen, denn irgendetwas erzeugt offenbar ständig diese Ströme. Wie groß ist denn die Datei, die sie brauchen?" "Etwa 1.6 Megabyte." Ich kritzele auf den Zettel des PJ: "MORGIGES LIMIT 1.59 MEGEBYTE" und gebe ihn ihm zurück. "Nun", erwidere ich. "Gibt es in ihrer Etage irgendwelche Lampen, die mit niedriger Spannung betrieben werden?" "Ich habe keine Ahnung." "Nun, sie müßten klein sein, meistens sind es rechteckige Lämpchen, wie man sie in Anzeigen oder Displays findet." "DIE NOTAUSGANGS-SCHILDER!!" ruft er, als er endlich das Ende des Pfades gefunden hat, auf den ich ihn schickte. "Natürlich!" rufe ich und teile seine Begeisterung. "Sie sind über den Türen angebracht, wo auch die Netzwerkkabel liegen. Nun, es sieht so aus, als könnten sie im Moment nichts unternehmen - und wir können die Kabel leider auch nicht so schnell neu verlegen. Ich bedaure ..." "Und könnten wir nicht die Notausgangsschilder woanders anbringen?" "Oh, ich fürchte, WIR können dies nicht, selbst wenn wir die Zeit hätten." "Oh?" "Nein, wir haben einfach nicht die Zeit, die Abdeckung der Kabelschächte abzunehmen, dann jedes Ausgangsschild mit seinem Kabel ein paar Meter von den Datenkabeln wegzuschieben und die Abdeckung wieder anzubringen." "Oh", antwortet er. Das Rattern seiner Gedanken ist dabei beinahe zu hören. "Dann muß ich eben versuchen, die Datei in kleineren Paketen zu übertragen." Ich lege auf, streiche auf dem Zettel des PJ die 1024K durch und ersetze sie durch 50K. Ich nicke ihm zu, den Filter entsprechend einzustellen. "Er wird es nicht tun ..." sagt der PJ. Er ist so jung und hat doch schon kein Vertrauen mehr ... "10 Pfund?" frage ich. "Es ist ihr Geld", sagt er naiv an leichtverdientes Geld denkend. Der nächste Morgen bricht an und ich verstaue einen druckfrischen neuen 10 Pfund-Schein in meiner Geldtasche. Der PJ hat mit Empörung festgestellt, daß die Notausgangsschilder tatsächlich nicht mehr über den Türen leuchten, sondern links und rechts an der Wand des Notausgangskorridors, damit sie die Netzwerk-Kabel nicht mehr stören. "Man sollte niemals die Verzweiflung eines Nutzers unterschätzen", erkläre ich und bringe ihm so einen weiteren wichtigen Grundsatz der Kunst der Netzwerkbetreuung bei. Um ihn ein wenig abzulenken, lasse ich ihn neue ´Kabellose Infrarot-LAN-Sender und -empfänger´ (Infrarot-Kameras) in der Erbsenzähleretage installieren. Ich verteile noch ein paar Kabelrollen, so daß es aussieht, als seien wir sehr mit Arbeit beschäftigt. Etwas später an diesem Nachmittag ist die Netzwerkzentrale beinahe mit befreundeten Netzwerkadministratoren aus anderen Firmen überfüllt. "Sie kennen die Regeln", erkläre ich. "20 Pfund pro Spieler mit Ausnahme des PJ und mir, denn wir sind die Gastgeber und beginnen auch mit der Wahl unseres Spielers." Zustimmendes Nicken, als der PJ die Wetteinsätze einsammelt und wir die Spiel-Monitore einschalten. Als jeder seinen Spieler ausgesucht hat, kann es losgehen. "Laßt das Spiel beginnen!" rufe ich, betätige den Schalter, der das Licht in der Erbsenzähleretage und den Treppen abschaltet und löse den Feueralarm aus. "Gewonnen hat der, dessen Spieler als erster das sichere Treppenhaus erreicht!" Durch die Infrarotmonitore beobachten wir, wie das Chaos ausbricht, wie jeder in der Dunkelheit verzweifelt versucht, in die scheinbare Sicherheit, die die matt leuchtenden Notausgangsschilder versprechen, zu gelangen. Der Tribut, den die neuangebrachten Schilder von den Wänden verlangen, ist recht hoch und wird sich vermutlich nur durch eine dicke Schicht Putz wieder berichtigen lassen. Nächstes Hindernis (für die schlaueren Wettbewerber) auf der Liste sind Kabelkisten, die der PJ zufällig in den Korridoren verteilt hat. "Das ist wie Pinball mit mehreren Kugeln!" ruft der PJ begeistert. Zehn Minuten später zähle ich meinen Gewinn - denn natürlich hat der Erbsenzähler, der die Schilder neu angebracht hat, gewonnen ... Und da behaupten manche noch, mit Netzwerken könne man kein Geld verdienen. Die Handschrift des B.O.F.H. entwickelt sich zu kindlichem Gekritzel beim Versuch, astronomisch hohe Ausgaben ersetzt zu bekommen ... Es ist ein angenehmer Tag in der Netzwerkzentrale, als ich zu einem Treffen mit den Erbsenzählern schlendere. Es soll um die Spesenabrechungen gehen, die ich für die letzten beiden Monate abgegeben habe. Es sieht so aus, als hätte sich die brandneue, topmoderne und mit überflüssigen Funktionen nur so vollgestopfte Schrifterkennungssoftware (zur Erfassung von Spesenabrechnungen und deren Überführung in Tabellen, um dann allerlei mystische Berechnungen vorzunehmen, um denjenigen zu finden, der all die Spesengelder ausgibt) sich an meinen Belegen und Rechnungen verschluckt. Vielleicht, und hier muß ich raten, liegt das daran, daß ich nicht WILL, daß jemand herausfindet, wieviel ich wirklich ausgebe. Wenn ich wollte, daß der Chef ´Bier und Wodka´ auf meinen Spesenabrechnungen liest, würde ich in Großbuchstaben ´BIER und WODKA´ schreiben und nicht ´Briek und Brohrl´ hinkritzeln, als hätte ich eine Schreibhemmung. Es ist schließlich ein Vorrecht von Netzwerk-Administratoren, sich für ihr eigenes Geld ein paar Chips zu kaufen, sich dann eine horrende Rechnung vom Bartisch zu greifen und die Firma dafür zahlen zu lassen! Ja, das ist ein gottgegebenes Recht! Ich bereite mich geistig und moralisch mit ein paar Gläsern Bier und Chips in der nahegelegenen Kneipe auf das Treffen vor. Zehn Minuten später bin ich in der Erbsenzählerzentrale und rede mit einem ihrer Repräsentanten. "Gut, kommen wir zu den Spesen für Essen und Trinken ... was soll das heißen?" fordert der Erbsenzähler mich heraus. "Briek und Brohrl. Was zum Teufel sind Briek und Brohrl?" "Lassen sie mich mal sehen ... " antworte ich und heuchle Hilfsbereitschaft. "Oh! Das ist Rindfleisch! Ich habe wohl ein Steak gegessen!" "Und Brohrl?" "Brohrl. Hmm ... Brüsseler Kohl, Rosenkohl!" "Sie haben für 150 Pfund Steak und Rosenkohl gegessen??" "Könnte schon sein. Es war außerhalb der Steak- und Rosenkohl-Saison ... Übrigens sehr lecker, wenn es richtig zubereitet serviert wird. Und es war ein sehr großes Steak ... " Eine halbe Stunde, die wir mit kreativer Veranschaulichung von Speisen zubringen, später ... "Was ist das?" fragt der Erbsenzähler. "Briek und Escrot?" "Nun, das erste ist offensichtlich wieder Rindfleisch und das andere ... hmmm ... sieht irgendwie wie ESCORT aus, stimmt´s?! HA HA HA! Stellen sie sich das vor - die Firma zahlt für einen Begleit-Service! Nein, ich weiß wirklich nicht, was es sein könnte - irgedeine Delikatesse, die sie im Kongreßzentrum von Amsterdam servieren?" Natürlich habe ich es kommen sehen. Die neue Handschriftanalyse-Software kann ohne Probleme mein ´Briek und Brohrl´ und mein ´Ligord und Amno´ lesen, übersetzen und auch noch herausfinden, wo ich was zu mir genommen habe, wieviel ein Treffer gekostet hat und wie ihr Name war! Ich glaube nicht, daß ich betonen muß, daß diese Entwicklung alles andere als positiv ist. Zum Glück glaube ich fest daran, daß bei der Weiterentwicklung der Technik die Menschen sich schrittweise zurückentwickeln sollten, was eine Form von Selbstverteidigung ist. Also begann ich, meine Schreibgeräte und Schriftgröße zu variieren und füllte meine Formulare halb mit einem Buntstift und halb mit Fingerabdrücken aus (was alles der gegenwärtigen Vorschrift entspricht, die vorschreibt, daß Spesenabrechnungen handschriftlich ausgefüllt werden müssen). Möglicherweise ist es auch die unterschiedliche Größe meiner Buchstaben, die der Software Probleme macht. Manchmal sind die Buchstaben 16 Punkte groß, manchmal auch 1600 ... Die Ankunft eines neuen Erbsenzählers, der den alten, der wirklich erschöpft aussieht, ablöst, weckt mich aus meinen Gedanken ... "Simon, nur noch ein paar Unklarheiten", beginnt der neue Erbsenzähler. "Mmmm?" antworte ich zu jeder Hilfe bereit. "Dies hier. Es ist eine senkrechte Linie. Buntstift, oder?" "Ja. Das müßte stimmen. Ich glaube, das ist der erste Strich vom K im Wort Kalbfleisch." "Hä?" "Ich hatte einen Krampf in der Hand und konnte nicht kleiner schreiben. Ich konnte den Stift kaum halten, aber vergessen wollte ich es auch nicht. Ich werde doch nicht bestraft wegen dieser kleinen Behinderung?" Die Worte ´kleine Behinderung´ versetzen ihn in Angst und Schrecken. Das Management legt auf politische Korrektheit besonders großen Wert, und die kleinste Geschmacklosigkeit gegenüber Behinderten wird mit einem sofortigen Rauswurf geahndet. "Aha. In Ordnung. Aber Kalbfleisch für 100 Pfund?" fragt er nervös. "Es gab eine Salattheke und Weintrauben." "Ich verstehe. Und dies? Das sieht aus wie ein Farbkleks." "Ein Fingerabdruck." antworte ich. "Steak Sandwich. Sehr selten. Schauen sie, hier können sie das S erkennen." "Es ist ein Fleck!" "Nein, es heißt wirklich Steak Sandwich. Ich mußte es abkürzen, damit es auf das Formular paßt, denn mein Finger kann keine dünneren Linien malen." "Warum haben sie keine Tastatur benutzt?" "Was? Um RSI \[Repetitive Strain Injury - ´Tastaturkrankheit´\] zu riskieren?" Zehn Minuten später gibt der zweite Erbsenzähler gebrochen auf und zählt einfach die Einzelposten zusammen. "Oh!" rufe ich plötzlich. "Ich habe noch etwas." "Was ist das?" fragt er. "Briek und Clops von heute?" "Das steht für ... Rindfleisch und Chips." "Sie hatten zwei Schüsseln davon." "Natürlich, ich muß auf Proteine achten!" Es ist ein Hundeleben, wirklich ... Der B.O.F.H. verlangt nach einer lästigen Nutzeranfrage Gebühren ... Es ist Zeit, die Ausbildung des PJ fortzusetzen, also führe ich ihn durch einen Computerraum, als ein Anruf kommt. Was zum ...? Nun, niemand außer uns ist im Raum, also gehe ich ans Telefon. "Hallo." "Ist dort der Computerraum?" "Ja ..." "Sind sie der Systembetreuer?" Ich schaue mich schnell um - außer dem PJ gibt es keine Zeugen. "... Ja ..." "Ich glaube, sie haben eine defekte Festplatte in ihrem Datenbankserver." "Wirklich? Wie kommen sie darauf?" "Nun, meine Datenbank-Updates funktionieren nur sehr langsam." "Welche Updates?" "Ich versuche, die mittleren Initialen aller Angestellten und Geschäftspartner seit 1991 durch große Buchstaben zu ersetzen." "Wie ... sinnvoll. Und sie erwarten, daß diese ganze Arbeit in wenigen Augenblicken erledigt ist?" "Handelt es sich etwa nicht um ein Festplattenproblem?" "Nein, wir würden es schon vorher wissen, denn die Festplatten sind mit einem Warnsystem ausgestattet, das einen Ausfall ankündigt." "Wirklich?" "Ja, und ich sage voraus, daß sie in drei Sekunden ausfallen." "Wieso?" "Weil ich die Server dann abschalte." Ich höre einen ganzen Sturm von Tastenanschlägen, aber sie kommen zu spät, um noch etwas zu bewirken ... Ein paar Rüttler an den Kabeln und einen lauten Klick später beginnt ein rasch improvisierter Neustart der Festplatten, dem eine automatische ´Reparatur´ folgen wird. Der PJ, dem seine Ausbildung wichtig ist, beobachtet aufmerksam alles und macht sich Notizen. "Keine Zeugen", erinnere ich ihn, als wir zum nächsten Gerät gehen. Gerade rechtzeitig sehe ich noch, wie der Chef um die Ecke biegt und zu uns kommen will. Noch ein &gt;Klick&lt; und der Beweis für unser Handeln verschwindet. "Was ist passiert?" fragt der Chef aufgeregt. "Wann?" frage ich überrascht und ahnungslos zurück. "Gerade eben - meine Datenbank-Sitzung blieb einfach stehen!" Der PJ und ich stellen uns dumm, solange der Chef die Nachrichten auf den Kontrollmonitoren nach Spuren der Bastardisierung untersucht. Natürlich findet er nichts, so daß er nach ein paar Minuten wieder verschwindet. Als ich sicher bin, daß er nicht so schnell zurückkommen wird, schließe ich die Konsolen wieder an den Datenbankserver an und beobachte die Meldungen, die das Festplattenreparaturprogramm auf den Monitor zaubert. Der Chef ist so berechenbar, daß er in ein Laufrad gehört. Das Telefon im Computerraum klingelt wieder. Der PJ greift danach. Ich schüttle meinen Kopf und forme mit den Lippen das Wort "Ausbildung". Ich greife nach dem Hörer. "Hilfe, meine Tabellen spielen verrückt!" heult der Nutzer. "Beschreiben sie das näher", fordere ich ihn auf. "Nun, dort, wo der Eintrag aus der Datenbank kommen soll, funktionieren sie einfach nicht!" "Hmm. Das klingt ganz nach einem Prä-Revisions SQL-Befehl in ihrer Tabelle." &gt;DUMMY MODE EIN&lt; "Hä?" "Also, öffnen sie ihre Tabellenkalkulation. Irgendwo im Menü gibt es einen Eintrag zur Ausführung von SQL-Anweisungen." "Ah ... Oh, ja, hier ist er!" "Gut. Jetzt klicken sie auf den Eintrag. Dann sollte ein Fenster aufgehen, in dem ´SELECT irgendetwas FROM irgendwo WHERE irgendetwas anderes´ steht." "Ja, das steht da." "Jetzt löschen sie alles bis auf das, was zwischen FROM und WHERE steht." "Gut, jetzt steht nur noch HR\_IDX, ein Komma, HR\_SAL\_SCALE, wieder ein Komma und HR\_NAME da." "Richtig, das sind die fehlerhaften SQL-Anweisungen, die sie loswerden wollen. Also schreiben sie jetzt vor jeden Eintrag ´DROP´ und ersetzen sie die Kommas jeweils durch ein Semikolon. Dann lassen sie jedes DROP auf einer neuen Zeile stehen. Nun müssen sie noch die ´Automatisch ausführen´-Option aktivieren und sich mit dem Login und dem Passwort des Chefs anmelden, um die SQL-Fehler zu beseitigen." "Aber ich kenne das Passwort doch nicht!" "Natürlich kennen sie es. Es ist der Name seiner Frau, oder?" "Ihr zweiter Vorname. Aber er hat gesagt, wir sollten es nicht nutzen, weil er speziellen Rechte hat, um ..." "Um fehlerhaftes SQL zu berichtigen, was sie tun wollen ..." "Oh ... &gt;Klick. Klick. Klick.