Kapitel 13
Es ist ein heißer Morgen, und ich habe die Sicherheitsfenster für etwas „Klimatisierung“ aufgehebelt. Das hat den unschönen Nebeneffekt, dass am Sicherheitspult eine Warnlampe aufleuchtet, aber aufgrund eines CAD-Verkabelungsfehlers, der nie ganz geklärt wurde, gibt es nur eine einzige Lampe für die 204 Fenster auf sechs Stockwerken. Es wird also etwa eine Stunde dauern, bis der Sicherheitsdienst mich findet.
In der Zwischenzeit ist der Chef in mein Bald-nicht-mehr-Büro gestürmt, weil er mich heute Morgen beim Plausch mit dem CEO beobachtet hat und wissen will, worum es ging ... Nach dem E-Mail- und Drucker-Debakel der letzten Woche hält er sich bedeckt, bis seine große Umstrukturierung die süßen Früchte des Sieges trägt. Da die Smalltalk-Fähigkeiten des Chefs nicht einmal bis zum Wetterbericht reichen, braucht er nur 10 Sekunden, um zum Punkt zu kommen.
„Und, was wollte der CEO heute Morgen?“ „Der CEO?“, frage ich und spiele den Dummen bis zum Anschlag. „UNSER CEO!“, wiederholt er etwas harsch. „Sie haben vor dem Gebäude mit ihm geredet.“ „Ach, der CEO“, sage ich. „Nun, er war besorgt, dass wir auf der oberen Managementebene nicht genügend Redundanz haben.“ „Tatsächlich?“, ruft der Chef aus, die Augenbrauen im Steilflug. „Ich dachte nicht, dass er überhaupt etwas von Netzwerken versteht.“ „Versteht er auch nicht“, antworte ich süffisant. „Sie sind gefeuert!“
„Wovon reden Sie da?“, verlangt er zu wissen. „Gefeuert. Sie wissen schon: entlassen, freigestellt, terminiert. Rationalisiert!“ „Das glaub ich Ihnen nicht!“, höhnt er. „Natürlich nicht. Der CEO wollte es Ihnen ja persönlich sagen, aber er schuldete mir noch einen Gefallen ...“ „Er schuldete Ihnen einen Gefallen?“ „Ja, weil ich ihn auf diese Rechnung aufmerksam gemacht habe.“ „Rechnung?“ „Ja, die von Ihnen für die zwei Großbildfernseher, die heute Morgen an Ihre Privatadresse geliefert wurden – verbucht unter ‚erweiterte Kommunikationsausrüstung‘.“
„Ich habe keine Fernseher bestellt!“ Ich krame bedächtig ein paar Papiere hervor. „Das ist also nicht Ihre Unterschrift?“, frage ich und zeige auf das Blatt. „N ... nun, ich gebe zu, es gibt eine gewisse Ähnlichkeit, ab ...“ „Sollte es auch, ich habe eine Woche und zwei Ihrer Souvenir-Kugelschreiber von der Airline gebraucht, um sie zu perfektionieren! Das Papier hat sogar Ihre Fingerabdrücke drauf!“ „Das kann nicht sein! Ich habe das Ding noch nie im Leben gesehen.“ „Haben Sie gestern etwa nicht Ihren Laserdrucker mit Papier aufgefüllt, als es leer war?“ „Ich ...“ „Das war ziemlich dämlich, oder?“ „Ich kann nicht gla ...“ „Glauben Sie es ruhig. Aber es ist halb so wild. Wenn Sie dem Dienst für digitalisierte Unterschriften vertraut hätten, hätten wir dieses Gespräch schon vor einer Woche und zwei Stiften geführt – so haben Sie sich wenigstens etwas Zeit erkauft. Das ist eine Woche mehr, bevor die Pfändungsankündigung für Ihre Hypothek eintrifft ...“
„Sie Bastard!“ „Leibhaftig, der Einzige, voll im Dienst und gerade dabei, Ihre ausstehenden Urlaubstage zu manipulieren! Oh, sehen Sie mal! Ist das nicht der Sicherheitsdienst, der gerade nach Ihnen sucht?“
Er weicht zurück, direkt durch das offene Sicherheitsfenster und zwei Stockwerke in die Tiefe. Es geht doch nichts über ein paar Knochenbrüche, um einen bei der Arbeit mal so richtig auszubremsen. Der Sicherheitsdienst ist natürlich in weniger Zeit vor Ort, als man braucht, um einen WAN-Router mit 10 Slots über ein 150-Baud-Modem vollständig neu zu konfigurieren. (Das geht nicht schnell, falls Sie sich das fragen). Der CEO ist ebenfalls anwesend.
„Was ist passiert?“, fragt der CEO. „Nun“, sage ich, „schwer zu sagen. Er hat irgendwas von einer Bestellung und Fernsehern und Zeug gefaselt. Ich sage es ja nur ungern, aber ich glaube, der Stress wurde ihm zu viel. Der Suizidversuch war wohl nur ein Hilfeschrei ...“ „Kein Schrei, der von dieser Firma beantwortet wird!“, knurrt der CEO. „Der ist hier raus!“
Guter alter CEO, loyal bis zum bitteren Ende! Und wenn man bedenkt, dass er heute Morgen noch zuckersüß war, als wir diesen netten Plausch über seine exzellente Wahl des Schneiders hielten. Man sagt, ich spiele auch ein verdammt gutes Poker.
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