# Kapitel 11

Im Netzwerkbereich ist heute tote Hose, und aus irgendeinem Grund fühle ich mich ein wenig wie Clint Eastwood ...

„Ich weiß, was du jetzt denkst. Du fragst dich: Überwacht er den vierten Stock oder den fünften? Nun, um ehrlich zu sein, bei all dem Trubel habe ich selbst noch nicht auf den Bildschirm geschaut. Aber wenn man bedenkt, dass ich eine definierte Taste habe, um einen Kernel-Debugger auf dem Server aufzurufen, der sogar die ERINNERUNG an deinen Datenbankprozess – und die Arbeit, die du heute Morgen erledigt hast – löschen kann, solltest du dir eine Frage stellen: Hab ich heute Glück? ... Na, was ist? ... Kleiner Strolch?!“, herrsche ich ihn an.

Ich höre das Klappern des Hörergehäuses an der Wand, und vor meinem geistigen Auge sehe ich fast schon, wie der verängstigte Buchhalter zurück ins Büro huscht, um die Verbindung zur Datenbank noch vor der Failover-Zeit ordnungsgemäß zu schließen.

Da mein geistiges Auge nicht mehr das ist, was es einmal war, schalte ich durch meine Überwachungsmonitore im vierten Stock, bis ich einen nerdigen Typen sehe, der schwer bepackt mit Mittagessen auf schnellstem Weg zu seinem Büro eilt. Ich klicke auf das Sicherheitsfenster und deaktiviere die „Tür öffnen“-Knäufe im Treppenhaus.

Ich wünschte fast, ich hätte den Ton der Kameras eingeschaltet, damit ich das dumpfe Aufschlagen hören könnte, wenn die Tür nicht aufgeht, aber man kann nicht alles haben.

Regel 75 der Netzwerk-Ops: Melde niemals einen Fehler von einem Gerät im Pausenraum aus. Besonders dann nicht, wenn dein Büro ein Stockwerk höher und am anderen Ende des Gebäudes liegt.

Ich mache mich wieder an meine Arbeit, die heute darin besteht, die Magnetkarten-Zugangskontrolle zu „reparieren“. Anscheinend gab es da einen Logikfehler, von dem niemand etwas wusste, bis ein besonders nerviger Verkaufsberater am langen Feiertagswochenende versehentlich im Sicherheitsbereich eingeschlossen wurde. Der arme Kerl war ein sabberndes Wrack, als sie ihn fanden – anscheinend spielten dort drin auch alle 10 Minuten die Sirenen und Sprinkleranlagen verrückt.

Das zeigt mal wieder, dass man nicht vorsichtig genug sein kann, wenn man jemandem, der mit Netzwerk-Magazinen beladen ist, nicht den Aufzug aufhält ...

Ich lade den originalen Magnetkarten-Microcode über meine spezialisierte, gepatchte Version und bescheinige dem System beste Gesundheit. Es war offensichtlich ein außergewöhnliches Hardwareproblem und hatte rein gar nichts mit dem Netzwerk zu tun ...

Während ich im Serverraum bin, trifft eine Festplatte als Vorbereitung für einen Austausch ein, was bedeutet, dass der Techniker nicht weit sein kann. Blitzschnell habe ich den Karton offen, wickle ein paar Büroklammern um die Stromanschlüsse auf der Rückseite der Platte und lege sie zurück in die Verpackung.

Nur wenige Sekunden später trifft ein Servicetechniker im Nadelstreifenanzug ein. „Hallo, ich bin hier, um das defekte Laufwerk auszutauschen“, trötet er. Ich führe ihn zu der Maschine, auf der der Fehlerstatus angezeigt wird, und er macht sich an die Arbeit. „Soll ich das System herunterfahren?“, frage ich. „Oh nein, wussten Sie nicht? Diese Maschine ist gespiegelt und Hot-Swap-fähig. Ich ziehe einfach die Abdeckung so ab...“ *Klack!* „Löse diese beiden Befestigungsschrauben, schnappe mir die neue Platte und... ... Hey, haben Sie diese Tüte geöffnet?“ „Nein, die muss so geschickt worden sein.“ „Oh. Das war wahrscheinlich das Büro, als sie sie vorformatiert haben.“

Er hat nun „Lügen gegenüber dem Kunden“ zu seiner Liste der Sünden hinzugefügt. Tragisch. Er fährt fort: „Ich nehme die neue Platte in die eine Hand, schiebe die alte Platte so heraus ... lege sie so auf den Boden ...“ *Plonk!* „Und schiebe die neue so hinein ... und ...“ **BUMM!**

Der Geruch von Ozon verrät mir, dass sowohl die Büroklammern als auch das Netzteil Geschichte sind. Zeit, den Unschuldigen zu spielen. „Was zur Hölle ist passiert?!“, fahre ich ihn an. „Äh, es scheint, dass das Ersatzlaufwerk leicht fehlerhaft war, und die zusätzliche Last könnte Ihr Netzteil überfordert haben.“ „Sie haben unsere Maschine in die Luft gejagt!“ „Nein, nein, es ist nur ein Problem mit der Stromversorgung. Alles, was ich tun muss, ist, die Platte so herauszuziehen, den Strom auszuschalten und diesen Schalter umzulegen, um auf das andere Netzteil umzuschalten. Jetzt schalte ich sie ein und ...“ Nichts passiert. „Es passiert überhaupt nichts!“ Er serviert mir den Klassiker aller Techniker: „Das ist ja interessant!“ „Ja, das hat der Techniker gestern auch gesagt, als er das andere Netzteil geschrottet hat.“

Ein Netzwerk-Überlastungsalarm rüttelt mich vor meinem Terminal wach, und ich merke, dass das alles nur ein schöner Traum war. Na ja, ich schätze, ein Netzwerktechniker muss seine Grenzen kennen.

Das Telefon klingelt, ich nehme ab. „Ich weiß, was du jetzt denkst ...“

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