&lt; ... Das ist lustig. Meine Tabelle ist nun völlig leer!" "Das ist korrekt so, weil die Reparaturen einige Zeit dauern werden. Und vergessen sie nicht, ihren Chef über die ´Reparatur´, die sie gemacht haben, zu informieren." "Mache ich. Vielen Dank!" "Schon gut. War mir ein Vergnügen. Wirklich." Kaum habe ich aufgelegt, klingelt das Telefon schon wieder. "Computerraum ..." seufze ich. "Hallo, wir haben ein Problem mit der Angestellten-Datenbank. Es sieht aus, als sei die Hälfte der Einträge verschwunden!" "Ja", murmle ich. "Wir arbeiten zur Zeit daran." "Oh. Gut, und läuft es jetzt?" "Natürlich. Und schon bald können sie sie wieder nutzen ..." "Großartig!" "... wenn sie darauf zugreifen können. Die Gebühren für eine Anfrage betragen heute fünf Pfund." "Was?!" "Pro Anfrage!" "Sie machen Witze!" "Pro Minute." "Das können sie nicht tun!" "Da haben sie Recht. Ich kann das nicht tun - ich habe nämlich Mittagspause, aber vielleicht kann ihnen mein Assistent helfen." Ich gebe den Telefonhörer dem PJ und marschiere in die Cafeteria, um zu prüfen, wie der Kaffee heute schmeckt. "Zehn Pfund", höre ich den PJ fordern. "Was?" "Pro Anfrage und pro Minute." Fünfzehn Minuten später gesellt er sich zu mir, um mir in der Cafeteria die wilde Horde von Nutzern zu beschreiben, die darauf lauert, die Systembetreuer in ihre Hände zu bekommen. Man kann für diese Genugtuung nicht bezahlen. Es sei denn, man ist ein Nutzer ... Der B.O.F.H. verbringt einen Tag als Hotliner ... "Also, ich denke, es wäre gut für die Zusammenarbeit der Abteilungen untereinander, wenn wir alle für einen Tag einmal in einer anderen Abteilung arbeiten", erklärt der Chef, um seinen ´Job-Sharing´-Plan zu verteidigen, mit dem er uns ungefähr alle sechs Monate nervt. "Der Geschäftsführer war begeistert von meiner Initiative!" "Sicher wissen sie, daß dann unser Netzwerk ohne Aufsicht ist, oder?" "Genau deshalb werden sie an der Hotline arbeiten", antwortet der Chef lächelnd. "Sie werden dann als Erster erfahren, ob es Probleme gibt ..." Alle Argumente, die ich vorbringe, werden doppelt so schnell vom Chef zurückgewiesen, was bedeutet, daß ein Tag in der Höllen-Hotline unvermeidlich ist. Der PJ, gesegnet sei er, riecht den Braten. "Was ist passiert?" fragte er. "Der Chef kann einfache Fragen nicht beantworten, selbst wenn er die Nacht zuvor mit dem Studium von Fachliteratur zugebracht hat, aber heute hat er plötzlich Antworten auf alle Probleme! Und sie haben nicht einmal gekämpft. Es scheint beinahe so, als hätten sie es darauf angelegt, einen Tag lang die Fragen dummer Softwarenutzer zu beantworten! Was ist los!?!?" Leider ist es notwendig, daß ich jemanden in meinen Plan einweihe. Und sei es auch nur, um zu beweisen, daß ich noch immer die volle Kontrolle habe. "Schauen sie sich mal in der Abteilung um", sage ich. "Betrachten sie die Ausrüstung! Wo steht stets die neueste Technik?" "Nun, in der Hotline - die brauchen immer das Neueste und Beste, um die Software der Anrufer auf ihren Maschinen zu testen. Aber ich verstehe nicht ..." "Wieviel RAM-Speicher hat ihr PC?" will ich wissen. "16 Megabyte." "LÄCHERLICH!" rufe ich. "Warum? Nun, jeder PC in der Hotline hat mindestens 32, einige haben sogar 64!" "SIE HABEN VOR, IHNEN HARDWARE ZU STEHLEN!" antwortet der geschockte PJ. "Aber wir ... wir teilen uns doch alles, oder?" "Ja, mein Freund!" rufe ich und fülle meine ´Brotbüchse´ mit Werkzeug. Am nächsten Morgen bin ich schon vor Arbeitsbeginn (!) vor Ort, um meinen neuen Posten einzunehmen. Das Telefon klingelt schon fünf Minuten vor der offiziellen Bürozeit. Aber ich bin so gut gelaunt, daß ich mich melde. "Hallo, ist dort die Hotline?" fragt eine nervöse Stimme. "Aber natürlich", antworte ich hilfsbereit. "Auf der Platte meines Bildbearbeitungsrechners ist kaum mehr Speicherplatz frei. Jemand hat mir empfohlen, daß ich alle nicht genutzten Dateien mit einem ´Komprimierprogramm´ zusammpacken soll. Aber welches Programm soll ich dazu denn benutzen?" "Sie haben einen Macintosh, stimmt´s?" frage ich. "Ja, den Grafik-Server der Abteilung", antwortet er. "Genau. Nun, sie können den Standard-Komprimierer benutzen, der auf dem Desktop installiert ist. Ich glaube, er heißt ´Papierkorb´." "Aber kann man damit nicht Dateien löschen?" "Nein, dafür ist die ´ENTFERNEN´-Taste da. Aber sie haben keine auf ihrem Computer, also sind sie völlig sicher. Ziehen sie die Dateien einfach auf den ´Papierkorb´-Ordner und wählen sie dann ´Papierkorb leeren´, damit der Komprimierer die Dateien komprimiert." "Wirklich?" "Ja. Das ist übrigens eine sehr effiziente Methode zum Komprimieren. Sie werden überrascht sein, wieviel freien Platz sie durch die Arbeit des Komprimierers gewinnen." Ich lasse den armen Idioten seine gesamte Arbeit für die Abteilung ´komprimieren´ und widme mich wieder meiner eigentlichen Beschäftigung. Ich entferne alle Coprozessoren und überflüssige RAM-Bausteine, nachdem ich im BIOS die nötigen Änderungen vorgenommen habe, damit die BIOS-Routinen die fehlende Hardware nicht bemerken. Ein Kinderspiel, wirklich. Um eine Entdeckung sicher zu verhindern, schalte ich noch überall wo es geht den virtuellen Speicher ein. In der Zwischenzeit ist der PJ damit beschäftigt, unsere Nummern aus dem Telefonverzeichnis der Hotline zu entfernen. Danach schließt er die Batterien und die Speicherchips der Telefone kurz, was zwangsläufig und irgendwie zufriedenstellend die noch gespeicherten Nummern löscht. Das Telefon klingelt, und da die Maschine des PJ noch immer mit heraushängenden Innereien dasteht, nehme ich den Anruf an. "Hallo, Hotline?" fragt der Anrufer. "Ja, was kann ich für sie tun?" frage ich noch immer bestens gelaunt, denn die Menge der verkäuflichen Hardware in meiner ´Brotbüchse´ nimmt schnell zu. "Ich habe meine Software aktualisiert, und nun spielt das CD-ROM-Laufwerk keine Musik-CDs mehr." heult der Anrufer. "Nun, das liegt vermutlich nur an Staubablagerungen auf der CD-ROM-Linse", antworte ich. Ich weiß natürlich, daß diese Problem auf der ersten Seite des Handbuches beschrieben wird, doch wer liest heute noch Handbücher? "Was kann ich nur tun?" "Nun, sie haben doch sicher von ihrem CD-ROM-Hersteller eine speziell für diesen Laufwerkstyp vorgesehene Reinigungs-CD?" frage ich. "Äh ... nein", kommt die Antwort. &gt;DUMMY MODE EIN&lt; "In Ordnung, bleiben sie ganz ruhig. Dann müssen wir eben mit einer leichtbeschichteten Schleifscheibe improvisieren." "Großartig!" freut sich der Anrufer. "Wie?" "Nun, leihen sie sich am besten gleich morgen beim Hausmeister ein Blatt feinbeschichtetes Schleifpapier. Dann nehmen sie sich eine ihrer CDs als Schablone und schneiden eine Schleifpapierscheibe mit der Größe der CD aus. Dann legen sie diese Scheibe in ihr Laufwerk und starten es." "Aber wie kann ich merken, daß alles fertig ist?" "Nun, sie werden hören, wie das Laufwerk hochfährt. Dann hört es langsam wieder auf zu rotieren. Wenn das Laufwerk keine Geräusche mehr von sich gibt, ist die Reinigung abgeschlossen." "Vielen Dank!" freut sich der Anrufer, dann legt er auf. ... Der PJ und ich sind beinahe traurig, als wir am Ende des Tages die Hotline verlassen. Irgendwie ist ihr Potential doch sehr vielversprechend. Ich erlaube mir ein düsteres Lächeln, als ich ein Streichholz im Schlüsselloch der abgeschlossenen Tür zur Hotline plaziere. Da müssen sie morgen wohl etwas später beginnen ... Der B.O.F.H. und der PJ breiten ihr Netzwerk der Verdammnis über das ganze Land aus ... Der PJ und ich sind in Feierstimmung. Die Chefetage hat schließlich dem Plan zugestimmt, Zugangsprovider für das Internet in allen Städten zu werden, in denen wir Außenstellen haben, um unsere Betriebskosten ein wenig zu senken. Freilich ist das ein langfristiger Plan, denn für die nächsten Wochen bedeutet es, daß der PJ und ich unzählige Überstunden in Büros in fremden Städten damit zubringen werden, mit unseren Systemen zu kämpfen, um sie idiotensicher einzurichten. Der Ursprung für die Idee der Erweiterung unseres Angebotes liegt etwas länger zurück. Damals hat der Geschäftsführer all die schöne Videokonferenzsoftware, die es für das Internet gibt, gesehen. Und nach den diversen Fehlschlägen und Reinfällen des letzten Jahres bei der Realisierung seines eigenen Videokonferenzsystems schöpfte er neue Hoffnung. Seine Augen glänzen, wenn er daran denkt, gleichzeitig in allen Außenstellen auf den Monitoren zu erscheinen. Ich glaube nicht, daß es angebracht wäre, ihn daran zu erinnern, daß die Software-Clients natürlich über eine eigene Bediensoftware verfügen ... Als ich seine Unterschrift hatte, setzte ich sofort alle Räder in Bewegung und kündigte den Vertrag mit unserem Internet Service Provider - ein Unternehmen, das noch immer nicht weiß, auf welcher Seite es die Datenautobahn befahren soll und annimmt, daß das World Wide Web etwas mit Spinnen und Delphinen zu tun hat. Natürlich haben sie uns trotzdem dafür bezahlen lassen, daß sie den Hohlraum in ihren Köpfen als Wissen bezeichneten. Aber als wir anriefen, um ihnen mitzuteilen, daß IHR Router WIEDER abgestürzt war, wußten wir, daß das Ende nah ist. Der PJ macht sich mit tapferer Miene auf, um eine Woche in einer unserer Außenstellen in Schottland zu verbringen. Da das Appartement, das der Firma gehört, für einen Mr. Babbage reserviert wurde, der übrigens vor einer Woche auch das walisische Firmenappartement reserviert aber nicht besucht hatte, muß der PJ in einem Luxushotel übernachten. Dieser Mr. Babbage ist auch dafür verantwortlich, daß ich die vergangene Woche im Hotel untergebracht war. Viel von meinem Zimmer habe ich wegen der reichlich vorhandenen Arbeit allerdings nicht gesehen - durch ein zufälliges Zusammentreffen glücklicher Umstände fiel meine Arbeitszeit mit den Öffnungszeiten der Hotelbar zusammen. Das war wirklich reiner Zufall, mußte ich auch dem Chef erklären, als er mich zwei Tage später über die astronomische Bar-Rechnung befragte. Völlig ehrlich kann ich sagen, daß ich WIRKLICH keine Erinnerung daran mehr habe, diese Bar jemals betreten zu haben. Wie auch immer, um dem Chef zu demonstrieren, daß unsere Bemühungen erfolgreich sind, erkläre ich ihm, daß eine Firma von der anderen Straßenseite (und nur einen kurzen Weg durch die städtischen Abwasserleitungen entfernt) sich dafür interessiert, durch uns an das Internet angebunden zu werden. Ich rechne ihm die zusätzlichen Profite vor, die wir dadurch erzielen können. Aufmerksam betrachtet der Chef das dicke Kabel, das in ihrem Router verschwindet, und die vier USV-Segmente mit Kabeln, die aussehen wie Netzkabel. Zurück in unserem Haus bemerkt er die Enden der UTP-Kabel (Unshielded Twisted Pair, schlagt es nach.) und daß sie an einen unserer Netzknoten angeschlossen sind. Er begreift sofort, daß die Anschaffung von drei 2,4 Kilowatt-Stromanschlüssen eine Investition in die Stromrechnungen der Zukunft ist. Daß die andere Firma auch für unseren Service zahlt, läßt ihn lächeln - ein irgendwie erschreckender Gedanke. Er ist natürlich nicht der einzige, der etwas bemerkt. "Diese Internet-Geschichte verbraucht eine Menge Strom", stellt der Netzwerk-Experte (´ex´ steht dabei für ´ehemalig´) unseres Kunden fest. "Die Stromrechnung unseres Netzwerkes ist geradezu explosionsartig gestiegen!" "Nun, das ist doch logisch", antworte ich. "Ich meine, sie müssen sich einmal vorstellen, daß sie nun ihre Daten über die gesamte Welt verbreiten können und nicht nur in EIN anderes Büro. Und dann stellen sie sich noch vor, wie hoch ihre Rechnung wäre, wenn sie nicht durch uns mit dem Netz verbunden wären!" "Oh!" murmelt er. "Von dieser Seite habe die Sache noch nicht betrachtet." "Und denken sie an die Geschwindigkeit, mit der sie die Daten nun bekommen oder senden. Wie schnell ist ihr normaler Provider?" "Oh", nuschelt er. "14.4 oder 28.8. Viel zu langsam für die Arbeit. Obwohl wir manchmal auch Pausen machen." "Eben. Wir können ihren Anschluß ebenfalls