Kapitel 12
Es ist mal wieder Zeit für einen neuen Chef. Da dies das Ergebnis politischer Ränkespiele ist, in die ich nicht involviert war, bin ich besorgt. Doppelt besorgniserregend: Der offizielle Büro-Funk (Sharon, die Sekretärin des Ex-Ex-Chefs) meldet, dass der Neue ein Erbsenzähler ist!!!
Ein neuer Chef ist schon schlimm genug, da sie sich alle dadurch profilieren wollen, dass sie die Abteilungshierarchie umbauen, um sie von einem verkümmerten Geldgrab in eine glitzernde und umjubelte Service-Sparte zu verwandeln. Aber ein Erbsenzähler ist garantiert noch viel schlimmer! Erbsenzähler haben den Ruf, Umstrukturierungen durchzuführen, die schlimmer sind als die eines halbblinden, epileptischen Pokerspielers in einer Disco.
Um diesen Posten zu bekommen, muss er entweder:
-
den CEO mit seinen glänzenden Träumen komplett eingeseift haben, oder
-
herausgefunden haben, dass die Innenausstattung des CEO-Büros die Firma zwar zehntausende Pfund kostete, die Renovierung des kompletten Privathauses des CEO hingegen nur 47 Pence.
Erstaunlich, was man so erfährt, wenn man einen passiven Fax-Empfänger an die private Faxleitung des CEO klemmt ...
Es ist Montagmorgen, 9:15 Uhr, und die gesamte Abteilung wartet mit angehaltenem Atem auf die Ankunft von Gerry, dem neuen Oberbefehlshaber. Er taucht aus dem hinteren Treppenhaus auf und erwischt die halbe Belegschaft dabei, wie sie sehnsüchtig auf die Fahrstuhltüren starrt – eine nette Abwechslung zum normalen Starren auf die Uhr.
Sofort beruft er ein Meeting ein, um seine „abteilungsinternen Sparmaßnahmen“ zu diskutieren. Niemandem aus dem Team ist das wirklich wichtig; wir wurden in den letzten zwei Jahren so oft hin- und hergeschoben, dass die Wände auf Rollen stehen und das Raumverzeichnis eine Kreidetafel ist. Nicht einmal X.500 kommt da noch mit.
Das Meeting plätschert dahin mit den üblichen albtraumhaften Personal-Umgruppierungen (PC-Support zu den Telefonisten; Unix-Operatoren zur Teeküche-Dame und so weiter). Die Gruppen werden in „Wissenseinheiten“ umbenannt, damit jeder ein warmes Gefühl bei der Umstrukturierungs-Verarsche bekommt, die ihm gerade serviert wurde.
Dann nimmt das Meeting eine Wendung zum Schlechteren, als die Gleitsichtbrille des Todes auf mir zur Ruhe kommt. „Simon, als Netzwerktechniker wirst du auf deiner Position am Helpdesk von unschätzbarem Wert sein. Deine Mitarbeit wird sicherstellen, dass die Lösungszeiten bei Netzwerkfehlern dramatisch sinken ...“
Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass die Chancen, dass ich eine Stelle am Helpdesk annehme, so gering sind, dass ein magersüchtiger Äthiopier im Hungerstreik dagegen wie Schweinchen Dick aussehen würde.
Auf dem Weg zurück in mein Büro wird mir klar, dass ich das Beste daraus machen kann, indem ich entweder aus der Hölle auferstehe, in die man mich gerade verbannt hat, oder indem ich meine Zeit mit sinnloser Rache verschwende. Ich lasse eine Münze entscheiden ... Kopf. Rache also. Ein plötzliches Erdbeben erschüttert die Münze auf „Zahl“. Rache also. „Kante“ war auch verdammt nah dran.
Der Weg ist frei. Gerry hat offensichtlich das Wochenende damit verbracht, dies auszuformulieren, und wird in Kürze eine Salve von Memos sowohl in der Abteilung als auch an die Führungsebene abfeuern. Ich staube meine „Router-Text-Änderungs-Software“ ab (ein simples Stück Code, das einfach Pakete beobachtet und gelegentlich einen Rechtschreibfehler einbaut oder eine Null an das Ende einer Zahl hängt), nehme ein paar Modifikationen vor und lade sie auf die Netzwerk-Hardware hoch. Um auf der sicheren Seite zu sein, lade ich auch den Duplikator-Code hoch.
Nur wenige Minuten später piept meine Workstation, als eine E-Mail vom Chef reinkommt. Ein Memo, das die im Meeting getroffenen Entscheidungen bestätigt, wenn ich mich nicht irre. (Was ich nie tue. Nie tat. Nie tun werde.) Ich muss die Nachricht gar nicht erst öffnen, um zu wissen, dass die „An:“-Zeile mit einer kreativen Abfolge von Kraftausdrücken umgeschrieben wurde.
Zwei Minuten später klingelt das Telefon. Die Anrufer-ID meldet: „Big Guy“. „Was zur Hölle ist mit dem System los?“, knurrt der CEO. „Wie meinen Sie das?“, frage ich mit mitfühlender Besorgnis. „Mein Drucker spuckt dasselbe Memo immer und immer wieder aus und ich bekomme ständig dieselben E-Mails!“ „Das ist doch nicht etwa von Gerry, oder?“ „Doch, warum?“ „Oh, er hat wahrscheinlich mal wieder an seinem Drucker und den Einstellungen seines Mail-Clients herumgespielt. Ich werde das schleunigst in Ordnung bringen.“
Der CEO legt auf, und ich fahre den Router runter, womit das Problem gelöst ist. Runde eins geht an mich, denke ich. Ich würde den Chef ja anrufen, aber er scheint gerade ein recht dringendes Gespräch mit dem CEO zu führen. Vielleicht später ...
Fortsetzung folgt ...
No comments to display
No comments to display