schneller machen", sage ich. "Aber das würde bedeuten, daß wir noch ein paar Kabel verlegen müßten, was natürlich den Stromverbrauch erhöht. Dann könnten wir noch einen redundanten Server bei uns aufstellen. Aber die Stromrechnung müssen freilich sie bezahlen." "Nun, die Chefs wollen Redundanz zur Datensicherheit, wenn wir unsere eigene Homepage fertigstellen ..." Ich hasse mich. Wirklich. Das ist, als würde man auf einen Fisch in einer Sardinenbüchse schießen. Mit einem Gewehr für die Elefantenjagd. Um meine aktuellen Erfolge zu feiern, rufe ich die andere schottische Außenstelle an, um die Vorbereitungen für die nächste Woche zu treffen. "Hallo? Ich möchte das Firmenappartement reservieren ... Babbage mein Name. Aus London. Ich habe schon gebucht? Ausgezeichnet." Der PJ ist verdammt gut. Reisen, Flugzeuge und ein Laptop - der B.O.F.H. bringt einen abgehobenen Anorak sicher zur Erde ... Es ist wieder Messezeit. Und das bedeutet, daß ich eine Woche an der Ostküste der USA zubringe, um die letzten Neuigkeiten aus der Welt wackelnder Kabel zu sehen. Natürlich lese ich manchmal Produktvorstellungen in der Computer-Presse, doch es ist noch immer besser, einen ATM-Switch leibhaftig zu sehen, als nur seine Abbildung. Eigentlich ist es viel wichtiger, eine Hotelbar von innen zu sehen, als einen echten ATM-Switch; man muß schließlich wissen, wo man die Prioritäten zu setzen hat. Und wenn ich Lust darauf habe, blinkende Lichter zu sehen, kann ich mich auch in unseren Vermittlungsraum setzen, statt durch eine schweißtreibende Ausstellungshalle zu pilgern. Der Flug über den Atlantik ist großartig. Die Sitze sind hervorragend, der Lachs war allerdings ein wenig zu kalt. Natürlich reden wir über die erste Klasse - mein ´Drehe-dich-nach-links-und-blicke-auf-die-Toilette-Economy´-Sitz wurde mysteriöserweise mit dem einer Mrs. E. Windsor vertauscht ... nun, das ist natürlich auch ein ziemlich protziger Name. Ich schätze, daß jetzt jemand, der wichtig ist, hinten sitzt, denn einige unauffällig-auffällig aussehende Männer in schwarzen Anzügen diskutieren mit den Stewardessen über Sitze, Reservierungen und solches Zeug; ich muß mich bei der Fluggesellschaft über die schlechte Schalldämmung in der ersten Klasse beschweren - es ist wirklich recht laut. "Entschuldigen sie, welchen Prozessor haben sie?" Mein durch Brandy beförderter Fünf-Sterne-Traumzustand wird jäh unterbrochen. "Entschuldigung?" "Welchen Prozessor haben sie in ihrem Laptop? Ich habe einen 133 Megahertz-Pentium." Großartig! Noch schlimmer als ein Schwätzer im Bus, den man spätestens an der übernächsten Station rauswerfen kann, ist ein Computer-Langweiler als Sitznachbar im Flugzeug. "Das ist eine SPARC Ultra mit 437 Megabyte." Nur eine kleine Übertreibung - ich fange lieber freundlich an. "Wirklich? Ich wußte nicht, daß Windows auf SPARC läuft." "Tut es auch nicht." "Welches Betriebssystem nutzen sie denn?" "Solaris 2.7." "Wow! Sie müssen ein echter Profi sein." "Ja. Etwas in der Art." Und genau das macht dich zum Verlierer. "Sie haben Windows 95?" "Ja." "Nun, sie müssen ein wirklich armes Schwein sein." Er lächelt unsicher, versucht, sich zu beweisen, daß ich nur scherze. Es wird Zeit, dieses Mißverständnis aufzuklären. "Wissen sie, daß sie dieses Modell durch einen einfachen Hardware-Trick beschleunigen können?" "Nein! Wirklich? Wie geht das?" "Naja, eigentlich sollte ich das nicht sagen, denn es ist ein kleines Risiko dabei - es könnte gegen die Garantiebestimmungen verstoßen." "Das ist in Ordnung. Ich würde es gern ausprobieren, solange es einigermaßen sicher funktioniert. Was muß ich tun?" "Gut. Haben sie eine Büroklammer? Natürlich reicht auch ein kurzes Kabelstück." "Ja, hier habe ich eine Klammer. Und was muß ich nun tun?" "Nun, sie können den SCSI-Bus beschleunigen, indem sie die anliegende Spannung etwas erhöhen. Drehen sie den Laptop um, so daß sie die Rückseite sehen, und verbinden sie einfach diesen Pin des SCSI-Busses mit dem Kopfhörer-Anschluß." Er fingert ein wenig herum und schafft es tatsächlich, die Büroklammer richtig zu plazieren. Kein blauer Dunst ... noch nicht. "Und jetzt?" "Jetzt haben sie einen Rechner, den sie bei Bedarf beschleunigen können. Sie müssen das nicht ständig tun, denn das würde unnötig Strom aus den Akkus fressen. Beschleunigen sie den Rechner nur dann, wenn sie es wirklich brauchen." "Wie kann ich ihn denn nun beschleunigen, wenn ich dies brauche?" "Spielen sie einfach eine Musik-CD im CD-Laufwerk. Dann wird bekanntlich ein kleiner Strom in den Kopfhörerstecker gesendet, durch den dann auch der SCSI-Bus beschleunigt wird. Aber drehen sie die Lautstärke nicht zu hoch, denn es könnte etwas zerstört werden; ´Dark Side of the Moon´ von Pink Floyd dürfte ausreichen; aber achten sie auf die Wecker." "Hmmm ... Ich habe keine Musik-CD dabei. Kann ich stattdessen das Mikrophon benutzen?" "Natürlich - schalten sie es einfach auf ´Wiedergabe´ und sprechen sie hinein, wenn sie mehr Geschwindigkeit brauchen. Aber seien sie vorsichtig! Schreien sie nicht zu laut." Fünfzehn Minuten vergehen, und ich beginne meinen letzten Ratschlag zu bereuen. Mein Freund hat herausgefunden, daß der einfachste Weg, um Geräusche zu erzeugen, darin besteht, in das Mikrophon zu pfeifen. Und es sieht so aus, als sei sein Laptop gegen Spannungen widerstandsfähiger, als die, die ich kenne. Aber zum Glück naht Hilfe in Gestalt eines erregten Gentlemans, der ziemlich zornig zu sein scheint. "HÖREN SIE ENDLICH MIT DIESEM VERDAMMTEN PFEIFEN AUF!" schreit er. Prompt tut auch die Büroklammer das, wofür sie vorgesehen ist ... Es ist interessant, wie fein die Rauchmelder bei Boeing eingestellt sind - der Feueralarm geht etwas entfernt von uns los. "Ich schätze, das gibt eine Geldstrafe von 1000 Pfund", lächle ich süß, als die Stewardess kommt, um die Streithähne, die handgreiflich werden, voneinander zu trennen. Bald sind die Beteiligten an dem Streit fest an ihre Sitze geschnallt - jeder unter der Aufsicht eines finster blickenden Stewards. Es herrscht endlich wieder wunderbare Ruhe. "Entschuldigen sie bitte die Störung, Sir. Kann ich ihnen noch einen Brandy bringen?" Aus Angst vor einem Abteilungsausflug zur Besserung des Teamgeistes erinnert sich der B.O.F.H. an seine eigene Definition von Teamarbeit ... Ich teste gerade meine neue Infrarot-Fernsteuerungs-Hardware, als der PJ hereinkommt. "Wer ist das?" fragt er und deutet auf ein Individuum im Anzug, das im Nachbarbüro zu sehen ist. Das Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor. Dann fällt der Groschen ... "Irgendwer aus der Personalabteilung", antworte ich. "Einer von diesen immer freundlichen Typen, die sich um den Teamgeist und die Zufriedenstellung der Kunden kümmern, wenn ich mich richtig erinnere." "Unsere Kunden wissen doch sowieso, was sie erwartet!" "Ja. Genau das könnte das Problem sein ..." "Der Chef ist ein wenig zu freundlich", beobachtet der PJ, als der Chef Mr. Freundlich begrüßt. "Ja. Und angesichts seines Kriechfaktors würde ich sagen, daß da irgendwas von oben kommt ..." Zwei Stunden später kommt der PJ hereingerannt. "Es gibt etwas, das sie wissen sollten", sagt er. "Was? Sie haben doch nicht etwa den Chef belauscht!?" "Nein, ich habe nur ein ungenutztes Netzwerkkabel getestet. Das Testgerät hat freilich hervorragende aurale Fähigkeiten." "Wie ein Mikrophon?" "Ummm ...." "In Ordnung, worum geht es?" unterbreche ich ihn. "Sie planen einen Abteilungsausflug!" platzt er heraus. "Einen verdammten was?!" rufe ich und verliere für einen Moment meine Gelassenheit. "Einen Abteilungsausflug. Ganz so schlimm ist das doch nicht, oder?" will er wissen. "Sie scherzen! Ein Wochenende in der Teamgeist-Hölle zusammen mit Leuten, die glauben, ein Benchmark kommt davon, daß man die Untertasse beim Kaffe vergißt?" "Uuuuhh ..." "Sie haben Verteter unserer Kunden dabei, die Tag und Nacht mit dummen Fragen nerven, zum Beispiel: ´Wie erfüllen sie ihre Fehlerbeseitigungs-Politik?´" "Wie erfüllen wir sie?" "Tun wir nicht. Die plötzliche Selbstentzündung von Ausstattung ist ein bewiesenes und dokumentiertes Phänomen." "Was werden wir tun?" "Nicht gehen. Es sei denn, sie haben Interesse an Maßnahmen, die ´Vertrauen´ bilden sollen, indem sie sich rückwärts in die Arme von Leuten fallen lassen, die Schwierigkeiten haben, sich ohne schriftliche Anleitung zu erkälten." "Anscheinend ist die Teilnahme Pflicht - zumindest hängen die Bonus-Zahlungen von der Teilnahme ab." "Diese betrügerischen Hunde!" "Was werden wir machen?" fragt der PJ. "Nun, beginnen wir mit dem Anfang - wann soll das Ganze denn stattfinden?" "Sonnabend in drei Wochen." Wir stecken unsere Köpfe zusammen, um einen Schlachtplan auszutüfteln, der so fies ist, daß selbst Rommel die Tränen kommen würden. Am nächsten Tag sind wir dann die ersten, die voller Begeisterung ihre Teilnahme melden. Den Chef scheint das so aufzuregen, daß er vor Freude gleich eine neue Packung Magentabletten aufreißt. Der PJ sorgt dafür, daß die Faxe abgefangen werden. Er bestellt statt der geplanten 45 Einzelzimmer nur 10, ersetzt das geplante Menü durch Alkohol und bestellt anstelle einer Jazzband für die Abendunterhaltung eine bekannte Cabaret-Truppe aus Soho ... Ich leihe mir die Kreditkarte von Mr. Freundlich - unvorsichtigerweise hat er sie im Besucherraum eingeschlossen - überschreibe den Magnetstreifen mit neuen Informationen: "Gestohlene Karte - Verhaften" und kurbele dann die Gerüchteküche etwas an, indem ich leere Hustensaftflaschen (Natürlich mit viel Alkohol!) in seinem Abfalleimer plaziere. Dann tausche ich das Netzteil seines Laptops gegen eines, daß nicht funktioniert. Am nächten Tag beginnt unser Angriff ... "Irgendetwas scheint mit dem Netzteil nicht zu stimmen", sagt Mr. Freundlich zu mir und macht dabei keinen besonders fröhlichen Eindruck. Offensichtlich hat es seiner Stimmung nicht gutgetan, für eine Stunde von einem stämmigen Mechaniker eingesperrt zu werden, um auf die Überprüfung der Kreditkartendaten zu warten. Der PJ gibt ihm ein anderes Netzteil. Einen lauten Knall später kommt Mr. Freundlich wieder zu uns und riecht ein wenig nach Rauch. "Oh, mein Lieber!" rufe ich. "Der PJ hat ihnen doch nicht etwa einen Spannungsverstärker gegeben! Wissen sie, ich gebe ihnen unseren Notfall-386er bis wir ihren Laptop repariert haben. Vier Megabyte sollten für Windows 95 eigentlich genügen." "Das mit der neuen Infrarot-Maus?!" fragt der PJ. Am nächsten Tag bekommt auch der Chef mit, was läuft, nachdem ihn die Erbsenzähler wegen Mr. Freundlichs Alkoholbestellung angerufen haben. Die Gerüchte sind mittlerweile auch bis zum Chef vorgedrungen, und als er etwas von der Cabaret-Truppe erfährt, ruft er den PJ und mich in sein Büro. "Haben sie etwas damit zu tun?" will er wissen. Der PJ und ich schütteln verneinend die Köpfe. "Wenn sie meine Meinung wissen wollen", sage ich. "Ich habe die Gerüchte gehört und denke, daß er möglicherweise seelisch zu instabil ist, um den Teamgeist zu fördern." Die Saat der Zweifels ist nun angelgt, und ich warte darauf, daß der PJ noch für ein wenig Dünger und Wasser sorgt ... "Ist das nur mein Eindruck, oder ist es hier etwas zu heiß?" stellt er die richtige Frage. "Ja, es ist wirklich etwas warm", antworte ich. Der Chef greift zu seinem neuesten Lieblingsspielzeug, der Fernbedienung für die Klimaanlage, und stellt die Temperatur etwas niedriger ein. Durch einen seltsamen Zufall führt dies dazu, daß der Rechner von Mr. Freundlich nun schon zum dritten Mal an diesem Morgen abstürzt. Schweigend beobachten wir, wie Mr. Freundlich wütend den Austausch-Laptop vom Tisch wirft und damit beginnt, seine Büroeinrichtung in ihre Einzelteile zu zerlegen. Zehn Minuten später haben die Wachmänner ihn aus dem Gebäude begleitet, und die Pläne zur Förderung des Teamgeistes sind im Papierkorb gelandet - da gehören sie auch hin. Und da behaupten manche noch, das Leben sei nicht fair. Der PJ will den B.O.F.H. in einem Wettkampf besiegen ... "Ich glaube, damit haben wir wieder 500 Pfund zum Fenster hinausgeworfen. Und das macht dann zwei Punkte für mich." freut sich der PJ und fügt zwei weitere Häkchen zu seiner Liste hinzu. Nun, vielleicht ist ein Wettbewerb darum, wer die meiste Technik innerhalb einer Woche vernichten kann, wirklich ein wenig kindisch, aber Probieren geht über Studieren und so ist dieser Wettstreit seiner etwas vernachlässigten Ausbildung vielleicht noch ganz nützlich. Wir spielen um den üblichen Einsatz - ein Bier in der Kneipe um die Ecke. "Was haben sie gemacht", frage ich und heuchle Interesse. "Ich habe einem Anrufer aus der sechsten Etage erklärt, sein Problem habe etwas mit dem Spannungsabfall in seiner Etage zu tun. Der Ausredenkalender hat mich dazu inspiriert, und ich habe die Idee etwas weiterentwickelt. Ich sagte ihm, die Spannung in seinem Büro sei deshalb zu niedrig. Und deshalb soll er ..." "Seinen PC auf 115 Volt umschalten", beende ich genervt. "Habe ich etwas falsch gemacht?" will er wissen. "Nicht direkt. Aber denken sie immer daran, daß es nicht unsere Aufgabe ist, Technik zu zerstören oder Nutzer zu erschrecken. Das ist eher ein Bonus für uns, die wir selbstlos unser Leben der Anwenderunterstützung gewidmet haben. Unsere Aufgabe ist es, den reibungslosen Betrieb unseres Netzwerkes zu garantieren." "Indem wir Netzwerknutzer ausschalten." "Zeigen sie mir eine Ethernet-Kollision und ich werde ihnen ein Netzwerk zeigen, das auch mit einem Nutzer weniger auskommt." antworte ich. "Aber sie sorgen doch ständig für solche Kollisionen!" "Und ich widme mich immer der Erweiterung der Leistungsfähigkeit unseres Netzwerks." "Und nebenbei produzieren sie eine Wagenladung Schrott." unterbricht der PJ mich. "Nicht zwangsläufig. Diese Wagenladung Schrott ist mehr eine zufällige Belohnung. Ich bevorzuge nämlich kleine tägliche Belohnungen, denn ein zufriedener Angestellter ist ein sicherer Angestellter. Und ein sicherer Angestellter ist ein guter Angestellter. So habe ich in der vergangenen Woche zum Beispiel ein Video, das zeigte, was am vorausgegangenen Freitag um 11:47 Uhr im Lift passierte, an einen der Beteiligten geschickt. Nachdem ich von ihm einen dicken Umschlag mit Geldscheinen bekommen hatte, war ich ein zufriedener Angestellter und habe einen Router in Rekordzeit konfiguriert. Hätte ich mich dagegen mit düsteren Gedanken befaßt, dann wäre der Router heute noch nicht eingerichtet ..." "Und warum haben sie dieses Video dann noch in der Kantine über die Monitore, die eigentlich die Aktienkurse der Firma zeigen, geschickt?" "Ausschließlich zum Wohle der Firma. Sie haben doch gesehen, wie vielen Leuten es gefiel. Sie waren fröhlich und glücklich. Und das hat ihre Produktivität gesteigert." "Und die drei Beteiligten?" "Nun, die waren nicht so fröhlich und haben kurz danach gekündigt. Aber das beweist nur noch einmal, daß in unserer Firma nur Platz für fröhliche und produktive Menschen ist." "Gut, aber sie liegen noch immer weit hinter mir", grinst er hämisch und deutet auf die Liste mit den Punkten. "Wie sieht es denn aus?" Er zählt fieberhaft die Punkte zusammen und antwortet dann: "Vierzig zu neun - für mich." "Also jage ich einem Vorsprung von 26 Punkten hinterher." "Nein, 31!" korrigiert er. Ah, nein, 26", wiederhole ich und schiebe den Laptop des Chefs vom Tisch, lasse ihn auf den Boden knallen und springe noch ein wenig auf den Trümmern herum. "Das war nicht fair!" ruft er. "Das Leben ist nicht fair." antworte ich. "Aber das Rootpasswort ist sehr hilfreich." Doch all dies täuscht nicht darüber hinweg, daß ich wirklich weit zurückliege, was mir nicht gefällt. Und mir bleiben nur noch 32 Minuten - dann muß ich ein "Radler" bestellen, was der PJ normalerweise nicht trinkt, doch diesmal wird er es tun, um mich dumm vor den Leuten an der Bar und den anderen Gästen aussehen zu lassen. Völlig mit diesen Gedanken beschäftigt lasse ich einen Router abstürzen und nehme den Anruf eines Nutzers entgegen. "Hallo?" fragt eine nervöse Stimme. "Womit glauben sie ein Problem zu haben?" frage ich. "Es sind ihre Rechner. Sie stehen alle." "Ja, das wird am Spannungsverlust liegen, der durch hitzegeschädigte Sicherungen verursacht wird." &gt;DUMMY MODE EIN&lt; "Ah, ähm, wie ... Was soll ich tun?" "Nun, da rufen sie einfach die Elektriker an, die die Sicherungen in ihrer Etage kontrollieren und zurücksetzen müssen." "Aber wir haben dringende Arbeiten!" "Nun, vielleicht sollte ich das jetzt lieber nicht sagen ..." flüstere ich. "Was?" fragt er und zappelt schon am Haken. "Sie können die beschädigten Sicherungen auch selbst reparieren." "Wie?" drängt er mich und stellt sich schon den Ruhm und die neuen Aufstiegsmöglichkeiten vor, die er dadurch erlangen kann. "Gehen sie einfach zum Hauptanschluß ihrer Etage, den sie im Treppenhaus finden. Dort finden sie einen Schalter, der die gleiche Nummer trägt wie ihr Hauptanschluß. Diesen Schalter betätigen sie ungefähr zwanzigmal so schnell wie sie können." Der PJ schaut mich voller Verachtung an, doch zehn Minuten später wird offensichtlich, welche Folgen mein Ratschlag hatte; nur noch 2 Punkte hinter ihm. Bei diesem Stand bleibt es auch bis 5 Uhr, als der PJ mich zur nächsten U-Bahn-Station begleitet. "Einige Leute können es eben und andere nicht", lacht er selbstgefällig. Seine gute Laune ist durch nichts zu beeinträchtigen, doch sie hält zum Glück nur solange an, bis unser Zug einfährt und ich seinen Laptop auf die Schienen stoße. "Ups!" sage ich, als ich die korrekte Zeit wieder einstelle. "Eine Minute vor ... Ich schätze, sie schulden mir ein Bier ..." "Sie BASTARD!" sagt er, als der süße Geschmack des Sieges sich in Wohlgefallen auflöst. "Zählen sie es zu den Kosten für die Ausbildung hinzu", sage ich. "Und ich hoffe, daß Bier für Schlappschwänze wird ihnen schmecken ..." Der Kampfgeist des B.O.F.H. erwacht, als die Erbsenzähler gegen die Netzwerker intrigieren ... Ich bin schockiert. Zutiefst gekränkt ... In einem hinterhältigen und unfairen Angriff haben die Erbsenzähler voller Niedertracht einen schwerwiegenden Diebstahl durchgeführt - unsere Espresso-Maschine wurde aus dem Inventar gestrichen und über Nacht geraubt. "Ich ... ich ..." jammert der PJ völlig aufgelöst. Da ich schon einige Zeit in der Computerbranche tätig bin, weiß ich, wie wichtig Sicherheitskopien sind, hole meinen Notfalltauchsieder und eine Packung Instantpulver hervor. "DAS ist ein Schlag unter die Gürtellinie", schnieft der PJ, als er langsam wieder zu Bewußtsein kommt. "Ich kann einfach nicht glauben, daß sie das wirklich getan haben!" "Warum denn nicht?" antworte ich. "Schließlich befinden wir uns inmitten eines wunderschönen Krieges zwischen den Abteilungen, auch wenn der Chef immer etwas von gemeinsamen Zielen erzählt." "Aber die Espresso-Maschine!" ruft er. "Das tut wirklich weh. Was werden wir tun? Wir müssen doch etwas dagegen unternehmen!! Überall Einen Ausbau der ´RAM-Speicher´ vortäuschen? Noch eine Runde Erbsenzähler-Pinball?" Ich schüttle nur den Kopf. "Nein, denn genau das erwarten sie jetzt. Und wir werden auch keine Netzverbindung unterbrechen - sie würden es als Entschuldigung für die Beauftragung eines auswärtigen Unternehmens nutzen." "Nun, was werden wir dann unternehmen?" "Für den Augenblick - nichts." "Aber ..." "... aber später werden wir sie treffen, wo es wirklich schmerzt." Nach zwei Wochen ist die Maschine noch immer verschwunden, und der PJ zeigt ernsthafte Entzugserscheinungen. Es wird Zeit zu handeln. "Richtig. Die Datenbank mit den Konten!" rufe ich. "Das geht nicht. Ich habe es gestern versucht, doch sie haben das Passwort geändert!" antwortet der PJ. Im Geiste schätze ich den Einfallsreichtum der Erbsenzähler ein, versuche ein paar mögliche Passwörter und lande mit ´PROFIT´ einen Treffer. Die Datenbank verbirgt ein einfaches Rechnungssystem, das so programmiert wurde, daß selbst Kinder es verstehen könnten. Das bedeutet, es ist genau auf die Zielgruppe zugeschnitten. Ich nehme ein paar kleinere rückwirkende Änderungen vor und trenne dann die Verbindung wieder. Der PJ schlägt die Zeit damit tot, daß er einen anonymen Hinweis an die Rechnungsprüfer schickt. Der nächste Tag bricht an, und der PJ und ich sind schon frühzeitig da, um ein paar verschlafene Manager die Rolltreppe reiten zu sehen. Einen Doppelklick auf einen Button der Rolltreppensteuersoftware später führt die Rolltreppe einen prompten Nothalt aus und verstreut Buchprüfer und Rechtsverdreher in alle möglichen Richtungen. Die blutenden Nasen werden für eine unvoreingenomme Prüfung sorgen. Ein weiterer Doppelklick drei Sekunden später garantiert ein uns genehmes Ergebnis. Da sie nun aus Angst keine weitere Rolltreppe benutzen wollen, machen die Buchprüfer und Rechtsverdreher den zweiten Fehler an diesem Morgen, indem sie die Lifte ansteuern. Denn zu ihrem Unglück ist mein neuer Lift-Joystick angeschlossen und funktioniert tadellos, so daß sie ein Abenteuer erleben, das man normalerweise in Zusammenhang mit Achterbahnen bringt. Die Überreste eines Frühstücks auf der Jacke eines Prüfers lassen keinen Zweifel an der Funktionalität meines neuesten Spielzeugs zu. Die Stimmung der Buchprüfer würde der normale Betrachter der Bilder, die die Videoüberwachungsanlage liefert, nun wohl als ´aggressiv´ bezeichnen. Eine Stunde später marschieren der PJ und ich in die Erbsenzählerzentrale, um ´ein paar Netzwerkprobleme zu beseitigen´. "Das ist der Bastard!" schreit ein Erbsenzähler den Prüfern zu und zeigt auf mich. "Entschuldigung?" frage ich unschuldig und demütig. "Der, der die Lifte und die Rolltreppen manipuliert hat!" "Wie bitte?! Niemand hat die Lifte und Rolltreppen angefaßt, seitdem diese Abteilung vor sechs Monaten den neuen Wartungsvertrag abgelehnt hat!" "Das haben wir ganz sicher nicht getan!" ruft der Chef der Erbsenzähler aufgeregt und verläßt die relative Sicherheit seines Büros. "Also ... irgendjemand hat es getan", sagt der erste Prüfer und trennt seinen Blick von den Ausdrucken mit den Zahlungen. "Das Geld wird nun gezahlt an ... einen Clinton Ash." "C. ASH", murmle ich leise. "Hmmmm. Ach, diese Firma aus Panama! Sie waren doch gerade vor sechs Wochen in Panama, oder?!" frage ich den Erbsenzählerchef. "Haben sie den Scheck mit der Post geschickt oder persönlich überbracht?" Der Erbsenzähleranführer ist nicht dumm (zu meiner Überraschung) und schätzt die für ihn bedrohliche Situation korrekt ein. Er traut sich nicht, mich herauszufordern, denn er weiß nicht, welche Überraschungen ich noch für ihn vorbereitet habe ... "Ach so, Ash und Partner", improvisiert er schnell. "Vertragspartner für Service und Wartung." "Natürlich!" lache ich. "Und auch Installateure für Espresso-Maschinen, oder?" "... Ja!" stimmt der Chef der Erbsenzähler zu und begreift, in welche Richtung dieser Dialog geht. "Hat nicht eines ihrer Tochterunternehmen vor, heute eine in unserem Büro zu installieren?" "... Jjjjaaa, das hätte ich beinahe vergessen. Ich werde das am heutigen Nachmittag persönlich überprüfen." "Warum warten?" frage ich und reiche ihm mein Handy. "Rufen sie jetzt an. Möglicherweise haben die Leute es ja vergessen." Diesen Nachmittag verbringen der PJ und ich bei einer starken Mischung entspannt darüber nachdenkend, daß es schon ein Glücksfall ist, daß unsere alte Espresso-Maschine nun durch ein brandneues Modell mit allerlei Schikanen ersetzt wurde. "Ich habe offenbar noch einiges zu lernen", gibt der PJ nachdenklich zu. "Betrachten sie es nicht als Lernaufwand", sage ich. "sondern als Aufgabe, das Beste aus ihren Fähigkeiten zu machen ..." Als sein Chef Probleme mit Kabeln hat, scheut der B.O.F.H. weder Kosten noch Mühen, um die Schwierigkeiten auszuräumen ... Ich versuche, ein Geschäft mit Raoul, einem unserer Zulieferer für Netzwerkkabel, zu machen. Er soll uns Cat-5-Kabel liefern, doch er stellt sich stur, denn er weiß, daß er der einzige Händler ist, der dieses 100 MBit-Kabel vorrätig hat ... Was natürlich unserem Plan entspricht, der in Kraft trat, als ich den Geheimcode ´der Chef will´ benutzte. Den zusätzlichen Gewinn werden wir selbstverständlich brüderlich teilen. Der Chef ahnt zwar etwas derartiges, aber beweisen konnte er es noch nie, trotzdem er befohlen hat, daß solche Telefongespräche über die Freisprechanlage geführt werden, damit er immer mithören kann. Sein zweiter dummer Einfall war die Idee, ein paar aufpolierte Büros im Alleingang zu verkabeln. "Nun, das könnte schwierig werden", sagt mein Lieferant am anderen Ende der Leitung. "Natürlich habe ich das Kabel, das sie brauchen. Ja, ich habe sogar die doppelte Menge davon - aber es ist schon bestellt und wird noch heute ausgeliefert. Haben sie es schon bei einem anderen Lieferanten probiert?" Der Mann ist aalglatt ... "Selbstverständlich, aber die haben alle kein Cat-5-Kabel mehr", antworte ich. "Sie scherzen!" keucht er recht überzeugend. "Es scheint, als hätte jemand den gesamten Kabelbestand aufgekauft - für die nächsten Tage ist alles ausverkauft. Sind sie sicher, daß sie nichts für mich tun können?" "Nein, nicht wirklich - ich habe zwar noch ungeprüftes Kabel da, das nach Cat-5 aussieht, aber darauf sind ein paar fremdländisch aussehende Militärbezeichnungen, die mit den unseren nicht übereinstimmen." "Wir nehmen es! Lassen sie es zum Mittag liefern!" ruft der Chef. "Warten sie einen Augenblick", sage ich und schalte schnell die Stimmen-Aufzeichnung des Telefons ein. "Wäre es nicht besser, zunächst herauszufinden, was diese Bezeichnungen auf dem Kabel bedeuten - es könnte sich schließlich auch um ein simples Telefonkabel handeln." "Dafür haben wir keine Zeit. Ich habe versprochen, daß die neuen Büros in drei Tagen voll funktionstüchtig sind!" ruft der Chef und eilt nach draußen, um die Leute, die die Büros verkabeln sollen, zusammenzutrommeln. Ich schalte die Aufzeichnung wieder ab. "Was bekommen wir wirklich?" frage ich. "Ich bin mir wirklich nicht sicher. Die Kabel wurden aus einem versunkenen rumänischen Containerschiff geborgen - ich habe nur den Wert des Kupfers bezahlt." "Aber es wird Signale übertragen?" "Natürlich." "Wirklich?" "Nun, kann sein - ohne Abschirmung und ohne die sonst übliche Verflechtung der einzelnen Drähte - ich würde es mir zweimal überlegen, ob ich es für die Weihnachtsbaumbeleuchtung einsetzen könnte. Aber es ist ihre Entscheidung." "Warum haben sie gesagt, es sieht wie Cat-5 aus?" will ich wissen. "Nun, die Ummantelung sieht ganz ähnlich aus und es wird auf Kabeltrommeln geliefert." antwortet er. "Und unsere Kabel kommen sonst auch immer mit leicht versinkenden Transportmitteln?" "Ich habe nicht gesagt, daß es exakt so aussieht wie Cat-5!" "Ausgezeichnet!" lache ich. "Wir hören später voneinander." Später an diesem Nachmittag werde ich vom Chef unterbrochen, der sehr aufgeregt zu sein scheint. "Dieses verdammte Kabel ist Schrott!" schreit er. "Nun, ich habe sie davor gewarnt, es zu kaufen", bemerke ich trocken und deute auf die Diode, die bei der Stimmen-Aufzeichnung eigentlich leuchten sollte. "Das erinnert mich daran, daß ich dieses kleine Lämpchen reparieren muß." Der Chef sitzt in der Falle. Er hat kein Kabel, einen Termin und vier oder fünf Profis für das Verkablen, die jetzt sinnlos herumstehen und trotzdem kräftig dafür kassieren werden. Hinzu kommt noch, daß er gutes Geld für falsches Kabel ausgegeben hat. Als wohlwollender Mensch beschließe ich, dem Chef zu helfen. Ich rufe Raoul an. "Raoul, was müßten wir für Cat-5-Kabel bezahlen?" frage ich. "Ich habe doch schon gesagt, daß ich kein Kab ..." "Entschuldigung, ich formuliere meine Frage etwas anders: Was müßten wir für das Kabel eines anderen bezahlen?" Die Augen des Chefs leuchten auf, als die Lösung seines Problems nahe zu sein scheint. Raoul nennt eine widerlich hohe Summe, doch der Chef nickt ohne nachzudenken. "Allerdings wurde unser Lieferwagen gestohlen", fügt Raoul plangemäß hinzu. "Sie müssen es selbst abholen." "Nein, kann ich nicht", antworte ich. "Ich habe nur einen Zweisitzer." "NEHMEN SIE MEINEN!" ruft der Chef, der seine Felle wieder davonschwimmen sieht. Eine halbe Stunde später beladen der PJ und ich den Palast auf Rädern unseres Chefs mit Kabeltrommeln. Die Rückfahrt werde ich übernehmen, denn der PJ hat mittlerweile zugegeben, daß er erst zwei Fahrstunden hatte. Ich bin sicher, daß man alle Beulen (mit Ausnahme derer, die die drei Parkuhren hinterließen) leicht wieder ausbeulen kann. Ich verabschiede mich von Raoul und lasse ihn meine Massenbestellung von Cat-5-Kabel stornieren, die zu dieser künstlichen Knappheit in den letzten Tagen geführt hat. Als wir wieder im Büro ankommen, ist der Chef so erfreut, daß er die Überreste des Kühlers, die die drei Parkuhren übrigließen, nicht einmal erwähnt. Er schickt die Kabelleute wieder an die Arbeit. "Richtig ...", sage ich. "... die Kabel finden sie dort drüben in dem Auto." "Dieses Zeug!" fragt einer von ihnen. "Das sieht doch wie eine rumänische Beschriftung aus?" Zehn Minuten später macht Raoul mir ein Angebot für ein paar Restbestände Cat-5, dem ich nicht widerstehen kann ... Wichtigste Regel beim Aufbau eines Netzwerkes: Niemals die ´Initiative´ dem Chef überlassen ... Die Stimmung im Chef-Land ist nicht gut. Es geht wieder um die Vernetzung der neuen Büros. Bedauerlicherweise haben die Manager herausgefunden, was bei der lausig geplanten Verkabelung und deren Durchführung, die auf eine ´Initiative´ des Chefs zurückging, gelaufen ist. Sie sind NICHT erfreut. Wie sie Wind von der Sache bekommen haben, überlasse ich der Fantasie des Lesers. Ich habe allerdings bemerkt, daß der PJ die Unbedingt-Erledigen-Liste abgearbeitet hat, die ich ihm in der vergangenen Nacht hingelegt hatte. Sein Sinn für Details ist wirklich erstaunlich. Die Verwendung von Kabel, das dem Standard nicht ganz entspricht, wäre allein nicht so schlimm für den Chef gewesen. Hinzu kommt aber noch seine Entscheidung für eine absolut untaugliche Weise der Verkabelung. Möglicherweise wurde seine Entscheidung durch ein freundschaftliches Gespräch, das der PJ und ich mit ihm unter Hinzuziehung von ein paar Bieren hatten, nachteilig beeinflußt. Chef: "Also, ich denke an ein mehradriges Kabel, das entlang der Büros unter dem Bodenbelag verlegt wird. An drei Punkten, die ich in jedem Raum ausgesucht habe wird es Anschlüsse geben. Dafür nehmen wir normale Steckdosen ..." Ich: "Steckdosen? Doch nicht etwa solche Dinger, wie sie in den Büros im Erdgeschoß vor ein paar Jahren verwendet wurden? Eine Erschütterung und die Stecker fallen aus der Dose und die Verbindung zum Netz ist unterbrochen." Chef: "Aber dann dachte ich, Twisted Pair, das direkt aus der Netzwerkzentrale kommt, wäre besser." PJ: "Am Boden entlang der Wand? So daß jemand, der zufällig seinen Kaffee verschüttet, gleich einen Kurzschluß verursacht ..." Chef (schnell): "Habe ich am Boden gesagt? Ich meinte natürlich in der Wand ..." Wir: "Wo es dann gleich bei den elektrischen Leitungen liegt und es zu störenden Interferenzen kommt." Chef: "Nicht, wenn es alle 6 Zoll mit der elektrischen Leitung verdrillt wird. Dann heben sich die Wirkungen der elektrischen Felder gegenseitig auf. So ist das ja auch beim Twisted Pair-Kabel." Ich bin sicher, der weitere Verlauf des Gesprächs ist damit hinreichend beschrieben - es ist, als würde man in einem Aquarium angeln. Noch immer sind die drei sinnlosen Löcher in den Wänden Anlaß für interessante Gespräche in den Büros. Aber auch das hätte ich dem Chef noch durchgehen lassen, wenn er nicht versucht hätte, irgendwelches kabelloses LAN-Equipment zu installieren. Er nahm wohl an, daß infrarote Strahlung eine Form von kurzwelligem Radio ist. (Ich habe keine Ahnung, wer ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt hat, allerdings scheint es, als sei die Nase des PJ in diesen Tagen etwas gewachsen.) Jetzt hat der Chef jedenfalls herausgefunden, welche negativen Einflüsse auf seine Karriere von einem Netzwerk ausgehen, das nur dann funktioniert, wenn die Bürotüren weit geöffnet sind ... "Wir haben wirklich ein Problem", jammert er gehetzt, als er in mein Büro kommt. "Womit?" frage ich hilfsbereit. "Das verdammte Netzwerk! Es ist ein einziges Trümmerfeld!" "Nun, eigentlich will ich ja kein Salz in offene Wunden streuen, doch sie hätten daran denken sollen, daß wir, der PJ und ich, dafür bezahlt werden, Netzwerke zu planen. Sie hätten uns nur unsere Arbeit machen lassen sollen." "Und was hätten sie gemacht, das so anders wäre?" will er beleidigt wissen. "Hm ..." mischt sich der PJ ein. "Ich hätte ein paar Cat-5-Kabel entlang der Büros unter dem Bodenbelag verlegt (und nicht eine billige Imitation) und hätte an drei Punkten pro Raum für Anschlüsse gesorgt." "Aber das ist doch genau das, was ich vorgeschlagen hatte!" ruft er, als der Groschen fällt. "Nun, Taten sagen mehr als Worte", grinse ich. "Aber wo ich gerade dabei bin, eine offizielle Untersuchung scheint da auf sie zuzukommen." "Was soll ich tun", wimmert er mit einer Stimme, die an einen Nutzer während der ´Festplatten-Defragmentierungs-Zeit´ erinnert. "Nun, sie könnten die Kabel austauschen", antworte ich. "Sie haben recht, das werde ich tun." "Nur ist es alle sechs Zoll mit den Elektrokabeln verdrillt. Und das bedeutet, daß die Wand teilweise aufgerissen werden muß, um ..." "Das ist nicht gut!" "Nun, dann bleibt nur noch Plan B übrig." "Was ist Plan B?" "Sie zahlen eine einmalige Prämie an die ´Bastard-Net GmbH´ und stimmen hohen Überstundenabrechnungen zu. Dann wird das Problem schon morgen behoben und am nächsten Mittwoch nur noch eine Erinnerung sein." "Wie hoch soll die Prämie sein und an wen muß sie zahlen?" fragt er. "Zweihundert; jeweils für den PJ und mich." Angesichts seine Lage begreift der Chef schnell und greift nach seiner Geldtasche. Am nächsten Morgen durchsuchen die Sicherheitsleute das ganze Gebäude auf der Suche nach acht Bürotüren, die über die Nacht in der Etage mit den neuen Büros verschwunden sind. Seltsamerweise haben die Überwachungskameras nichts aufgezeichnet ... Die Zuverlässigkeit des Netzwerkes in den neuen Büros ist einzigartig - es sei denn, der Chef der PR-Abteilung (ein ziemlich kräftig gebauter Mann, der problemlos die Türen ausfüllt) kommt vorbei. Seine Beliebtheit in den Büros geht schnell zurück. Eine Woche später ist der Austausch der Kabel unter dem Bodenbelag vollendet und der PJ und ich präsentieren unsere Überstundenabrechnungen, damit der Chef sie unterzeichnet. "Das können sie doch nicht tun", ruft der Chef. "168 Stunden? Das sind 24 Überstunden in nur sieben Tagen!" "Wir haben wirklich sehr hart gearbeitet." sagt der PJ leise. "Sie können doch nicht ernsthaft erwarten, daß ich das unterschreibe", sagt der Chef, der sich wie immer viel zu schnell aufregt. "Natürlich nicht", antworte ich. "Dann werden wir das Netzwerk eben wieder in den Ursprungszustand versetzen. Oh, und ich frage mich ..." "Fragen sich was?!?" knurrt der Chef. "Wessen Fingerabdrücke wohl auf dem Stapel gestohlener Türen sind, die die Sicherheitsleute gefunden haben ..." "Wann?!" "Morgen früh ..." Eine Unterschrift später nehmen der PJ und ich uns für den Rest des Tages frei, um uns von den arbeitsreichen Überstunden zu erholen. Ein Eindringling im E-Mail-System veranlaßt den B.O.F.H. dazu, die Gelben Seiten zu gebrauchen ... Ich bin gerade dabei, unsere Satellitenschüssel für das WAN (Wide Area Network) und das Verschlüsselungssystem einzurichten, als mein E-Mail-Client mir eine ankommende Nachricht meldet. Ich löse meinen Blick vom Kalibriermonitor (und dem US-Militär-Kanal, den man unglücklicherweise nicht mehr löschen kann), um die Nachricht zu lesen. Es ist seltsam, daß ich eine E-Mail bekomme, denn alle Nachrichten, die in meiner normalen Mailbox landen, werden sofort gelöscht nachdem die Absenderadresse automatisch in verschiedene Mailinglisten für Werbung eingetragen wurde. Die Nachricht scheint aus unserer Firma zu kommen, was noch verwunderlicher ist, da nur der PJ meine ´private´ Adresse kennt. Aber diese E-Mail kommt nicht vom PJ, denn der ist gerade mit der Verteilung der neuen Telefonbücher beschäftigt. Meine Neugier wächst und wächst ... Die weitere Untersuchung enthüllt, daß die E-Mail von der neuen Software der Service-Abteilung kommt, die die Passwortdateien des Mail-Servers durchsucht hat, um eine Adressenliste zu generieren. Die Nachricht an sich ist belanglos - eine einfache Anfrage. Ich hasse die Software der Service-Abteilung, ich haßte sie schon immer. Der Gedanke an Software, die ´Ich befasse mich mit dem Problem, wenn ich mich mit dem Problem befasse´ nicht als Terminangabe akzeptieren will, verärgert mich sehr. Wirklich sehr. So sehr, daß ich mich beim Server der Service-Abteilung anmelde. Zwanzig Minuten später bekomme ich einen Anruf aus der Service-Abteilung. "Hallo, hier ist der Service. Wir fragen uns, ob sie wissen, was mit unserem Server passiert ist?" "Keine Ahnung", antworte ich. "Wieso?" "Er ist langsamer als sonst. Die Aktualisierung unserer Daten schleicht geradezu." "Wirklich? Vielleicht ist es fehlerhaft programmierte Software, die nur begrenzt skalierbar ist", antworte ich und benutze ein paar geeignete Fachausdrücke, die prompt Wirkung zeigen. "Testen sie, ob sich das später ändert - es könnte auch sein, daß gerade ein paar interne Prüfroutinen ausgeführt werden." "Oh, natürlich! Danke." Die Anruferin legt auf, und ich erhöhe Priorität für die Festplattenprüfsoftware von 80 auf 95 Prozent der Serverleistung. Gleichzeitig stelle ich Intensität der Fehlerprüfung von ´oberflächlich´ auf ´sehr intensiv´. Zum Glück habe ich eine angepaßte Version der Prüfsoftware, die nicht nach den standardmäßigen 15 Minuten damit aufhört, einen Abschnitt der Festplatte sehr intensiv zu überprüfen. Nun - zum Glück für irgendjemanden. In jedem Fall. "Fünf Pfund darauf, daß die Platte die Nacht nicht übersteht", sage ich zum PJ. "Kein Interesse", erklärt der PJ nachdem er meine ´Test´-Einstellungen geprüft hat und sich an die extrem hohe Ausfallrate bei den von uns ´getesteten´ Festplatten für die Erbsenzählerabteilung erinnert. 87 Prozent im ersten Monat, wenn ich mich nicht irre. Und das bedauerlichste daran war, daß bei den Erbsenzählern eine inkompatible Version der Backup-Software installiert war. Natürlich taten die allnächtlichen Abtipp-Übungen von Formularen einigen von ihnen ganz gut. Selbstverständlich kommt es am nächsten Tag zu einem plötzlichen Headcrash auf dem Server der Service-Abteilung, so daß alles zum stehen kommt. Der Chef scheint sich persönlich für diesen Fall zu interessieren, doch kann er keine Anzeichen für außergewöhnliche Aktivitäten erkennen. Ich bemerke, daß er sich persönlich um die Bänder mit den Software-Backups kümmert, statt der Software-Bibliothek zu vertrauen. Hmmm. Ich gebe dem PJ die neue Ausgabe der Gelben Seiten für den Chef. Wir grinsen uns wissend an ... Der Server der Service-Abteilung wird neu installiert und konfiguriert, die Datenbankeinträge werden neu eingespielt. Und wieder bekomme ich die gleiche E-Mail wie am Vortag, die gerade in dem Augenblick bei mir ankommt, als ich bemerke, daß eines meiner Skripte in einer Endlosschleife angekommen ist und alle fünf Minuten die Zeit um fünf Minuten zurücksetzt. Aber ich bin mir sicher, daß die Fehlerdetektoren der Software in der Service-Abteilung dies nicht bemerken werden ... Da die Sache mich interessiert, gehe ich zum Chef. "Ich dachte, ich bringe das Band mit der Software der Service-Abteilung in die Software-Bibliothek", schlage ich ihm hilfsbereit vor. Er gibt mir das Band, und es entgleitet mir unglücklicherweise. Bei meinen Bemühungen, es wieder aufzuheben, wird es von einem Stuhlbein zerquetscht. Viermal. Als ich hochschaue, sehe ich das lächelnde Gesicht des Chefs. In der Hand hält er ein Band, das unübersehbar die Aufschrift ´Backup - Service-Abteilung´ trägt. "Ich bin ja nicht von gestern", freut er sich und legt das Band auf den einzigen freien Platz auf seinem Schreibtisch - auf die gerade vom PJ vorbeigebrachte neue Ausgabe der Gelben Seiten. Ein kurzes ´Hmm´ später verlasse ich das Büro. Als ich wieder in meinem Büro angekommen bin, starte ich die Prüfsoftware für die Festplatten wieder mit 97-prozentiger Prozessorauslastung und - natürlich - ´sehr intensiv´. Am nächsten Tag passiert das Schreckliche erneut: Der Server der Service-Abteilung erlebt einen weiteren Headcrash seiner Festplatte. Ich eile sofort in das Büro des Chefs. "Ich könnte das Backup-Band den Technikern bringen, damit sie den Server wieder reparieren können." schlage ich vor. Der Chef lächelt und schüttelt nachdenklich den Kopf. "Oh", antworte ich. "Nun, in diesem Fall gehe ich wieder an meine Arbeit. Sie haben nicht etwa unser transportables Bandlöschgerät gesehen? Ich bin besorgt, denn es reagiert wirklich sehr empfindlich auf Erschütterungen und ähnliches. Deshalb habe ich aus einer überzähligen Ausgabe der Gelben Seiten ein Schutzgehäuse gebastelt ..." Der Chef wird blaß, als sein Blick auf das Telefonbuch auf seinem Schreibtisch fällt. "Ah ... das muß es sein", sage ich und spaziere mit dem wiedergefundenen Löschgerät, das nichts anderes ist, als ein kräftiger Magnet, aus seinem Büro. Wer mit dem Feuer spielt, kann sich die Hände verbrennen ... Geld wechselt den Besitzer, als der B.O.F.H. sich geheime Informationen beschafft ... Es ist ein ruhiger Nachmittag, als mein persönliches Telefon klingelt. Ich hebe ab, höre zu und lege dann wieder auf. "Streßabbau-Sitzung", erkläre ich dem PJ, und wir verdrücken uns in den nahegelegenen Pub. Ich sehe, daß mein Anrufer schon da ist, also lasse ich den PJ die Getränke holen. "Guten Tag, George", beginne ich, als der PJ und ich an seinen Tisch kommen. "Guten Tag", antwortet George und blickt sich vorsichtig um. "Sie haben meinen Assistenten noch nicht kennengelernt." fahre ich fort. "PJ, George; George, PJ." Der PJ schaut mich mit einem Blick an, den er sonst für mental Instabile reserviert hat (wofür er später noch bezahlen wird; er sollte sich vor Schränken in acht nehmen ...). "George ist einer unserer Hausmeister", sage ich und warte darauf, daß das Gehirn des PJ auf Touren kommt. Sein Gesichtsausdruck bleibt unverändert, also muß ich seinen Gedanken auf die Sprünge helfen. "George leert die Papierkörbe der Reichen und Mächtigen ..." helfe ich ihm. Das Feuer der Erkenntnis spiegelt sich in den Augen des PJ, als er in George eine hervorragende Quelle für potentiell zerstörerische Informationen erkennt. "Hallo", sagt er und streckt die Hand aus. George bewegt sich nicht. Ich seufze. "Das ist nicht die richtige Art und Weise, um George zu begrüßen", erkläre ich. "DIES ist die richtige Art und Weise." Wir schütteln die Hände und George läßt einen neuen 20 Pfund-Schein in seiner Tasche verschwinden. "Das Videokonferenzsystem ist wieder auf dem Plan." sagt George leise. "AUSGEZEICHNET!" rufe ich. "Das klingt nach viel neuer und teurer Technik für uns." "Nicht, wenn man der Kopie einer handschriftlichen Bestellung Glauben schenkt ..." flüstert George. "ÜBUNG IM HÄNDESCHÜTTELN!" sage ich zum PJ. Er kramt in seinen Taschen und schüttelt dann die Hand von George. Ein weiterer 20 Pfund-Schein verschwindet, und ein Stück Papier fällt zu Boden. Da ich ein ordentlicher Mensch bin, hebe ich es auf und stecke es ein, um es später zu entsorgen. "Nun, wir können nicht den ganzen Tag hier herumhängen", scherze ich. "Wir haben Arbeiten zu erledigen etc." Wenige Minuten später studieren der PJ und ich eine Rechnungskopie mit vielen Nullen in der rechten unteren Ecke. Viele Nullen. Eine Rechnung, die viele Glocken des ´Netzwerk-Überwachungs-Monitors´ zum Klingen gebracht hätte, wenn die Rechnung wie üblich behandelt worden wäre. "Erkennen sie das?" frage ich den PJ. "Was?" "Die Ratte." antworte ich. "Eine große Ratte mit einem flachen Schwanz, weil in der jüngsten Vergangenheit jemand darauf getreten ist." Der PJ schaut zum Büro des Abteilungsleiters. "Eine Ratte mit einem Gespür für unpassende Kleidung?" schlägt er vor. "Bingo!" Die weitere Untersuchung der Rechnung zeigt, daß die bestellten Geräte aktuelle Versionen der Geräte sind, die vor einigen Monaten bei einem Unfall zerstört wurden, der den Vorgänger unseres Abteilungsleiters seine Stellung gekostet hat. Sein Nachfolger hat offenbar erkannt, daß die Person, die die Anlage installiert, zum lebenslangen Freund des Geschäftsführers wird. Um keine Zeit zu verlieren, rufe ich den Lieferanten mit befehlsgewohnter Stimme an, um die Lieferadresse zu ändern. Als ich auflege, fällt mir ein, daß die Worte ´wie besprochen´ oben auf der Rechnung stehen. Ich fliege zur Telefonanlage und vertausche die Nummer des Chefs mit meiner eigenen. Keinen Augenblick zu früh. Die Stimme des Lieferanten klingt wieder an meinem Ohr. "JA!" knurre ich im Chef-Modus. "Hallo, ich wollte mich nur vergewissern, daß die Änderung der Lieferadre ..." "WAS?! ICH HABE SIE DOCH GERADE ANGERUFEN!!" "Ja, aber sie haben ausdrücklich gesagt ..." "Ja, stimmt. Sie haben Recht", gebe ich zu. "Ich bin einfach nur bestrebt, die Geräte möglichst schnell hier stehen zu sehen." "Nun, wie wäre es, wenn ich ihnen unser Vorführmodell schicke, damit sie damit ein paar Tage üben können", schlägt er großzügig vor. Einen Tag später empfangen der PJ und ich ein hochmodernes Videokonferenzsystem, suchen dann im Internet die benötigte Software und laden nebenbei noch ein paar nützliche Bilder herunter. Wieder einen Tag später können wir dank der Überwachungskameras beobachten, wie der Abteilungsleiter, unser Chef, seine ´neu gelieferten´ Geräte in ein Zimmer schleppt, das ziemlich nahe beim Büro des Geschäftsführers liegt. Kaum eine Woche später hat der Geschäftsführer seine erste Sendung hinter sich, die in allen unseren Niederlassungen gleichzeitig gesehen wurde. Der PJ und ich diskutieren diese Sendung später. "Ich glaube, daß das Faß zum Überlaufen gebracht wurde, als der Kopf des Geschäftsführers auf dem Körper dieser nackten Frau erschien." schlägt der PJ vor. "Könnte sein", stimme ich zu. "Wie auch immer, ihr kleines Filmchen, wie der Kopf des Geschäftsführers sich in den eines schinkenproduzierenden Tieres verwandelte, war wirklich ein Kunstwerk." Unser Chef beteiligt sich nicht an unserer Unterhaltung. Möglicherweise liegt das daran, daß er so eifrig bemüht ist, seinen Schreibtisch auszuräumen, bevor der Sicherheitsdienst in hinausbegleiten wird. Ich habe es einmal gesagt, ich habe es tausendmal gesagt - es ist ein lustiges Spiel. Schon einmal den Wunsch verspürt, am Arbeitsplatz Computerspiele zu spielen? Der B.O.F.H. bemüht sich, den Spaß zu vervielfachen ... "Hallo, ist da die Netzwerk-Abteilung?" fragt ein Nutzer. "Natürlich. Wie kann ich helfen?" antworte ich voller Hilfsbereitschaft, die immer gut für die PR ist. "Alle Dateien auf meinem Netzlaufwerk sind verschwunden!" "Verschwunden?" "Ja. Einfach verschwunden. Ich hatte einige Sicherheitskopien von Dateien, die ich für die Arbeit brauche." "Wie lautet ihr Nutzername?" frage ich. Er sagt es mir, doch das ist eigentlich belanglos, denn das Display unserer Telefonanlage zeigt ja ohnehin den Namen des Anrufers, seine Zimmernummer, seinen Nutzernamen und seine Position in der Hierarchie unserer Firma an. In diesem Fall: Name: Ronald Williams; Zimmer: 2.23; Nutzername: prsrw; Position: ´Kanonenfutter´. "Aber ja", erwidere ich. "Und ihre Arbeit besteht darin, sich mit den verschiedenen Versionen von Leisure Suit Larry, Doom und einigen anderen Spielen beschäftigen, ist es nicht so?" Ich höre eine beängstigtes Keuchen, als er seinen fatalen Fehler bemerkt - doch nun sitzt er in der Falle. "Sie waren nur zu Testzwecken da ..." "Waren sie nicht." seufze ich. "Es sei denn, sie haben eine wirklich gute und überzeugende Entschuldigung, damit sie nicht wegen Software-Piraterie bestraft werden." "Bestrafung?" "Nun, natürlich nicht, wenn sie die Original-Disketten besitzen, aber das scheint sehr unwahrscheinlich zu sein, da ihre Dateien aus gepackten Archiven bestanden ..." "Woher wollen sie das wissen? Sie waren doch verschlüsselt!" "Mit ihren Initialen als Passwort. Also wirklich, wenn sie nicht versucht hätten ..." "Ich kann nicht glauben, daß sie das getan haben ..." "Ich habe es getan. Ich habe das auch schon vorher gemacht und werde es wieder tun. Auf Wiederhören." sage ich und lege auf. Der PJ sieht verwirrt aus. "So kenne ich sie doch gar nicht. Seit wann kümmern sie sich um illegale Kopien?" fragt er. "Das ist mir doch egal. Ich brauche nur Platz, um meine eigenen Spiele zu sichern. Und ich kann nicht schon wieder den Chef übers Ohr hauen, um an eine neue Festplatte heranzukommen." Das Telefon klingelt wieder. Ich schaue nach der Nummer des Anrufers. Es ist ´Kanonenfutter´. Der PJ nimmt den Anruf schließlich an. "Alle Dateien auf meiner Festplatte sind ebenfalls verschwunden!" meckert der Anrufer aufgeregt. "Ich wollte nur gründlich sein", flüstere ich und überlasse es dem PJ, ein wenig zu improvisieren. "Ja, das stimmt", antwortet der PJ. "Das liegt am ..." &gt;flip&lt; &gt;flip&lt; Er sucht schnell eine Antwort im Ausredenkalender. "... dynamisch-transienten magnetischen Re-Allokations-Mechanismus ihrer Festplatte. Sie sollten regelmäßig Sicherheitskopien ihrer Platte machen." "Aber das mache ich doch!" platzt der Anrufer heraus. "Es ist alles gesichert, auch meine Dateien auf dem Server! Könnten sie sie bitte wiederherstellen?" "Warten sie einen Moment", antwortet der PJ. "Ich verbinde sie mit dem Systembetreuer, der ihnen hilft, ihr Problem zu lösen. Seine Nummer ist die 8002 für den Fall, daß die Verbindung nicht klappt." Er verbindet weiter und legt dann auf. "Zwei Minuten, zwei Anrufe", sagt der PJ und legt einen Fünf-Pfund-Schein auf den Tisch. "Sechs Minuten, zehn Anrufe", halte ich dagegen und lege meinen Schein auf den des PJ. Wir beobachten Kanonenfutters Aktivitäten auf dem Display der Vermittlungsanlage. Nachdem nach fünf Minuten keine Verbindung mit dem Systembetreuer zustande gekommen ist, legt er auf. Es ist allerdings nicht verwunderlich, daß der Systembetreuer den Anruf nicht entgegennehmen kann, denn die Nummer, die Kanonfutter anruft, gehört zu einem Apparat, der im Kellergeschoß hinter einer Wandverkleidung steckt. Sieben weitere Anrufversuche später stecke ich meine zehn Pfund ein. Der PJ ist nicht gerade erfreut, denn er erwartete etwas mehr Intelligenz von diesem Anrufer. Seine Naivität ist wirklich immer eine zuverlässige Quelle für Überraschungen (und ein zusätzliches Einkommen). Wir beobachten, wie unser Freund schließlich die richtige Nummer der Systembetreuung anruft. "Nun, da löst sich ihr zusätzlicher Plattenplatz wohl in Luft auf." sagt der PJ. "Zehn Pfund, daß das nicht passiert", schlage ich vor. "Da gehe ich mit", antwortet der PJ in der Hoffnung auf den doppelten Gewinn. Ich hebe die verdreckteste Kassette mit Magnetband vom Boden auf, und wir marschieren in den Raum mit den Bandmaschinen, um auf einen Systembetreuer zu warten. Selbstverständlich müssen wir nicht lange warten, bis er kommt. Er hat ein paar Bandkassetten bei sich. Als er mich sieht, preßt er sie, aus welchen Gründen auch immer, fest an sich ... "Lassen sie sich nicht stören", sage ich und halte deutlich meine Kassette hoch, von der prompt ein Stück vom Gehäuse herunterfällt. "Sie haben das Band in ihrem Laufwerk gelesen?" fragt der Systembetreuer. "Natürlich", antworte ich. "Und es funktionierte bestens - nur ein paar Lesefehler, was nicht schlimm ist für ein Band, das so alt ist." Der Systembetreuer rollt verzweifelt mit den Augen und greift nach der Kassette mit dem Reinigungsband, die auf dem Bandgerät bereitliegt. Der PJ beobachtet verstört und ahnungslos, was passiert. Seine Ahnungslosigkeit verschwindet, als das Reinigungsband in das LAufwerk eingelegt ist. "Aha ..." sagt er und lauscht aufmerksam auf das Geräusch, das aus dem Laufwerk kommt. "Sandpapier ... und ... ist es ein Gleitmittel?" Er ist gut. "In Ordnung - und - für die zehn Pfund, die sie mir schulden ..." sage ich und nicke in die Richtung des Systembetreuers, der in Panik mit dem Auswurfknopf des Bandlaufwerkes kämpft. "Hm ... nein, handelt es sich um schnellhärtendes Epoxid-Harz?" "Und der Gewinner des Tages ist ... DER PJ!" rufe ich. Wir verlassen den Computerraum und kehren zurück in unser Kontrollzentrum. "Wann haben sie ..." beginnt der PJ. "... das Reinigungsband ´perfektioniert´? Vor etwa sechs Wochen - es wird normalerweise nicht benutzt, also wußte ich, daß es das perfekte Werkzeug zur ferngesteuerten Zerstörung ist. Man kann von irgendwo aus anrufen und sagen, daß man Lesefehler hat ..." "Aber damit haben sie sich nur Zeit gekauft." "Nicht korrekt." sage ich und entferne die Aufkleber von einigen herrenlosen Bandkassetten, die ich vorhin im Papierkorb gefunden habe. "Sie Bastard!" ruft er voller Respekt. "Durch und durch, privat, im Job und immer bereit für eine Runde Netzwerk-Doom." "Legen wir los!" Als der B.O.F.H. mit Verschlüsselung bedroht wird, versetzt er seinem Chef den bisher größten Schock ... Der PJ und ich marschieren durch die Korridore des Rechenzentrums, als unsere Schritte plötzlich durch die firmeneigene Umweltschützergruppe gestoppt werden. Wir fragen uns, warum diese Gruppe so offensichtlich gewachsen ist. Vor langer, langer Zeit wurde sie von zwei oder drei Veteranen gegründet, deren technischer Verstand gerade dazu ausreichte, ein 8 Zoll-Laufwerk zu reparieren. Heute scheint diese Gruppe zum Ruheplatz für Drückeberger geworden zu sein. Um den wahren Grund für die Existenz dieser Gruppe zu verschleiern (Flucht vor Arbeit und Verantwortung), führen ihre Mitglieder lange Gespräche über neue Entwicklungen in der Rechentechnik, wohin diese führen werden und warum, auf welche Entwicklungen man besonders achten sollte und wer davon betroffen sein wird. An sich wäre dies ja auch nicht besonders schlimm, wenn sie (a) sich nicht in den Korridoren oder in irgendeinem Büro versammeln würden, wo sie ganz sicher stören, oder (b) den Chef nicht manchmal mit dem Virus ihrer Zukunftsvisionen infizieren würden. Heute ist wieder einer dieser Tage. Verschlüsseltes TCP/IP und wie es bei uns eingeführt werden könnte - das ist das Thema ihrer aktuellen Vierstundendiskussion. Der PJ und ich bleiben stehen ... "Was macht dieser Typ?" fragt der PJ leise und deutet auf einen der Wortführer, der ganz offensichtlich von der Idee begeistert ist, einen seiner strategischen Pläne verwirklicht zu sehen, um mit seinem ausgezeichneten Fachwissen eine Stufe in der Firmenhierarchie aufsteigen zu können. "Abgesehen davon, daß er Unmengen Deodorant in die Klimaanlage versprüht?" frage ich den PJ. "Ich bin mir nicht sicher, irgendwie sehen die alle gleich aus." In der Zwischenzeit ist der Chef, der sich unter ihnen befindet, hellauf davon begeistert, daß er in einem einzigartigen Coup die Barrieren für den Zugriff auf die einzelnen Arbeitsplatzrechner verstärken und damit anscheinend die Sicherheit unseres Netzwerkes erhöhen kann. Das ist nicht gut. Zwei Stunden später marschiert der Chef mit ein paar hastig beschriebenen Notizblättern in der Hand in unser Büro. "Sagen sie mir", fragt er mich. "Warum benutzen wir eigentlich kein verschlüsseltes TCP/IP?" "Zusätzliche Last im Netzwerk", antworte ich, um zu sehen, wie gut er vorbereitet wurde. "Aber die zusätzliche Last ist doch minimal, wenn die Verschlüsselung mit persönlichen Schlüsseln von Programmen auf den Arbeitsplatzrechnern durchgeführt wird", schlägt er vor. Da hat ihn jemand offensichtlich gut präpariert, denn diese Thematik geht sonst weit über seinen Horizont hinaus. "Stimmt! Das ist mir noch gar nicht eingefallen!" rufe ich begeistert. "Nun, dann bereiten sie sich schon einmal auf die Einführung vor", antwortet er voller Enthusiasmus. "Selbstverständlich." Der PJ blickt mich mit dem gleichen beunruhigten Ausdruck an wie vorhin auf dem Gang. "Sie werden doch nicht etwa weich?" fragt er besorgt. "Dies hier wird für mich sprechen", antworte ich und deute auf einen soeben installierten PC, dessen Monitor einen Bildschirmschoner anzeigt. Förmlich betätigt der PJ die Return-Taste ... und Mikrosekunden später berührt er unsanft die Wand hinter sich. "Das ist doch gut, oder?" frage ich, als er das Bewußtsein wiedererlangt. "Das Wort ´Return´ ist mit leitfähigem Material aufgedruckt worden. Wird die Taste gedrückt, dann wird eine Verbindung mit der Erdung des Rechners hergestellt, wodurch eine hohe aber weitgehend harmlose Spannung entsteht. Ach, wie war das noch mit dem Weichwerden?" Der PJ zweifelt nicht mehr und hilft mir, die Anweisung des Chefs buchstabengetreu auszuführen. Der Chef nimmt diese Nachricht mit selbstgefälligem Grinsen entgegen und verbringt den nächsten Tag damit, ein begeistertes Memo über die Sicherheit in Netzwerken anzufertigen, eine neue Ära der Sicherheit, bla bla bla bla. Er formuliert das Memo so, als hätte er höchstpersönlich und ohne fremde Hilfe nur mit seinem Feuerzeug ausgestattet die Bits und Bytes zusammengebracht, um dies alles zu ermöglichen. Um die theatralische Wirkung noch zu steigern, legt er als Termin für die Inbetriebnahme des neuen Systems den nächsten Montag fest. Der Montag ist da, und der Chef erscheint mit den Chefs der IT im Schlepptau. Mit angehaltenem Atem wartet er darauf, daß es 9 Uhr wird, damit er die Verschlüsselung einschalten kann. Das Klicken des Sekundenzeigers mischt sich mit dem Klackern der Tastatur und dem Geräusch, das der Chef verursacht, als er in einem alten Metallregal mit vielen spitzen Ecken und Kanten landet, nachdem er die Verschlüsselung aktiviert hat. Dann fangen die Anrufe an. Die Freisprechanlage erlaubt es den IT-Chefs mitzuhören. "Hallo, Netzwerkbetreuung." melde ich mich. "Hallo, hier ist die Nutzerbetreuung. Wir bekommen unzählige Anrufe von Nutzern, deren PCs nur noch TCP/IP-Fehler melden." "Ja, das liegt an der Verschlüsselung." antworte ich. "Aber wie können wir die Daten entschlüsseln?" "Das geht nicht. Ich dachte, sie wissen das. Wir sollten doch nur die Verschlüsselung einrichten." "WOLLEN SIE DAMIT SAGEN, DASS SIE GERADE EIN SYSTEM INSTALLIERT HABEN, DAS NICHT MIT ANDEREN RECHNERN KOMMUNIZIEREN KANN?" fragt der IT-Boss wütend. "Wir waren es nicht." sage ich und zeige ihm ein aktuelles Memo. "Ja, das sehe ich." sagt der Boss mit einem eiskalten Blick auf unseren Chef. Unglücklicherweise führen dessen vergebliche Versuche, die Verschlüsselung wieder abzuschalten, zu unnötigen Beschädigungen eines Regals. Doch zum Glück war der IT-Chef noch so nett, auch allen anderen Mitgliedern der Drückerberger-Gruppe, die ja diese Idee hatte, einen Versuch zu gestatten, die Verschlüsselung zu stoppen, so daß die Dinge schließlich wieder ins Lot kamen. Status Quo wiederhergestellt - alle Systeme laufen. Sehr zum Mißfallen des B.O.F.H. wird der PJ Opfer eines Zaubers ... Irgendwann mußte es ja passieren. Und um ehrlich zu sein, ich wundere mich nur, warum es so lange gedauert hat. Trotz meiner zahlreichen Belehrungen, meiner anschaulichen Schilderungen der zu erwartenden Schwierigkeiten bei der kleinsten Andeutung eines solchen Handelns und trotz meiner zahlreichen Erinnerungen an die Konsequenzen eines solchen Verhaltens hat der PJ mich alleingelassen. Er hat sich verliebt. Eine der weniger erfreulichen Nebenwirkungen der ständigen Arbeit mit vernetzten Rechnern ist das Nachlassen der eigenen Vorsicht - ganz besonders dann, wenn man so viele persönliche Mitteilungen auf dem Bildschirm des Netzwerk-Monitors mitlesen kann wie wir. Und genau dies ist dem PJ passiert - er fand ´seine´ Frau, die sich mit dem jüngsten Erbsenzähler im Internet Relay Chat (IRC) unterhielt. (Die beiden müssen verrückt sein, wenn sie annehmen, daß niemand ihre Unterhaltung belauschen kann.) Der PJ hat die Frau sofort davon überzeugt, daß er ein weitaus interessanterer Typ zum Kennenlernen ist als ein Erbsenzähler. Was freilich nicht besonders schwer war, wenn man davon ausgeht, daß das nächtliche Verlegen von Kabeln mehr Spaß bereitet als ein Gespräch mit einem Erbsenzähler. Das Telefon klingelt. "Netzwerk-Service. Wie kann ich ihnen helfen?" singt der PJ mit diesem kranken verliebten Tonfall - sie wissen, was ich meine. "Ich habe anscheinend meine Adressenliste für die Weihnachtskarten vom Server gelöscht. Könnten sie sie möglicherweise vom Backup-Band wiederherstellen?" "Eine kleinen Moment bitte ... " &gt;CLICK&lt; &gt;WHIRRRR&lt; &gt;CHUNKACHUNKACHUNKA&lt; "... da ist sie wieder." "Oh, vielen, vielen Dank!" "Kein Problem." Ich überprüfe die Adressenliste - und es handelt sich tatsächlich um eine Adressenliste, keine logische Bombe oder ein fehlerhaftes Makro. Dieser Bursche ist krank. Ich werfe einen Blick auf seinen Netzwerkmonitor, um zu sehen, in welcher Etage heute ganz plötzlich das Netz ausfallen wird. Aber alles was ich sehe ist grün - also kein ´unerwarteter´ Bandbreitenengpaß in Sicht. Beängstigend. Mir fällt auf, daß das Hintergrundbild seiner Workstation sich geändert hat. Es zeigt nun jemanden, der blond und weiblich ist. "Ist das ..." deute ich auf das Bild. "Yep. Sieht sie nicht prächtig aus?" Ich muß zugeben, daß das Wort ´Babe´ mir als erstes einfällt. Dann verspüre ich plötzlich das Verlangen, den Netzanschluß des Servers der Erbsenzähler lahmzulegen. Mir wird klar, daß es noch normal ist, wenn man das Bild einer anderen in der Geldbörse mit sich herumträgt. Doch das Verschicken von JPEGs mit E-Mails ist etwas, was nur Anoraks machen. "Habe ich ihnen schon gesagt, daß wir uns heute zum ersten Mal treffen wollen?" singt der PJ in diesem kranken Tonfall. Das klingt wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Wandtafel. Wirklich. "Nein", antworte ich müde. Ich habe es ein paar Tage lang geschafft, Begeisterung und Interesse zu heucheln, denn ich hoffte, ihn dadurch zur Vernunft zu bringen, doch meine Bemühungen waren offensichtlich erfolglos. "Wo werden sie sie denn treffen?" "Oh, ich weiß noch nicht - ich bin ein absoluter Anfänger auf diesem Gebiet. Aber vielleicht können sie mir einen Tip geben?" "Hmmmm ... warum versuchen sie nicht das neue Fischrestaurant in der High Street? Es ist preiswert und wird sehr geschätzt. Und natürlich können sie mit der Karte für ´geheime´ Ausgaben vom Chef bezahlen." "Gute Idee. Ich schicke ihr gleich eine E-Mail." Entweder ist mein ´ehrlicher´ Gesichtsausdruck noch nicht verbraucht oder er weiß es wirklich nicht besser. Ein kleines Filterprogramm auf dem Mailserver sorgt dafür, daß die Geliebte des PJ sich nun auf Curry in Highgate freut. Jetzt gilt es, die andere Hälfte meines Plans umzusetzen. Ich schicke den PJ weg, damit er für sein Schätzchen einen romantischen Blumenstrauß kaufen kann. Das wird ihn mindestens eine halbe Stunde lang beschäftigen, so daß ich die Gelegenheit nutzen kann, um eine Bekannte anzurufen. Der PJ nutzt seine Chance für eine verlängerte Mittagspause (Zum Glück, den sein verliebtes Geplapper macht mich langsam verrückt.), und so ist es nicht besonders schwer, die letzten Stunden des Tages zu überstehen, bevor er mit krankem Lächeln verschwindet. Der Morgen kommt, und ich erscheine besonders früh gegen 11 Uhr im Büro, um herauszufinden, wie der Abend meines Untergebenen verlaufen ist. "Verdammt erschreckend. Sie war gebaut wie ein kleiner Büroblock, sie hatte eine Stimme wie Arthur Mullard und sie redete den ganzen Abend über ihre neue Kirsch-Entstein-Maschine." Lustig, das klingt ganz nach Julie, der Schwester meiner Nachbarin. Aber nein, sie kann es nicht gewesen sein, denn sie hat mit Computern nichts zu schaffen. Und eigentlich dürfte sie kaum Zeit für Verabredungen haben, denn ihr Truck belädt und fährt sich ja nicht selbst. "Aber was ist mit dem Foto?" frage ich. "Das ist eine Fälschung. Zum Teufel, ich habe genug von Frauen!" &gt;Klingel&lt; Der PJ nimmt den Anruf an. "Netzwerk-Service." "Mein Netzlaufwerk ist voll." "So?" "Könnte ich etwas mehr Platz bekommen?" "Natürlich gebe ich ihnen mehr Platz ... " &gt;KLIKEDIKLAK&lt; "... schon geschehen. Sie haben fünf Megabyte freien Platz bekommen." Ich schaue neugierig auf seinen Monitor: "rm -rf \*". Schon besser. Wo findet man einen PJ, wenn man einen braucht? Es ist eine echte Herausforderung, doch ... Ein trauriger Tag für die Netzwerk-Abteilung. Der PJ hat sich leider entschlossen, unsere Firma zu verlassen. Offenbar gibt es Wiesen die grüner sind und anziehender auf die Jungen und Ahnungslosen wirken. Er hat eine Stelle als Netzwerk-Betreuer eines Unternehmens aus der Öl-Branche angenommen, wo die Kollegen annehmbar sind und die Bezahlung vielversprechend ist. Mit einem Anflug von Sentimentalität in seinem Blick holt er zwei Wochen nach seiner Kündigung seine Sachen. In diesen zwei Wochen lief der Chef mit dem wohlbekannten Ausdruck ständigen Verfolgungswahns herum. Offensichtlich hat ein ´Druckfehler´ im Online-Rufnummernverzeichnis die Anzahl der Fehlverbindungen zu seinem Anschluß dramatisch erhöht. Und auch die Änderung seiner Nummer konnte das Problem nicht lösen. Die Erkenntnis, daß er für eine Versetzung nach Wales nicht nur im Gespräch, sondern auch noch dafür ausgewählt wurde, führte zusätzlich noch zu einigen verzwickten und langwierigen Streitereien, die ihn für einige Tage beschäftigten. Die Vorstellungsgespräche für den Nachfolger des PJ beginnen, und es ist offensichtlich, daß das Niveau der Bewerber nicht gerade an das des echten PJ heranreicht. Ich: "Ein Nutzer beschwert sich über die Geschwindigkeit im Netzwerk. Werden sie das Problem suchen oder den Netzwerk-Port des Nutzers sperren?" Sie: "Ich such ..." Ich: "Danke, sie werden von uns hören. Nächster!" Ich: "Es ist 16:54 Uhr am Freitag und ein Nutzer ruft mit einer Frage zu TCP/IP an. Was werden sie tun?" Sie: "Die Frage beantworten?" Ich: "Verzwickte Frage. Sie beantworten niemals an einem Freitag eine Anfrage nach 15 Uhr! Selbst WENN sie noch bei der Arbeit sind! NÄCHSTER!" Ich: "Sie bemerken, daß die Firmware des Routers seit einigen Revisionen nicht mehr aktuell ist. Was tun sie: Füllen sie ein Austausch-Beantragungs-Formular aus, sorgen für die Sicherung der alten Eproms oder bestellen gleich die neue Firmware-Version?" Sie: "Die neue Version bestellen?" Ich: "Nein. Sie lassen den Router alle drei Stunden abstürzen, bis der Chef sie anfleht, die Firmware so schnell wie möglich zu aktualisieren, was zu vier Überstunden mit doppeltem Stundensatz führt! NÄCHSTER!" Nach zwei Tagen mit Vorstellungsgesprächen entscheidet der Chef sich dazu, selbst einen Bewerber auszuwählen. Erwartungsgemäß entscheidet er sich für Ronald, den schlimmsten annehmbaren Bewerber, einen mit offensichtlichen Problemen seiner Auffassungsgabe. Und natürlich werden die Nutzer ihn lieben, was immer ein deutliches Warnzeichen ist. Ich mache das beste aus der Situation bis ich einen Plan habe. "In Ordnung, Ron, ich zeige ihnen ihr ..." "Nein, Ronald, nicht Ron." "Ja." Ich mache mir in Gedanken eine Notiz, daß ich die Platten des Bodenbelags ein wenig lockern muß ... Dann bereite ich ihn auf seine neue Karriere im Netzwerk-Service vor, indem ich ihn den Staub aus den Kabelschächten entfernen lasse. Zwei Tage und einen Unfall im Kabelschacht später fängt Gerald als neuester PJ an. Ein kindischer Typ, doch immerhin ist er unfreundlich zu unseren Kunden. Trotzdem, ihm fehlt der richtige Killerinstinkt, der die Profis von den Amateuren unterscheidet. Und im fehlt auch der technische Verstand, nicht mit dem Regenmantel mit den großen Metall-Verschlüssen auf das Dach zu steigen, um während eines Gewitters die ´Satellitenschüssel zu kalibrieren´. Ups. Aber Hautverbrennungen verheilen ja recht schnell. Gerald folgt dem Beispiel Ronalds, indem er sich in einen langen Erholungsurlaub verabschiedet, so daß ich die Festung allein verteidigen muß. Es geht hektisch zu, denn die Anzahl der Anrufe, die ich annehmen kann während ich mit dem alten PJ Netzwerk-Doom über das Internet spiele, ist begrenzt. Gleichzeitig scheint es schwierig zu werden, Bewerber für den Posten des PJ zu finden. Beinahe unmöglich, um es genau zu sagen. Es hat sich wohl herumgesprochen, daß es sicherer ist, mit laufenden Motorsägen auf einem Einrad balancierend zu jonglieren, als bei uns zu arbeiten, so daß die Bewerber in Scharen einen Bogen um unser Angebot machen. Da ich arbeitsmäßig überlastet bin, komme ich nicht dazu, die vielen Netzwerkfehler zu beseitigen, die uns plagen - zum Beispiel den Netzanschluß des Chefs, der sich plötzlich wie ein unterbrochener Stromkreis verhält. Zum Glück bin ich immerhin in der Lage, ihm als Interims-Lösung aus meinem Bestand ein 2400er Modem zu leihen. Bei 2400 Baud brummt sein File-Server natürlich mächtig. Ganz zu schweigen vom Netzteil des Modems, das soviel Strom frißt, daß nach dem Einschalten des Modems die Lampen in seinem Büro weniger hell leuchten. Der Chef sieht keinen anderen Ausweg mehr, als ich ihm einen Vorschlag mache. Wenn er eine ansprechende Prämie und einen entsprechenden Lohn anbietet, dann könne ich ihm einen Ersatz für den PJ beschaffen, erkläre ich ihm. Der Chef greift nach dem rettenden Strohhalm und nennt zwei akzeptable Zahlen. Ich rufe den PJ an und mache ihm ein unwiderstehliches Angebot. Dem er auch nicht widerstehen kann. Einen Tag später hat der PJ seinen Urlaub beendet und eine kräftige Lohnerhöhung in der Tasche. Was der Chef nicht weiß, kann ihn auch nicht ärgern. Vorerst. Als ich später dem PJ die Hand schüttle, dringt ein lauter Schrei zu uns. Ich LIEBE dieses Geschäft.

# B.O.F.H Ausreden

# Ausreden Teil 1

Hier kommt mal eine Auswahl der nettesten Ausreden vom B.O.F.H.

\- Hund des Chefs nagt am back bone  
\- Vielleicht sollten Sie jemanden fragen, der Bescheid weiss. Schon mal in die gelben Seiten geschaut?  
\- Gerade eben funktionierte noch alles - dann haben SIE angerufen  
\- Betriebsrat verlangt, dass PCs nicht schneller denken duerfen als Mitarbeiter - alte CPUs wieder eingebaut  
\- Hackerangriff ueber die Kanalisation  
\- Recycling-Gebuehren fuer geloeschte Dateien nicht entrichtet  
\- Temperatur im Rechnerraum zu niedrig - Elektronen flissen zu langsam  
\- Ein Rabe(!) sitzt auf der Microlink-Antenne und defokussiert die Verbindung zum Internet  
\- Anti-Virus-Programm klassifiziert Windows Update als Virus  
\- Zu viele Kreditkarten am Koerper interferieren magnetisch mit Platte  
\- Virenscanner hat sich in einer Autoimmunreaktion selbst geloescht  
\- Backbone-Router hat das Stoiber-Syndrom: er kann sich nicht zwischen Berlin und Muenchen entscheiden  
\- Kein Geld mehr da, um die Pizzarechnung der Hotline zu bezahlen  
\- Platte wurde falsch gepolt angeschlossen und dreht jetzt falsch herum  
\- Alle SysOps sind auf einem halbstuendigen Kommunikations-Meeting in London  
\- Server hat falsche Zeitzone eingetragen und schlaeft jetzt  
\- Undichte Stelle im AGP-Bus - Elektronen tunneln ins Freie  
\- Ihr Moorhuhn-Prozess hat Vogelgrippe  
\- Management beschliest, Telefon ueber das Netzwerk zu betreiben: Dauerquassler blockieren Datenverkehr  
\- Das Ethernet ist verdampft (global warming?)  
\- Mutierte Eichhoernchen suchen nach dem POPcorn-Server (vermutlich ein liguistisches Problem)  
\- Blattschneiderameisen im Rechenzentrum fressen Blatt mit Root-Passwort  
\- Aufsichtsrat hat beschlossen, dass die Stromrechnungen der Firma zu hoch sind - Rechenzeit aller PCs nur noch von 7-9 Uhr  
\- SCSI-Bus faehrt schneller als zugelassene Hoechstgeschwindigkeit  
\- Die Antwort ist 41 (Informatiker zaehlen ab 0)  
\- Firewall filtert alles, was nichts mit Karneval zu tun hat  
\- Hotline ist nicht besetzt, weil alle SysOPs auf Meeting besprechen, warum Hotline so oft nicht besetzt ist  
\- Alle Computer-Freaks vergnuegen sich auf der CeBit - Anrufen zwecklos!  
\- Geschaeftsleitung hat vergessen, unsere Internet-Domain zu verlaengern  
\- Unser Vorrat an TCP/IP-Paketen ist erschoepft - wir warten auf neue Lieferung  
\- Firewall ist abgebrannt  
\- Cafeteria-Angestellte planen 'Denial-of-Service-Attack'  
\- Rechenzentrum unter Wasser, weil Raucher Sprinkleralarm ausgeloest hat  
\- Auf allen X-Terminals laufen X-Files  
\- Anti-Virus-Programm als Doppelagent entlarvt  
\- Elektromagnetische Strahlung, verursacht durch Meteoriten, stoert Bluetooth-Verbindung  
\- Was immer Ihnen gerade durch den Kopf geht: es ist die Loesung! Make it so!  
\- Fluktuationen in der Erdrotation bewirken Fluktuationen in Plattenrotation  
\- Staendige Telefonanrufe an die Hotline verhindern, dass Schaden behoben werden kann  
\- Frau Bezelmann braucht Steckdose fuer ihren Power-Lockenwickler-Waermer  
\- DooM-Spieler hat aus Versehen Kernel erschossen  
\- Sicherheitsbeauftragter hat Rechnerraum versiegelt, weil kein Notausgang vorhanden  
\- oeko-Screensaver vertraegt sich nicht mit Atomstrom aus der Steckdose  
\- Der Direktor hat eine Tastatur beruehrt - und saemtliche Server sind abgestuerzt  
\- Ihr Kernel ist Opfer eines Terroranschlags! Loeschen Sie '/bin/laden'!  
\- Computer verliert Energie in Form von hochfrequenter Bus-Strahlung  
\- WE ARE THE MICROSOFT! YOU'LL BE ASSIMILATED! RESISTANCE IS FUTILE!  
\- Techniker hat aus Versehen Kabelfernsehen in unser Netzwerk eingeschleust  
\- Auf Ihrem Rechner ist kein RTFM-Device installiert  
\- Mailserver hat zuviel SPAM abbekommen - Verdauungsprobleme  
\- Alle SysOps sind auf der SYSTEMS  
\- Bill Gates hat heute Geburtstag; alle Windoofs-Rechner feiern  
\- Alle Servlets an die Cafeteria ausgeliehen  
\- Trojanisches Pferd hat ausgeschlagen und Server getroffen  
\- Backup von gestern hat Backup von vorgestern ueberholt.  
\- DAU-Limit im System ueberschritten. Warten Sie, bis sich ein DAU ausloggt, und versuchen Sie es dann nochmal  
\- Netzwerkkabel hat zu enge Schlaufen: [Datenpakete kriegen die Kurve nicht!](https://blog.tobis-bu.de/fun/fliehkrafte-im-kabel/)  
\- Der DAX wird negativ  
\- Fileserver hat galoppierenden MA (Maschinen Alzheimer)  
\- SysOps verwenden Microlink-Antenne zum Auftauen von Pizzas  
\- Auf Ihrem Rechner ist /dev/brain nach /dev/null gelinkt  
\- Katze des Systemmanagers hat die Maus der Master-Konsole getoetet  
\- SPAM-Filter hat 'sex' mit 'sechs' verwechselt und alle Mails geloescht, worin 'sechs' vorkam  
\- Zu viele Gravitronen in CPU ziehen Chip aus dem Sockel  
\- Ihre Festplatte hat das 'Max-Strauss-Syndrom'  
\- Luefterfluegel muessen nachgeschaerft werden  
\- Windoofs verwendet amerikanische Massinheiten, aber Hardware ist leider metrisch  
\- Ich wuerde Ihnen gerne helfen, aber der Betriebsrat verbietet ueberstunden  
\- Ein Rabe hat in der Satellitenschuessel sein Nest gebaut  
\- Das Problem wurde schon mal behoben, aber keiner kann sich erinnern, wie  
\- Netzwartung ist im Streik, weil DooM vom Server geloescht wurde  
\- Neuer Dilbert-Strip im Netz legt Datenverkehr lahm  
\- oekologischer Linux-Server reagiert allergisch auf 'Gelben Strom'  
\- Genetisch vorprogrammierte Lebensdauer des Prozessors abgelaufen  
\- CPU hat Verfallsdatum ueberschritten und ist sauer geworden  
\- Terroralarm im Rechenzentrum: alle File-Server wurden evakuiert  
\- Komische Hintergrundstrahlung zu hoch fuer die neuen RAMs  
\- In der Hotline findet ein MP3-Download-Contest statt; Netzwerk ist ueberlastet  
\- Nur noch Stehplaetze im AGP-Bus frei  
\- Auf allen Rechnern laufen Service-Pack-Updates  
\- Borg-Prozess im Linux-Cluster assimiliert alle Systemprozesse  
\- Russische Mafia kapert Nachrichtensatelliten und stoert das Internet  
\- Seit dem Firmware-Update der Kaffeemaschine antwortet der File-Server nicht mehr  
\- Erdmagnetfeld wandert - alle Plattenlesekoepfe dejustiert  
\- Betriebsrat verbietet CPUs mit mehr MIPS als ein durchschnittlicher Betriebsrat  
-Dual-Pentium-Server: die beiden CPUs streiten um das DVD-ROM  
\- Neue Router-Firmware ist in JAVA geschrieben - alles dauert jetzt 100mal so lange  
\- Uni-Leitung hat Roland Berger beauftragt, der das Rechenzentrum als 'zu zentralistisch' stilllegen will  
\- Neues WLAN fuehrt ueber Gateway in Zuerich; daher sind alle IP-Verbindungen 10mal so langsam wie vorher  
\- Zu viele Boersenticker auf den Mitarbeiter-PCs  
\- Mutierte Eichhoernchen haben ueber Nacht das Root-Passwort geaendert  
\- Super-User hielt sich ploetzlich fuer Super-Man und hat sich aus dem Fenster gestuerzt